Altersvorsorge

01. Oktober 2012 17:08; Akt: 01.10.2012 18:02 Print

Der Rentenklau der Lebensversicherer

Das Geschäft mit den Pensionskassen ist für die Versicherer hoch profitabel – auch, weil sie Defizite in der Verwaltung auf die Versicherten abwälzen. Es geht um mehr als eine Milliarde Franken.

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Mit einer Schattenrechnung verrechnen die Versicherer ihre Defizite zu Lasten des Überschussfonds, der den Versicherten gehört. (Bild: colourbox.com)

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Viele KMU haben keine eigenen Pensionskassen, wie das bei den meisten Grossfirmen der Fall ist. Die kleinen Betriebe wickeln ihre 2. Säule - die Pensionskasse - über einen privaten Lebensversicherer ab. Diese verwalten rund 130 Milliarden Franken an Pensionskassengelder und verdienen dabei prächtig. Die Finanzmarktaufsicht hat kürzlich die aktuellsten Zahlen publiziert: 2011 waren es über eine halbe Milliarde Franken. In den vergangenen sechs Jahren rund 1,8 Milliarden Franken.

Erträge und Aufwendungen im 2.-Säule-Geschäft verbuchen die Lebensversicherer über drei Posten. Bei der Rendite auf dem ihnen anvertrauten Kapital und bei den Risikoversicherungen stehen die Versicherer über die vergangenen Jahre deutlich im Plus. Anders bei der Verwaltung: Dort schreiben fast alle Versicherungs-Gesellschaften Defizite. Kumuliert beläuft sich der Fehlbetrag seit 2006 auf rund eine Milliarde Franken.

Schattenrechnung

Diese Defizite verrechnen die Unternehmen zu Lasten des so genannten Überschussfonds – ein Reservetopf, der den Versicherten gehört, wie die Wirtschaftssendung «Eco» des Schweizer Fernsehens berichtet. Die Schattenrechnung sei nachzulesen in einem weitgehend unbeachteten Anhang einer Studie des Bundesamtes für Sozialversicherungen.

Das Geld fehle letztlich den Angestellten von hunderttausenden KMU, die ihre Pensionskasse über einen Lebensversicherer organisieren. Angesichts stagnierender Renditen an den Börsen, einer tiefen Mindestverzinsung des Vorsorgekapitals und wenig Aussicht auf eine Besserung sei diese Milliarde eine hohe Summe.

Auf Anfrage von «ECO» verweisen Swiss Life, Allianz Suisse und Bâloise an den Schweizerischen Versicherungsverband. Dieser betont, er könne im Detail nicht für die Versicherungs-Gesellschaften sprechen. Im Gespräch mit 20 Minuten bestreitet Sprecherin Selma Frasa die Behauptungen, den Versicherten eine Milliarde Franken vorzuenthalten. «Es handelt sich um einen gesetzlich zulässigen Vorgang», so Frasa. Auch Pensionskasse-Experte Werner C . Hug stellt die Berechnungen von «Eco» in Frage.

(whr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Moser am 01.10.2012 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ahnungslose Stimmungsmache

    Fakt ist: unabhängige PKs haben höhere Verwaltungskosten (viel Infrastruktur für wenige Versicherte), die Rendite und damit die Verzinsung des Alterskapital ist tiefer, weil weniger professionell. Dazu kommt die Versuchung der Verantwortlichen, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Ausserdem haben alle diese PKs eine Unterdeckung, was letztlich auch wieder tiefere Leistungen zur Folge hat. Die Vollversicherungslösungen garantieren den KMUs Sicherheit ohne Unterdeckungsrisiko und leisten damit mehr für unsere soziale Sicherheit als die AHV!

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  • Sich Auskennender am 02.10.2012 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Man rechne...

    1 Mia.! in 5 Jahren... das sind dann 200 Mio pro Jahr... bei einem Volumen von 130 Mia sind das 0.15% Rendite... gemessen an der bewiesenen besseren Performance an den Anlagemärkten gegenüber Teilautonomen Stiftungen und der Sicherheit absolut PEANUTS. Reine Propagandamacherei von 20min.

  • Ferdinand T. am 01.10.2012 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache bleibt!:

    Bisher mussten wir Steuerzahler nur für das Löcherstopfen bei den öffentlichen Kassen einspringen. Der Service Public beweist uns nun schon bereits seit fast 30 Jahren, dass er zur Führung einer Pensionskasse nicht befähigt ist. Deshalb sollte man dringenst die öffentlichen Pensionskassen an private Versicherungslösungen auslagern!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Slow Down am 02.10.2012 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Na Ja,

    Bevor hier Panik gemacht wird...Die Überschüsse sind ja nicht garantiert und wenn's mal an der Börse besser läuft werden diese ja auch ausgezahlt. Ist halt wie im Casino, geht's dem Zocker schlecht, kann/will er auch keinen ausgeben. ;) Trotzdem verdienen hier diverse Parteien einfach zu viel, aber das ist ja nichts Neues...Welcome to Capitalism...

  • tony am 02.10.2012 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    wieder mal abzocke

    wir schweizer/innen sind uns doch gewohnt, dass wir über den tisch gezogen werden. da wir jedoch gemäss den kommentierenden experten alle spitzenlöhne verdienen, gleicht sich das wieder aus, deshalb kein gejammer ;-((

  • manu am 02.10.2012 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    was regt ihr euch so auf

    das ganze geld ist systembedingt alle 60-70 jahre wertlos. solange sich das nicht ändert ist alles andere nur symtombekämpfung. im bereich der vorsorge gäbe es da eine kleine ausnahme, die direkte umverteilung wie es die ahv kennt, so kann das geld nicht verloren gehen weil immer wieder ausbezahlt. hört auf geld zu horten, jedes plus ist irgenwo ein minus (plus zinsen), und hinterfragt endlich das system.

    • Rösli Köhl am 02.10.2012 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      Auf den Punkt gebracht!

      Schreibt euer Pensionskassengeld lieber heute schon ab, dann müsst ihr in Zukunft weniger weinen...

    • urs Zehnder am 02.10.2012 18:02 Report Diesen Beitrag melden

      Nur Sparen bringts

      Genau wie in Deutschland - dort läuft es bei der Rente so. Nur ist in der Zwischenzeit die Zahl der Rentner gestiegen. Deshalb müssen weniger Arbeiter für viele Rentner aufkommen. Das System hinkt, die beneiden uns um unsere gute Rente mit dem gehorteten (gesparten) Kapital.

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  • Robert Mosimann am 02.10.2012 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Versicherungen, die Rentenabzokker

    Von den Behörden und Politiker (mit wenigen Ausnahnen) ist niemand interessiert die zu hohen Verwaltungskosten zu hinterfragen. Warum? Weil all die Verantwortlichen direkt oder indirekt an diesem Schlamassel verdienen. Es braucht eine Volksabstimmung um der Verschleuderung von Rentengeldern entgegen zu wirken. Was macht da die SP? Nichts

    • Transparenz als Lösungsweg am 02.10.2012 10:07 Report Diesen Beitrag melden

      Doch die SVP macht was

      nähmlich Schweizerische Versteckerlis Politik, und sitzt vermutlich mit ihren Leuten selber genau an solchen Stellen.

    • Der Kalkulator am 02.10.2012 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      Sparen

      Ich habe meine PK rausgenommen und in ein Haus investiert. So weiss ich wo mein Geld ist und bezahl dafür praktisch keine Verwaltungskosten mehr!

    • Alfred W. am 02.10.2012 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Sehe ich auch so

      Nur, sollte es zu einer Volksabtimmung kommen wird die bürgerliche"Task-Force-Walze" alles zunichte machen. Und mit einer Stimmbeteiligung von unter 40% wird das Ruder kaum gedreht ...

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  • Reto am 02.10.2012 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Vererbbare Altersguthaben

    Angesparte Altersguthaben die nach dem Rentenbezug noch übrig bleiben, sollen per Standard in das Eigentum des Rentners übergehen und somit auch vererbt werden können. Hier handelt es sich um persönlich angesparte Gelder, wenn auch zweckgebundene, die nicht sang- und klanglos einfach einer grauen Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden sollten.