Fragen & Antworten

25. Juni 2013 05:43; Akt: 25.06.2013 08:43 Print

Die Postfinance wird zur Bank

von S. Spaeth - Diese Woche erhält die Postfinance die Banklizenz: Damit steigt das Institut zu einer der grössten hiesigen Banken auf, verliert aber die unbegrenzte Staatsgarantie. Antworten auf wichtige Fragen.

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Postfinance-Chef Hansruedi Köng.

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Seit Jahren haben die Postverantwortlichen darum gekämpft – am Mittwoch ist es endlich Tatsache. Die Postfinance erhält die Banklizenz. Gemessen an den verwalteten Vermögen dürfte die Postfinance hinter den Grossbanken UBS und CS sowie Raiffeisen und ZKB zur Nummer 5 der Schweizer Banken werden. Das müssen Sie über den neuen Bankriesen wissen:

Was bringt die Banklizenz der Postfinance?
Bisher war die Postfinance vor allem im Bereich Zahlungsverkehr und den dazugehörenden Dienstleistungen tätig. Mit der Bankbewilligung kann das Institut nun auch als Bank und Wertschriftenhändlerin tätig sein und das ihr anvertraute Geld einfacher investieren. Sie verwaltete Ende 2012 Kundengelder von 103,8 Milliarden. Der Gewinn stieg um 6,8 Prozent auf 631 Millionen Franken.

Welche Einschränkung gibt es?
Die Postfinance erhält aus politischen Gründen eine «Banklizenz light». Sie darf selbständig keine Hypotheken und Firmenkredite vergeben und muss weiterhin mit Partnerinstituten wie Valiant und der Münchener Hypothekenbank zusammenarbeiten. Derzeit sind über die Hälfte der Postfinance-Gelder im Ausland angelegt, zumeist in Obligationen. Rund 40 Milliarden sind ohne Rendite bei der Nationalbank parkiert.

Ist die Postfinance mit der «Banklizenz light» rundum zufrieden?
Die Postfinance-Spitze hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie gerne auch selbständig Hypotheken und Firmenkredite in der Schweiz vergeben hätte. Zum «Hypothekenverbot» sagte Postfinance-Chef Hansruedi Köng im Dezember gegenüber der TV-Sendung «Eco»: «Wenn ich frei wünschen dürfte, würde ich sagen: weg mit dieser Restriktion.»

Was sagen die Konkurrenten?
Hier ist man froh, dass die Postfinance selbständig keine Hypotheken und Kredite erteilen darf. Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz hatte für diesen Fall einst gedroht, Filialen in ländlichen Regionen zu schliessen. Die implizite Staatsgarantie für Postfinance auf Bundesebene und die Kantonalbanken auf kantonaler Ebene führe zu einer Wettbewerbsverzerrung, monierten die Gegner.

Welche Pflichten erwachsen der Postfinance mit der Banklizenz?
Mit der Banklizenz geht die Umwandlung der Postfinance in eine Aktiengesellschaft einher. Deshalb musste das Finanzinstitut Eigenmittel von 4 bis 5 Milliarden Franken aufbauen. Zudem gilt für Postfinance künftig die Steuerpflicht, der Gewinn dürfte damit sinken. Geschätzte 150 bis 180 Millionen Franken werden die Post AG, die Postfinance AG und Postauto Schweiz AG (seit 2005 eine AG) an den Fiskus abliefern müssen. Wie sich die Steuereinnahmen auf Bund und Kantone verteilen, ist noch nicht klar.

Was ändert sich für die Postfinance-Kunden?
Ihre Sparbatzen sind künftig weniger gut geschützt. Hatte der Staat bis anhin unbegrenzt gehaftet, sind im Konkursfall nur noch 100'000 Franken pro Kunde geschützt. Dies entspricht dem normalen Einlegerschutz in der Schweiz, wie ihn auch UBS, CS & Co. kennen. Eine Übergangsbestimmung gilt für Kassenobligationen: Hier haftet der Bund während einer fünfjährigen Frist noch unbegrenzt. Beim Einlegerschutz besser als die Postfinance stehen die meisten Kantonalbanken da. Mit Ausnahme der Waadtländer-, Berner- und der Genfer Kantonalbank kennen alle Institute die uneingeschränkte Staatsgarantie.

Wie hat die Postfinance von der Staatsgarantie bisher profitiert?
Die Postfinance zählte zu den grossen Gewinnern der Finanzkrise. Im Zug von untergehenden Banken hat der Faktor Sicherheit stark an Bedeutung gewonnen. Die Kundengelder stiegen von 49,3 Milliarden Ende 2008 auf 70.2 Milliarden Ende 2009. Ende 2012 verwaltete die Postfinance Kundengelder von 103.8 Milliarden. Das Institut zählt rund 2,9 Millionen Kunden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco S am 25.06.2013 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld zu Hause aufbewahren

    Bald wollte ich zur PostFinance wechseln. Nachdem ich aber das hier gelesen habe, bleibe ich wo ich bin.

  • Juan Valdez am 25.06.2013 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Entwicklung

    Was in den nächsten 10 Jahren kommen wird, ist ein weiterer Abbau des Service Publics zugunsten der Gewinnmaximierung.

    einklappen einklappen
  • Paul Winter am 25.06.2013 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich wird...

    die Post nicht so wie die UBS oder CS. Bis jetzt war es ein Institut, dass man gebrauchen und vertrauen konnte... Statt eine Bank zu werden, hätten sie lieber für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaut... Sehen wir, wie es weitergeht...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franco am 27.06.2013 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Postfinanz soll Strassen+SBB finanzieren

    d.h. Quer-Subventionieren, dann braucht es die Strassen-/Bahn-Teuerungen von BR Doris Leuthard gar nicht - Hirnzellen aktivieren ist angesagt.

  • Franz am 25.06.2013 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ausland-Geschäfte verbieten

    Es kann nicht sein, das die Postfinance mit den Kundengelder Auslandgeschäfte übernimmt / macht - wenn schon, sollte das Geld für CH-Inland-Geschäfte gebraucht / angelegt werden.

  • d. Felber am 25.06.2013 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    und weg!

    und genau diese 6000 Amis werden unsere Postfinance kaputt machen! Ich ziehe unsere Gelder ab! - Was "kämpfen und schreien " alle Kleinsparer gegen das Bankgeheimnis? Ich mache doch nicht ein Konto auf über den Ozean... ausser es lohnt sich... Es ist einfach lächerlich!

  • Marcel Horni am 25.06.2013 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    banksters

    konto gebühr unter 7500 fr. kostet 5 fr im monat absolute abzocke!!! zb eine person erhält sozailleistungen von der gemeinde ausbezahlt auf ein postkonto :) also zahlt die gemeinde 5 fr für deren konto gebühren und der sozialhilfe empfenger hat noch weniger geld ende monat

  • Inge am 25.06.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Steuereinnahmen

    Ich finde es toll, dass es dadurch mehr Steuereinnahmen gibt, so geht es der Postfinance wie vielen anderen Unternehmen.