US-Zinsentscheid

15. März 2017 20:35; Akt: 15.03.2017 20:35 Print

Erhöht nach den USA auch die Schweiz die Zinsen?

von Isabel Strassheim - Die US-Notenbank hat am Mittwochabend die Leitzinsen weiter angehoben. 20 Minuten erklärt, was das für die Schweiz bedeutet.

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US-Notenbankchefin Janet Yellen hat am Mittwochabend die Leitzinsen zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Sie kündigte zugleich zwei weitere Zinserhöhungen für dieses Jahr an. Aktuell steigt die Bandbreite auf 0,75 bis 1,00 Prozent. Leitzinsen regeln, zu welchen Bedingungen sich Banken bei der Zentralbank Geld besorgen können – und damit auch, welche Zinsen Bankkunden zahlen müssen. Was sind die Folgen?

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Zieht die Schweizerische Notenbank (SNB) nun mit Zinserhöhungen nach?
Theoretisch könnten die Zinsen in der Schweiz gleich am Donnerstag steigen. Denn einen Tag nach der US-Notenbank hat die SNB ihre alle drei Monate stattfindende Zinssitzung. Aber die Zinsen in der Schweiz dürften noch ein oder zwei Jahre lange auf ihrem jetzigen Niveau von minus 0,75 Prozent bleiben. «Die SNB dürfte bis 2019 oder gar 2020 bei ihrem jetzigen Negativzins bleiben», sagt der Chefökonom der Bank Julius Bär, Janwillem Acket zu 20 Minuten. Sparer dürfte das ärgern, weil sie für ihr Geld nichts bekommen. Hypothekarbesitzer dagegen können sich über weiter niedrige Zinssätze auf kurze Laufzeiten freuen.

Worauf wartet die SNB noch?
SNB-Chef Thomas Jordan schaut nach Frankfurt und nicht nach Washington. Die Schweiz kann ihre Zinsen nicht erhöhen, bevor sie auch in der Euro-Zone steigen. Denn steigen die Schweizer Zinsen im Alleingang, legt der Franken gegenüber dem Euro zu. Für Anleger wird die Schweizer Währung dann nämlich attraktiver. Genau das aber will die SNB nicht. Deshalb müssen die Schweizer Notenbanker auf die Europäische Zentralbank (EZB) warten.

Wann steigen die Zinsen in der Euro-Zone?
«Die EZB wird frühestens 2018 anfangen, ihr Tiefzinsniveau zu entschärfen», sagt Acket von der Bank Julius Bär. Denn die Zentralbank für die Euro-Zone hält noch die Geldschleusen offen und kauft bis Ende 2017 auch noch Anleihen auf, um den Markt auf diese Weise zusätzlich zu fluten. Ob die EZB dann 2018 mit Zinserhöhung beginnt, ist offen: «Bevor sie das kann, muss die Kerninflation in Europa schon klarer in Richtung des Zielwertes von 2 Prozent steigen», sagt Devisenexpertin Thulan Nguyen von der deutschen Commerzbank. Im Moment jedoch liegt die Kerninflation, die die Teuerung bei Lebensmittel, Sprit und Heizkosten ausschliesst, erst bei 0,9 Prozent.

Was bedeutet die US-Zinserhöhung für Europa?
Für Währungen und Wirtschaft spielt sie eine grosse Rolle: «Erhöht Yellen dieses Jahr die Zinsen überraschend stark weiter, stärkt das den Dollar und hilft der Konjunktur in Europa», sagt Devisenexpertin Nguyen. Der Grund: Europäer können ihre Produkte dann durch den Währungseffekt günstiger in den USA verkaufen. Nach Yellens Ausblick vom Mittwochabend ist heute davon auszugehen, dass sie die Zinsen 2017 wie vom Markt erwartet in kleinen Schritten erhöht. Deswegen dürfte der Dollarkurs stabil bleiben: «Der Dollar sollte sich auch bei weiteren zwei Zinsschritten in diesem Jahr nicht massiv aufwerten», erklärt Daniel Kalt. Der Chefökonom der UBS geht eher davon aus, dass der Euro stärker wird, sobald die EZB den Ausstieg aus ihrem Anleihenkaufprogramm ankündigt.

Ärgert Yellen mit der Zinserhöhung Trump?
US-Präsident Donald Trump hat zwar «phänomenale» Pläne für eine neue Steuerpolitik wie auch grosse Infrastruktur-Programme angekündigt. Yellen betonte am Mittwochabend jedoch: «Es gibt noch grosse Unsicherheit über Grösse und Zeit.» Die Notenbank basiere ihre Zinsentscheidungen nicht auf Spekulationen und haben deshalb Trumps mögliche neue Politik noch in keinerlei Weise berücksichtig. Prinzipiell dürfte Trump jedoch die US-Wirtschaft durch Konjunkturprogramme und Steuersenkungen anheizen, so dass die Zinsen weiter steigen könnten. Hierbei stimmen Trump und Yellen überein. Ihr grosser Konflikt ist aber der Dollarkurs: Weiter steigende US-Zinsen bedeuten auch eine steigende US-Währung. Und die geht Trump gegen den Strich, weil dann Importe günstiger werden und die heimische Produktion schwächen.

Sind weitere US-Zinserhöhungen zu erwarten?
Während in der Euro-Zone und der Schweiz die Notenbanker auf den Niedrig-Zinsen verharren, wollen die US-Notenbanker dieses Jahr die Zinsen in zwei weiteren Schritten erhöhen, wie Yellen am Mittwoch sagte. «Diesen Juni und dann erneut im September rechnen wir mit den nächsten US-Zinserhöhungen», sagt Acket von der Bank Julius Bär. Auch UBS-Chefökonom Kalt meint, dass die die US-Notenbank auf einem sehr behutsamen Weg in kleinen Schritten die Zinsen wieder anhebt. «Das ist nötig, denn sie muss sich Spielraum verschaffen, um bei einer künftigen Rezession in einigen Jahren die Zinsen wieder senken zu können.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fran Cesca am 15.03.2017 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gold wird Geld überleben

    Diese seit Jahren invasive Geldpolitik mit Geldhahn öffnen und sich die Staaten so immer mehr verschulden, kann kein gutes Ende nehmen. Interessant dass nun der Goldpreis steigt...

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  • Tom Roth am 15.03.2017 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die SNB als Knecht der EZB

    Neon,die SNB richtet sich schon lange nach der EZB und dies wird auch ihr Untergang sein.

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  • marko 32 am 15.03.2017 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zinsen erhöhen

    Glaube ich nicht

Die neusten Leser-Kommentare

  • Richi B. am 16.03.2017 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fall ist klar

    Die SNB muss zuerst bei der EZB nachfragen was sie soll, bzw. darf.

  • Patrick am 16.03.2017 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Eintrittsgebühr für Coop und Migros

    Gut so. Ich fordere schon lange eine Eintrittsgebühr für Coop, Migros und Co. Ist in etwa das gleiche wie Negativzinsen bei einer Bank.

  • Reto Marti am 16.03.2017 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hypothek abzahlen

    Vor 7 Jahren, kurz nachdem die Zinsen gefallen sind, habe ich ein Haus 250 m2 Wohnfläche + 1000 m2 Garten für 700 000 CHF ersteigert. Das Haus wurde 1984 erbaut. Der Wert wird mittlerweile auf 1,4 Millionen geschätzt. Ich habe meine Hypothek fleißig abgezahlt und habe mich nicht von den Niedrigzinsen beeinflussen lassen. Meine Restschuld beläuft sich aktuell auf 360 000 CHF. Daher eine Belehnung von 50%. Aber ich zahle weiter ab bis auf Null. Daher für mich können die Zinsen steigen. Ich bin bereit dazu. Seid Ihr es auch?

    • Leo am 16.03.2017 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Marti

      340 tausend in 7 jahren abbezahlt da haben sie aber ein topeinkommen, dass sie das in so kurzer zeit geschaft haben. oder lottogewinn? oder geerbt? bei mir ist sowas unmöglich!

    • Reto Marti am 16.03.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

      Hypothek abzahlen

      Danke für das Kompliment! Ich verdiene 110 000 CHF pro Jahr. Das ist gut aber es gibt bessere Löhne. Ich lebe sehr sparsam. Für meine Hypothek Libor zahle ich Monatlich 300 CHF. Meine Pensionskasse nehme ich alle 5 Jahre raus. Ferien mache ich in meinem Garten. Ich besitze kein Auto nur ein GA.

    • Beat Rüegg am 16.03.2017 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Marti

      Das Haus ist höchstwahrscheinlich überbewertet, wohl ziemlich genau um CHF 700'000. Dies ganz einfach deshalb, weil die EZB mit der Niedrigzinspolitik die Immobilienpreise in die Höhe treibt. Es hat sich eine Blase gebildet. Das so nebenbei weltweit, die US-Immobilienpreise sind wieder auf Vorkrisenniveau, nennt mir einen Grund warum diesmal keine Überbewertung mehr da ist. Sei bitte vorsichtig, sonst gibt es ein böses Erwachen.

    • Reto Marti am 16.03.2017 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      Zuwanderung 100 000 pro Jahr

      @Beat Rüegg Das ist nicht eine Blase. Bei den Eigentumswohnungen ja. Aber bei mir ist nicht der Immobilien preis (also mein Haus) in den 7 Jahren so stark gestiegen sondern der Boden. 1 Quadratmeter meines Gartens kostet jetzt 1000 CHF. Vor 7 Jahren war das noch 300 CHF. Bei einer Zuwanderung von 100 000 pro Jahr ist das völlig normal. Die Schweiz ist flächenmäßig nicht gerade gross, aber seher Beliebt bei den Ausländern. Jeder will in die Schweiz. Da hat der Bodenpreis nur eine Richtung. Nach Oben!!

    • Bella am 16.03.2017 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Marti

      Viel Spaß beim Steuern zahlen. Man sollte das Haus nie ganz abbezahlen. Das ist das Schweizer System.

    • Reto Marti am 16.03.2017 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      Bankmärli

      @Bella Für alle die das noch nicht begriffen haben: Das mit den Steuern ist eine Falschinformation der Banken. Die Banken wollen auf keinen Fall das man abzahlt. Da sie dann weniger Zinsen kassieren. Hier ein einfaches Beispiel: Im Moment zahle ich 3600 CHF Fremdkapitalzinsen pro Jahr. Wenn ich mein Haus auf Null abzahle muss ich 800 CHF mehr Steuern zahlen. ABER 3600 CHF WENIGER ZINSEN. 3600 - 800 = 2800 CHF PRO JAHR GESPART + PRO JAHR DER BANK ENTZOGEN!!!

    • Bella am 16.03.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Marti

      Wie kommst du auf 800 Franken. Wenn du alles abbezahlt hast geht das unter Vermögen oder Eigenkapital und dann vesteuerst du den Betrag vom Wert deines Hauses. Dass Kostet. Das ist kein Maerli

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  • Hubert am 16.03.2017 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre an der Zeit

    Es wäre gut würden die Zinsen endlich wieder steigen. Dann würden die wo ach so gern ein Eigenheim wollen mal erwachen. Aber wir haben eine SNB die ist ja so von schwach und kuschelt mit der EZB.

  • System am 16.03.2017 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das hat absolut

    Im Leben nicht gibt es hier Zinserhöhung. Die Enteignung des Volkes muss weitergehen. Über Sparzinsen und Minusrenditen der Pensionskassen. Wie sonst sollen die Trilliarden von Schulden, welche die EU und die USA aufgehäuft haben finanziert werden. AHA durch Inflation! Und die ist schon da.......Aber Hauptsache die Griechen bekommen im Juni wieder Milliarden reingeschoben.

    • Peter Pan am 16.03.2017 14:03 Report Diesen Beitrag melden

      Verstehe ich nicht.

      Keine Zinserhöhung? Und das gibt dann Inflation? Und was hat die mit den Griechen zu tun?

    • Ricardo Monti am 16.03.2017 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      @ System

      Ein Rettungspaket wird es höchstwahrscheinlich nicht geben, da die EU auf eine Transferunion (wie in der Schweiz der kantonale Finanzausgleich) drücken wird. Die wirtschaftsschwächeren Länder sind in der Lage Deutschland zu erpressen, da 49% des Vermögens des Deutschen Staates unverbriefte Auslandsbuchschulden sind. Im Falle eines Grexit platzen diese und die deutsche Nationalbank ist insolvent. Mit dem ganzen Ding wartet man sinnvollerweise bis nach den Wahlen, ohne Merkel ist das nämlich nicht mehr zu machen.

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