Twint-Chef

31. Oktober 2017 16:16; Akt: 31.10.2017 17:10 Print

«Konsumenten müssen sich an uns gewöhnen»

von V. Blank - Der Start der Schweizer Bezahl-App Twint war holprig. CEO Thierry Kneissler über Umgang mit Kritik, den Kampf um Nutzer und Ungeduld an der Kasse.

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Twint ist unpraktisch, eine Pannen-App und niemand nutzt es – das sind nur einige der Vorwürfe, die Ihnen entgegenschlagen. Ist das nicht ermüdend für Sie?
Natürlich höre ich solche Aussagen nicht gern. Aber Kritik gehört wohl dazu, wenn man etwas Neues wagt. Ich lasse mich aber nicht beirren und kann entgegenhalten, dass wir soeben die Schwelle von 500'000 registrierten Nutzern erreicht haben. Und die Zahl wächst täglich: Wir verzeichnen seit Monaten über 1000 Neuregistrierungen pro Tag.

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Trotzdem sieht man an den Ladenkassen praktisch keine Kunden, die Twint benutzen.
Dieser Eindruck täuscht. Pro Monat werden rund 400'000 Twint-Transaktionen verbucht. Von Juni bis August 2017 ist das ein Anstieg von 22 Prozent.

Diese Transaktionen werden aber nicht hauptsächlich im Detailhandel gemacht, oder?
Doch, der Grossteil – etwa 50 Prozent – entfällt auf den Detailhandel. 40 Prozent entfallen auf die Peer-to-Peer-Transaktionen – sprich, wenn sich zwei Benutzer gegenseitig Geld schicken. Der Rest wird im Onlinehandel gemacht.

Warum sollten die Schweizer an der Kasse überhaupt mit Twint zahlen und nicht mit der Debit- oder Kreditkarte, die die meisten ohnehin schon im Portemonnaie haben?
Der grösste Vorteil von Twint ist, dass man es mit einem Bankkonto verbinden kann und nicht extra eine Kreditkarte hinterlegen muss. Auch die Peer-to-Peer-Funktion gibt es nur bei uns. Im E-Commerce ist Twint die einfachste und schnellste Bezahlart. Wir glauben fest daran, dass das Smartphone in Zukunft noch wichtiger wird – und damit auch die Bezahl-Apps.

Im Vergleich zu Bargeld oder Karten sind Sie trotzdem noch ein kleiner Fisch.
Ich finde, 500'000 registrierte Nutzer seit der Lancierung im April sind im Verhältnis zur Grösse der Schweiz ein ordentlicher Wert. Aber klar, wir stehen noch am Anfang. Die Konsumenten müssen sich erst noch an uns gewöhnen.

An der Kasse herrscht oft Ungeduld. Viele Konsumenten monieren daher, dass es zu lange dauert, bis man Twint aufgestartet hat.
Es geht mit Twint nicht länger als mit der Karte. Man kann die App ja schon aufstarten, während man in der Schlange steht.

Gemäss Zahlen der Nationalbank sind über 6 Millionen Kreditkarten und über 4 Millionen Debitkarten mit Kontaktlos-Funktion im Gebrauch. Träumen auch Sie von solchen Zahlen?
(Lacht) Ja, natürlich. Aber die Anzahl kontaktloser Karten ist ja auch nicht über Nacht so gewachsen. Das brauchte rund sieben Jahre.

Wann werden Sie die erste Million Nutzer erreicht haben?
Dieses Ziel sollte in den nächsten zwei Jahren im Bereich des Möglichen sein.

Sie haben mit Anbietern wie Apple Pay oder Samsung mächtige Konkurrenz. Können Sie diesen die Stirn bieten?
Absolut. Coop hat dazu gerade eine Erhebung gemacht: Mit Twint werden bei Coop dreimal mehr Transaktionen gemacht als mit allen anderen Bezahl-Apps zusammen.

Warum gibts Twint bei Coop, nicht aber bei anderen grossen Playern wie Migros oder den Valora-Kiosken?
Mit diesen Händlern sind wir laufend im Gespräch. Wir sind optimistisch, dass wir Migros und Valora bald ins Boot holen können. Im rasch wachsenden E-Commerce-Bereich sind wir bei vielen grossen E-Shops bereits vertreten, so auch bei der Migros-Tochter Digitec Galaxus.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Twint endlich bereit war. Was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?
Es stimmt – wir mussten den Start etwas hinausschieben. Im Nachhinein waren wir etwas zu euphorisch, was die Einführung betraf. Die Integration bei den Banken war anspruchsvoller, als wir anfangs gedacht hatten.

Wie oft nutzen Sie persönlich Twint?
Etwa ein- bis zweimal pro Tag – egal, ob bei der Bäckerei im Quartier oder beim Ticketkauf im öffentlichen Verkehr. Mittlerweile nehme ich mein Portemonnaie gar nicht mehr mit, wenn ich aus dem Haus gehe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kain Spam am 31.10.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wünsch eviel Glück

    Zitat: «Mein Portemonnaie lasse ich jetzt immer zu Hause». ich sage nur viel Spass wenn das System mal abstürzt. Aber das kommt bestimmt niiiiiieeee vor. Genausowenig wie bei der Kartenzahlung. Un dder Akku des Smartphones hält ja bekanntlich auch ewig...

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  • tibu am 31.10.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    total control

    ohne Bares??? Never ever..! dann hätten wir die komplette überwachung. Danke - NEIN¨

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  • Leser am 31.10.2017 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne mich

    Und hat sich der Typ auch schon chippen lassen weils ja "soo praktisch" ist??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Logiker am 01.11.2017 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel und Birnen

    Zitat: Warum ist die App besser als eine ohnehin vorhandene Kreditkarte im Portemonnaie? Man kann ein Bankkonto verbinden und muss keine Kreditkarte [in der App...] hinterlegen Ja, mit dem Portemonnaie muss ich auch keine Kreditkarte hinterlegen. Ich denke, der Typ wollte einen Vorteil verkaufen, den es so gar nicht gibt..... :) Der Aufwand des Hinterlegens irgendeines Bezahlmittels ist sowieso da, ob Konto oder Kreditkarte. Somit ist das, was er gesagt hat sogar eher ein Nachteil...

  • Jigsaw am 01.11.2017 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur?

    Warum muss eigentlich immer und überall jeder sein eigenes system durchwursteln? Kann mann nicht die bestehenden funktionierenden systeme benutzen?

  • Tom am 01.11.2017 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    500000 Nutzer 400000 Transaktionen autsch

    500000 Nutzer und pro Monat nur 400000 Transaktionen? Wenn ich solch katastrophale Zahlen hätte würde ich mich im Keller verstecken. Ich habe die App auch mal geladen und bin noch als Nutzer registriert, aber nach dem 2 mal bezahlen mit Twint bin ich auf Apple-Pay umgestiegen

  • Jd am 01.11.2017 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlos

    Twint ist absolut nutzlos und langsam im Vergleich zu anderen Anbieter wie Apple Pay. Habe beides selbst getestet und der Unterschied ist gewaltig. Zudem wir Apple Pay überall akzeptiert wo man kontaktlos zahlen kann und man braucht nicht noch ein spezielles Terminal.

    • Tom am 01.11.2017 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jd

      Wir wollten es in unserem Restaurant einführen. Es braucht neue Hardware die auch noch etwas kostet und sehr kompliziert ist, wir haben drauf verzichtet, da ist Apple-Pay viel einfacher

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  • S. E. am 01.11.2017 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte durchaus sein

    Manchmal zieht auch einfach nur der Name nicht.