Economiesuisse widerspricht

27. November 2012 10:28; Akt: 27.11.2012 10:55 Print

«Die bilateralen Verträge haben sich gelohnt»

von Lukas Mäder - Die Vorwürfe von SVP-Nationalrat Christoph Blocher wiegen schwer: Economiesuisse schade langfristig dem Wirtschaftsstandort Schweiz. Nun widerspricht der Verband.

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«Es ist legitim, dass jemand die Arbeitslosenversicherung nutzt, wenn er hier gearbeitet und Beiträge bezahlt hat», sagt Pascal Gentinetta, Geschäftsführer der Economiesuisse. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Es sind harte Worte, die SVP-Vizepräsident Christoph Blocher wählt: Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse «geht mit den Sozialisten Hand in Hand», sagt er im Interview mit 20 Minuten. Grund für den Vorwurf sind die flankierenden Massnahmen der Personenfreizügigkeit. Diese schaden laut Blocher dem freien Arbeitsmarkt in der Schweiz. Economiesuisse-Direktor Pascal Gentinetta weist diesen Vorwurf zurück: «Der bilaterale Weg mit der Personenfreizügigkeit hat sich insgesamt gelohnt.»

Gentinetta räumt zwar ein, dass die flankierenden Massnahmen ein Kompromiss mit den Gewerkschaften gewesen seien. «Doch wir sind klar gegen weiterführende Massnahmen wie die Solidarhaftung», sagt er. Dafür gebe es keinen Bedarf. Bei der Umsetzung der flankierenden Massnahmen muss laut Gentinetta gelten, was ursprünglich vereinbart wurde.

Blochers Befürchtung, dass bei einer Rezession die zugewanderten Arbeitskräfte dem Staat zur Last fallen würden, teilt Gentinetta nicht. «Es ist legitim, dass jemand die Arbeitslosenversicherung nutzt, wenn er hier gearbeitet und Beiträge bezahlt hat.» Insgesamt hätte die Zuwanderung die Sozialwerke entlastet. Da die mit der Personenfreizügigkeit zuwanderten ausländischen Arbeitskräfte sehr gut ausgebildet sind, sei ihre Arbeitslosenquote ähnlich tief wie jene der Schweizer.

Frage der Personenfreizügigkeit mit Kroatien

Der SVP ist die Personenfreizügigkeit ohne Bevorzugung der Schweizer ein Dorn im Auge. Sie würde den Vertrag am liebsten neu verhandeln. Blocher macht im Interview denn auch klar, dass er gegen die anstehende Erweiterung auf Kroatien ist. Diese müsse mit einem Referendum bekämpft werden. Diese Haltung kann Economiesuisse-Direktor Gentinetta nicht verstehen. Die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit sei nachvollziehbar, zumal Kroatien ein wirtschaftlich entwickeltes Land sei, sagt er. «Es braucht einfach analoge Übergangsfristen wie bei früheren Erweiterungen.»

Blocher greift im Interview auch Walter Kielholz, Verwaltungsratspräsident der Swiss Re und Verwaltungsrat der Credit Suisse, an. Dieser wolle sich der EU annähern, weil in Brüssel zu lobbyieren einfacher sei, als im direktdemokratischen System Abstimmungen zu gewinnen. Kielholz und die Swiss Re wollten sich auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen äussern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.S. am 27.11.2012 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kanns nicht mehr hören

    Ständig kommen sie mit dem Wirtschaftsargument. Zuwanderung beflügelt die Wirtschaft. Ja toll, muss immer alles so strikt auf enormes Wachstum getrimmt sein? Irgendwann ist fertig und die Schweiz kann als Riesenmetropole angesehen werden, da alle Städte und Dörfer allmälich zusammenwachsen, dann haben wir den Salat. Auch dass es die Sozialwerke entlastet stimmt nicht, mehr Leute bedeutet zwar mehr Einzahler, aber auch mehr Bezüger. Und zwar im selben Verhältnis, wenn nicht sogar mehr Bezüger als Einzahler im Vergleich zu Schweizern. Blocher hat eindeutig recht.

  • Ron A. am 27.11.2012 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Erlebnis mit der Economie Suisse!

    Ich war letztes Jahr an einer Fachtagung und da war u.a. ein Referent von der Economie Suisse. Dieser bezeichnete in seinen Ausführungen die CH als "isoliert u. hinterwäldlerisch". Ich war derart aufgebracht, dass ich die Pause für ein Gespräch mit ihm nutzte. Ich sagte ihm, dass er scheinbar die EWR-Abstimmung immer noch nicht verdaut hätte. Ich fügte hinzu, dass die CH endlich über den EU-Tellerrand schauen soll u. die Chancen auf der ganzen Welt zu nutzen versucht u. Handelsabkommen vorantreiben soll - wie es Blocher ein mal sagte - während die EU zeitgleich mit sich selbst beschäftigt sei!

  • Brenda am 27.11.2012 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Keine weitere Förderung der Überfremdung

    Ich bin nicht für eine weitere Überfremdung und lehne alle diesbezüglichen Kosten ab. Soll doch wieder jeder für seine Ansprüche selbst aufkommen müssen. Eine Solidarität zur Förderung weiterer Überfremdung wird uns noch zu Minderheiten in unserem eigenen Land machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kellerhals S am 27.11.2012 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ignorieren

    Warum geht Economie Suisse überhaupt auf das Geschwätz von Herrn Dr. Blocher, Milliardär? Das Geschwätz kann ganz einfach Ignoriert werden.

    • Bernereidgenosse am 28.11.2012 09:02 Report Diesen Beitrag melden

      Economie Suisse Plauderi

      Ja guter Mann, weil er recht hat! Man muss nur das Hirn einschalten und logisch denken..

    einklappen einklappen
  • Kari am 27.11.2012 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bützer

    Gelohnt hat es sich für Unternehmer und Manager, als für jene die sonst schon genug haben, aber sicher nicht für den normalen Bützer.

    • wegen Europa am 28.11.2012 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      uns gehts gut!

      Der normale "Bützer" ist in der Schweiz besser dran als sonst wo, auch deshalb, weil die Unternehmen in die EU exportieren können.... Eigentlichz vor allem deshalb.

    einklappen einklappen
  • Sugus am 27.11.2012 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Gentinetta

    Solche Sprüche kann nur einer raus lassen, der dafür bezahlt wird. Ich hoffe, Sie werden nie ein Opfer der von Ihnen hochgepriesenen Freizügigkeit bzw. bilateralen Verträge. Aber vielleicht denken Sie mal in einer ruhigen Minute an all die Personen, die durch die Freizügigkeit den Job verloren haben, oder denen der Lohn gekürzt wurde! Aber auch Lohnkürzungen ist etwas, dass Sie nur von hören sagen kennen. Auch das wünsche ich Ihnen nicht. HINWEIS FÜR ALLE ANDEREN: ich bin Mitglied einer links Partei!

  • Fritz Jäger am 27.11.2012 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gentinetta hat keine Ahnung!

    Auf welchem Planeten lebt eigentlich dieser Hr. Gentinetta? Kroatien, sei ein wirtschaftlich entwickeltes Land, dann besuchen Sie einmal dieses Land, aber nicht als Tourist, sondern sprechen Sie mit den Leuten in Slovenien, Dalmatien usw. und fragen Sie, wie es ihnen geht, ob sie Arbeit haben und ob diejenigen die Arbeit haben, mit dem Lohn leben können. Ich garantiere Ihnen, wenn hier kein Riegel geschoben wird, werden tausende das Land verlassen, weil es in Kroatien nämlich für die meisten keine Arbeit gibt.

  • Ron A. am 27.11.2012 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Erlebnis mit der Economie Suisse!

    Ich war letztes Jahr an einer Fachtagung und da war u.a. ein Referent von der Economie Suisse. Dieser bezeichnete in seinen Ausführungen die CH als "isoliert u. hinterwäldlerisch". Ich war derart aufgebracht, dass ich die Pause für ein Gespräch mit ihm nutzte. Ich sagte ihm, dass er scheinbar die EWR-Abstimmung immer noch nicht verdaut hätte. Ich fügte hinzu, dass die CH endlich über den EU-Tellerrand schauen soll u. die Chancen auf der ganzen Welt zu nutzen versucht u. Handelsabkommen vorantreiben soll - wie es Blocher ein mal sagte - während die EU zeitgleich mit sich selbst beschäftigt sei!

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