Telekommunikation

23. August 2017 09:48; Akt: 23.08.2017 11:46 Print

Swisscom wegen Roamingbetrugs angezeigt

Die Stiftung für Konsumentenschutz greift die Swisscom an. Der Streitpunkt ist die Verrechnung der Roaminggebühren.

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Vorwurf an die Swisscom: Das Unternehmen soll Gebühren verrechnet haben, die gar nicht angefallen sind. (Archiv) (Bild: Istock)

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Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) will eine Strafanzeige gegen die Swisscom wegen Anrufen auf die Combox von Abo-Kunden im Ausland einreichen. Der Telekomkonzern habe über Jahre Roaminggebühren verrechnet, die gar nicht angefallen seien, teilte die Stiftung mit.

Die Swisscom habe Abonnementskunden, die im Ausland Sprachnachrichten auf die Combox erhielten, übervorteilt. Für den Handykunden, der sich im Ausland aufhalte, fielen hohe Kosten an, wenn jemand auf die Combox spreche, schrieben die Konsumentenschützer am Mittwoch in einem Communiqué.

Angeblich ein Trick

Der Kunde bezahlt Roaminggebühren, wenn der Anruf ins Ausland geleitet wird und nachher wieder zurück auf den Comboxserver. Bei den Roaminggebühren für solche eingehenden als auch für abgehende Anrufe werde jede angebrochene Minute aufgerundet, schrieb die SKS.

Doch die Swisscom wende sei einigen Jahr einen Trick an, um mehr zu verdienen. Der Telekomanbieter habe ein sogenanntes Anti-Tromboning-System eingeführt. Laut Mitteilung erkennt dieses, ob sich der Angerufene im Ausland befindet. Spreche nun jemand aus der Schweiz auf die Combox, leite das System den Anruf direkt auf das Schweizer Netz zur Swisscom um.

Gebühren dennoch verrechnet

Obwohl die Swisscom so Roaminggebühren spare, verrechne sie diese jedoch seit mehreren Jahren weiterhin ihren Kunden, kritisieren die Konsumentenschützer. Die Swisscom lege zwar nicht offen, seit wann das System in Kraft sei, sagte André Bähler vom Konsumentenschutz. Die Gebühren summierten sich aber schnell auf Millionen, schätzte er. Als Tatbestände seien Betrug und unlauterer Wettbewerb im Fokus.

Die SKS werde deshalb noch diese Woche Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern einreichen. Die SKS fordert die Rückerstattung der zu viel einkassierten Roaminggebühren.

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Swisscom wies die Vorwürfe des SKS zurück. Die Swisscom habe vor einigen Jahren damit begonnen, sogenannte Anti-Tromboningsysteme schrittweise einzuführen, um Anrufe auf die Combox quasi abzufangen, bevor der ausländische Roamingpartner die Umleitung auf die Combox abschliesse, erklärte Sprecherin Annina Merk auf Anfrage. Das System funktioniere aber nicht bei Prepaidkunden, nicht in alle Netze und nicht in allen Fällen. Teils würden ausländische Telekomkonzerne versuchen, solche Systeme zu verhindern, da ihnen damit Einnahmen entgehen würden.

«Der Swisscom entstehen Kosten, auch wenn es gelingt, die Anrufe abzufangen», sagte Merk. Denn es entstünden Kosten, da das ausländische Netz benutzt werde. So klingle das Handy beim Kunden im Ausland.

Combox soll billiger werden

«Wir sind aber am Thema Comboxroaming dran und prüfen zurzeit verschiedene Lösungen, damit es für die Kunden einfacher, klarer und vor allem günstiger wird», sagte Merk. Die Angelegenheit sei technisch jedoch sehr komplex. «Ziel ist eine Lösung noch für dieses Jahr.»

Heute würden neun von zehn Comboxnachrichten im Ausland innerhalb der EU stattfinden, sagte Merk. Und die Roaminggebühren für die EU seien bei der grossen Mehrheit der Abokunden bereits in Pauschaltarifen enthalten, so dass sie für das Abhören der Combox nicht mehr extra zahlen müssten. Wie viele Anrufe vom Anti-Tromboningsystem erkannt würden, wollte die Swisscom nicht bekannt geben. Die Konkurrenten Salt und Sunrise würden laut SKS kein Anti-Tromboningsystem verwenden. Im Gegensatz zur Swisscom würden bei diesen Anbietern somit tatsächlich immer ausländische Netze beansprucht, wenn sich der Angerufene im Ausland befinde und eine Nachricht auf seine Combox erhalte.

(fal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RoHu am 23.08.2017 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg damit!

    Am Besten die ganzen Roaming-Gebühren abschaffen. Die Swisscom verdient immer noch genug...

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  • Ruedi am 23.08.2017 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dachte ich doch.

    Endlich kümmert sich mal jemand um dieses Problem. Aus diesem Grunde habe ich meine Combox schon seit Jahren deaktiviert. Eigentlich schade um den Telefonbeantworter.

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  • Manuel Marti am 23.08.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    VW und so

    Eigentlich nerve ich mich darüber. Aber irgendwie bin ich das gwöhnt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Quasimodo am 23.08.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunde ist nicht gleich Kunde

    Aber es ist doch schön wie sich viele die überteuerten Angebote aufschwatzen lassen. Als Grosskunde ist fast jeder Preis möglich!! Den alten Mittarbeitern kündigen! Dei Kunden wollen von der Swisscom über der Tischgezogen werden. Das Vertrauen ist schon lange verloren.

  • Cavi33 am 23.08.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politiker haben eh alles gratis

    Darum habe ich kein Swisscom Abo sondern nur das Netz von Swisscom. Das ist ja bei allen das gleiche, die Schweizer muss man abzocken schliesslich macht ja niemand etwas dagegen und im Moment stehen ja keine Wahlen an.

  • JA ja am 23.08.2017 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    die Technik

    IP Telefonie (VOIP) to (VOIP) ist Weltweit Gratis. Weshalb müsen wir für diese Gespräche ein Abo haben und dafür Zahlen? Genau so mit IP TV. Internet zu Hause, Pernönlicher Hotspot einschalten, Router mit W-Lan als Wan Kaufen und schon spahren sie min 75 CHF/Mon. ;-) telNr. zu SIP Portieren 60CHF/Jahr! TV gibt genug Gratisanbieter. Finde es sehr gut wenn sich endlich wirdem mal einer hier für die Kunden einsetzt. WIr werden genug Gemolcken und haben keinen Franken mehr übrig.

  • Didi Weidmann am 23.08.2017 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Betrug ist kein Kavaliersdelikt!

    Das die Swisscom hier Betrug betreibt ist offensichtlich und zwar gewerbsmässigen Betrug im Sinne des Strafgesetzbuches - wenn alles mit rechten Dingen zugeht, dann werden hoffentlich irgendwann die verantwortlichen Manger hierfür zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, wie es das Strafgesetzbuch vorsieht, zudem Massnahmen bis hin zum Entzug der Konzession! - Die Verantwortlichen im Bakom, die durch ihr Nichtstun mitverantwortlich sind, sollten übrigens auch belangt werden... die Strafanzeige war überfällig!

  • Thor am 23.08.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was kann den die Swisscom

    überhaupt noch richtig. Da wo ich wohne 10km von der Kantons Hauptstadt kein Netz. Tiefstes Nirvana und auserhalb der Zivilisatzion. Mekern brachte nichts keine raktion oder besserung, aber schön einkassieren.