Steuerparadiese

22. September 2016 08:08; Akt: 22.09.2016 08:08 Print

UBS und CS unter Druck wegen Bahamas-Leaks

Nach Panama gerät mit den Bahamas ein weiterer Offshore-Finanzplatz in den Fokus der Öffentlichkeit. Ganz vorne mit dabei sind die Schweizer Banken UBS und CS.

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Die Bahamas sollen als Steuerparadies eine grosse Rolle spielen. (Bild: Keystone/AP/Craig Lenihan)

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Aus Medien zugespielten, vertraulichen Dokumenten über mehr als 175'000 Briefkastenfirmen und Stiftungen auf den Bahamas sind wieder diverse teils illegale Steuerpraktiken ablesbar. Laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» sind die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse hierbei ganz vorne mit dabei. Von den seit 1990 eingetragenen Briefkastenfirmen sei bei fast jeder neunten eine der beiden Banken involviert.

Insgesamt hätten sie 9500 solcher Firmen auf dem karibischen Inselstaat gegründet. Damit würden sie Platz zwei und drei der weltweit grössten Nutzer von Briefkastenfirmen auf den Bahamas belegen – direkt hinter Mossack Fonseca, der panamaischen Anwaltskanzlei, die im Zentrum der Enthüllungen um die Panama Papers stand.

EU-Kommissarin betroffen

Und auch das neue Bahamas-Leak spült einige prominente Namen nach oben, zum Beispiel die ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Kroes und andere Politiker unterhielten den Enthüllungen zufolge in den vergangenen Jahren Briefkastenfirmen auf den Bahamas.

Die Existenz von Briefkastenfirmen ist nicht verboten, solange diese Unternehmen nicht zur Steuerhinterziehung oder Geldwäsche genutzt werden oder wenn, wie im Fall von Kroes der «Süddeutschen Zeitung» zufolge Offenlegungspflichten verletzt werden. Das Problem: Die frühere Kommissarin verstiess nach Angaben der Zeitung gegen den Verhaltenskodex der EU-Kommission. Sie war von 2000 bis 2009 Direktorin der Mint Holdings Limited. Kommissionsmitgliedern ist aber jegliche Nebentätigkeit verboten. Kroes war von 2004 bis 2010 EU-Kommissarin.

Ein «Versehen»

Kroes hätte ihre Tätigkeit in dem Steuerparadies auch dann noch erklären müssen, als sie den Direktorenposten aufgegeben hatte, hiess es in dem «SZ«-Bericht. Die frühere Kommissarin erklärte auf Anfrage, es habe sich um ein «Versehen» gehandelt.

Ihrem Anwalt zufolge übernimmt sie die «volle Verantwortung» und will Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker darüber informieren. Kroes' Firma wurde dem Anwalt zufolge für ein geplantes Milliardengeschäft mit dem US-Energiekonzern Enron gegründet. Zu dem Deal sei es allerdings nicht gekommen. Wegen der nicht deklarierten Firma droht der Ex-Kommissarin nun die Streichung ihrer Pensionen sowie anderer Vergünstigungen.

Kanadischer Finanzminister

In den zugespielten Dokumenten finden sich auch Politiker wie der frühere kolumbianische Minenminister Carlos Caballero Argáez, der kanadische Finanzminister William Francis Morneau und der angolanische Vize-Präsident Manuel Domingos Vicente als Direktoren, Sekretäre oder Präsidenten von Firmen auf den Bahamas. Die Bahamas, eine frühere britische Kronkolonie, gelten seit Jahrzehnten als Steueroase. Es gibt dort weder eine Kapitalertrags- noch eine Vermögenssteuer, dafür aber ein strenges Bankgeheimnis.

Die «SZ» arbeitete bei den «Bahamas-Leaks» wie schon bei früheren Enthüllungen mit dem internationalen Recherchenetzwerk ICIJ zusammen. Das Netzwerk ICIJ hatte in der Vergangenheit bereits einen umfangreichen Datensatz über Briefkastenfirmen ausgewertet, die über die in Panama ansässige Finanzkanzlei Mossack Fonseca liefen.

(kwo/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kathrin am 22.09.2016 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    USA = Steuerparadies

    Es geht den USA nicht ums Geld, das können sie beliebig drucken und machen das auch. Es geht ihnen darum alle Steuer-"Paradiese" ausser denen in den USA zu eliminieren.

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  • Alfred W. am 22.09.2016 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe es satt!!!

    Ich frage mich wieviel Geld die USA wieder einkassieren werden. Das ganze will kein Ende haben!

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  • Dani G. am 22.09.2016 08:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert's?

    Es hätte mich gewundert, wenn die beiden Banken NICHT damit zu tun gehabt hätten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stadex am 23.09.2016 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armut oder Bankgeheimis

    Ohne Banking wird die Bahamas wie Haiti, lasst sie doch Geld verdienen.

  • Urs am 22.09.2016 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht immer alles auf andere schieben

    USA hin oder her, schuld tragen die Banken sie wussten um die Amerikanischen Gesetze bzw das sie sobald sie amerikanische Filialen haben dafür auch von den USA belangt werden können. Das Risiko einzugehen und dann erwischt zu werden ist einzig allein Schuld der Banken bzw deren Händlern, die einzige Aufgabe die der Schweizer Staat hat wäre die Ersparnisse der Schweizer Kunden zu sichern in dem er der Bank vorschreibt das egal was die Bank tut die Einlagen gesichert sind und die Bank samt aller verantwortlichen dafür haftbar gemacht werden kann, wenn die Bank sich verzockt.

  • Westlichen Konzerne am 22.09.2016 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Das liegt nur an der Gier der

    Sämtliche nicht US Banken sollten sich sofort aus den USA zurückziehen. Punkt. Sämtliche Konzerne sollten Ihre Filialen in den USA schliessen. Punkt. Sich von der Börse in den USA dekotieren lassen. Punkt. Dann warten. Nur zwei Jahre und die USA sind total verlumpt. Ein Drittweltland. Es würde mich echt freuen diese Heuchler angekrochen zu sehen.

    • Sammy am 22.09.2016 19:53 Report Diesen Beitrag melden

      2 way street

      Ehm, USA Heuchler - ja aber Siemens hat Schmiergelder bezahlt und dann auch noch den Steuern abgezogen. Relax buddy, relax.

    • Cartman1993 am 23.09.2016 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Westlichen Konzerne

      Okay, aber dann kannst du dich auf Entlassungswellen gefasst machen wie seit 1929 nicht mehr

    • Cartman1993 am 23.09.2016 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Westlichen Konzerne

      Auch wird die USA nicht zerlumpen. Die mächten(machen konjuktiv 2?) einen schnitt, werteten ihre Währung ab und würden wieder von vorne anfangen nach kurzem wieder an der Spitze sein.

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  • langweilig am 22.09.2016 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    schon fast

    Delaware, Florida und noch ein paar weitere. Warum kommt die USA nie dran? AHA, deshalb! Wir sind ja im Krieg mit den Amis.

    • Cartman1993 am 23.09.2016 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @langweilig

      Nein sind wir nicht. Nur weil es bestimmte Theorien gibt, dass Deutschland immer noch imKrieg mit den ehemals Allierten ist, gilt diese Theorie nicht für den Rest von Europa

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  • Jakob, NYC am 22.09.2016 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kriminelle Schweizer Bank

    Die UBS ist eine kriminell veranlagte Bank. Das "S" muss mit "C" für Criminal" ersetzt werden. Alle, die mit der UBC in irgend einer Weise in Verbindung stehen (Angestellte, Kunden und Aktionäre weltweit) sollten zur Verantwortung gezogen werden. Nur so werden diese Banken wieder salonfähig und unser Ruf als Schweizer in der Welt verbessert. Mein Anwalt Team in NYC erarbeitet einen entsprechenden Entwurf. Alles wird gut.

    • Joel Zbinden am 22.09.2016 17:16 Report Diesen Beitrag melden

      Schlitzohr

      Ja dann sind wir aber froh, Ironie aus.

    • Schuldig im Sinne der Anklage am 22.09.2016 21:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Jakob, NYC

      Hey super, ich habe vor 8 Jahren bei der UBS gearbeitet, dabei u. a. auch Aktien erworben (sind zwar nichts mehr Wert im Vergleich von damals ;-)). Und stell dir vor, ich habe nach wie vor ein UBS Konto. Die Dreifach-Vorladung darfst du gerne an meine Privatadresse schicken - Danke!

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