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Toyota schlägt zurück
20. März 2010 00:00; Akt: 20.03.2010 10:20 Print
Der Fehler sitzt hinter dem Steuer
von Daniel Schnettler, dpa - Zwei Monate lang musste Toyota als Prügelknabe der Autonation USA herhalten. Jetzt geht der geschundene japanische Hersteller zum Angriff über.

Die Highway Patrol von Kalifornien musste diesen Prius stoppen - doch nicht immer ist der Hersteller schuld. (Bild: Keystone/AP)
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Die Techniker mühen sich, Schwindler und Scharlatane zu entlarven, die von der Pannenserie profitieren wollen. Die Botschaft ist klar: Nicht jede Kundenbeschwerde ist berechtigt und nicht jeder Unfall geht auf einen Konstruktionsfehler zurück.
Binnen weniger Tage erwiesen sich gleich zwei prominente Fälle ungewollten Beschleunigens als zumindest fragwürdig: Im Falle einer Frau, die ihren Prius in einem New Yorker Vorort vor eine Mauer setzte, sieht alles nach einem schlichten Fahrfehler aus.
Und bei einem Mann, der mit seinem Hybridwagen fast 50 Kilometer über einen Highway nahe San Diego brauste, wird sogar laut über böse Absicht spekuliert. Toyota selbst schürt mit gezielten Informationen die Zweifel.
Achtung Trittbrettfahrer
«Trittbrettfahrer gibt es bei jedem Rückruf», sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Wirtschaftsforschungsinstitut IHS Global Insight. Auch sei es normal, dass die Zahl der Beschwerden rapide ansteige. «Die meisten Autofahrer wissen doch gar nicht, dass es eine Hotline gibt.» Und erführen sie davon, lüden sie dort gleich all ihre Sorgen und Nöte ab, die sie schon seit Jahren mit sich herumtragen.
Ein Beispiel: Als Anfang des Monats die ersten Berichte über nutzlose Reparaturen bei zurückgerufenen Toyota-Autos aufkamen, lag die Zahl der Beschwerden noch bei überschaubaren 10. Tags darauf waren es schon 60. Belege dafür, dass die Pedale auch nach dem Besuch der Werkstatt weiter klemmen, gibt es bis heute nicht.
Rein ins Schlagloch
«Der Fehler sitzt oft hinterm Steuer», sagt Stürmer. Er schätzt, drei von vier Defekten gingen auf schlechte Wartung, Verschleiss oder ruppige Fahrweise zurück. «Wenn ein Europäer ein Schlagloch sieht, bremst er und fährt drum herum. Wenn ein Amerikaner ein Schlagloch sieht, hält er Kurs und fährt rein.»
Die Statistiken sprechen immerhin für Toyota: Wenn es um Zuverlässigkeit geht, rangieren die Autos immer noch ganz oben. In der viel beachteten Rangliste des US-Marktforschers J.D. Power etwa landet Toyota als bester Massenhersteller auf Platz sechs - davor nur Nobelmarken. «Das ist eine grossartige Neuigkeit», frohlockte US- Vertriebschef Jim Lentz. Toyota sei weiterhin ein Massstab für Qualität.
Doch der gute Ruf der Vergangenheit reicht nicht, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Das haben die niederschmetternden Absatzzahlen der vergangenen beiden Monate gezeigt. Mit lediglich jeweils rund 100'000 verkauften Autos schnitten die Japaner in den Vereinigten Staaten so schlecht ab wie seit zehn Jahren nicht mehr.
Grösste Rabattaktion
In diesem Monat soll aber alles anders werden. Toyota hat die grösste Rabattaktion seiner Geschichte mit Null-Prozent- Finanzierung, niedrigen Leasingraten und obendrein noch zwei Jahren kostenloser Wartung gestartet. Die Experten des Automarktplatzes Edmunds.com schätzen, dass die Verkäufe um 30 Prozent in die Höhe schnellen werden. «Amerikaner lieben Schnäppchen», sagt Edmunds.com- Chef Jeremy Anwyl. Und das ganz besonders in der Wirtschaftskrise.
Wenn es dem japanischen Autohersteller gelinge, seine alten Kunden durch guten Service zu halten und neue Kunden durch Rabatte zu gewinnen, «dann kann Toyota das Feuer sehr schnell austreten», sagt Global-Insight-Fachmann Stürmer.
Es drohen Klagen
Wären da nicht die vielen Klagen in den USA. Unfallopfer verlangen Schmerzensgeld, Autobesitzer einen Ausgleich für den gesunkenen Wert ihrer Wagen, Händler Wiedergutmachung für ihre Umsatzeinbussen und Aktionäre für erlittene Kursverluste.
Richtig gefährlich wird es für Toyota, wenn sich die Betroffenen zusammenschliessen und eine der gefürchteten Sammelklagen anstrengen. Von zweistelligen Milliardenbeträgen, die auf die Japaner zukommen könnten, ist die Rede.
Der mögliche Schuldspruch selbst bereitet Stürmer dabei das geringste Kopfzerbrechen. «Der Schaden entsteht durch das Verfahren selbst.» Denn dann stünden täglich tragische Unfallgeschichten in den Medien. Diesen Kampf kann Toyota kaum gewinnen.























