Kampf gegen Frankenstärke

17. August 2011 15:49; Akt: 17.08.2011 20:10 Print

So wird in der Schweiz Geld gemacht

von Elisabeth Rizzi - Die Nationalbank flutet derzeit den Markt mit Geld. Wirft sie dazu die Notenpresse im Keller an? Wie funktioniert «Geld drucken» tatsächlich? 20 Minuten Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

storybild

Die Schweizerische Nationalbank setzt nicht die Druckerpresse an, um Geld zu machen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Erneut haben die Währungshüter um Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand zu Massnahmen gegen die Frankenstärke gegriffen. Wieder weiten die Notenbanker die Geldmenge aus, zum drittem Mal innert zwei Wochen. Während der Volksmund dann vom Anwerfen der Notenpresse spricht, schreibt die Nationalbank (SNB) vom angestrebten Anstieg der Sichtguthaben oder Girokonten. Doch was geschieht genau? Setzen die Notenbanker die tonnenschweren Druckerrollen im Keller der SNB in Bewegung? 20 Minuten Online beantwortet die wichtigsten Fragen:

Was fällt alles unter den Begriff Geld?
Geld ist alles, womit man jederzeit bezahlen kann; also nicht bloss Banknoten und Münzen. Zu Geld zählen auch Guthaben auf Lohn-, Kontokorrent- und Postcheckkonti sowie Festgeldanlagen. Bei Banknoten und Münzen spricht man von Bargeld. Sofort verfügbare Bankguthaben und Guthaben auf Postcheckkonti sind Buchgeld. Buchgeld bei Banken und der Post nennt man Sichtguthaben oder Giroguthaben, weil sie jederzeit (auf Sicht) verfügbar sind. Die Einlagen auf Lohn-, Depositen- und Einlagekonti können ebenfalls für den Zahlungsverkehr eingesetzt werden. Sie werden als Transaktionskonti bezeichnet.

Welche Geldmenge beeinflusst die SNB direkt?
Die Nationalbank definiert als Notenbank-Geldmenge die Summe aller Banknoten im Publikum und bei den Banken sowie die Sichteinlagen der Banken bei der SNB. Die Notenbank-Geldmenge ist um ein Vielfaches kleiner als die gesamte Geldmenge, nämlich 74,4 Milliarden gegenüber 438,6 Milliarden Franken.

Wie entsteht Geld?
Die SNB wirft nicht einfach die Notenpresse an, um Geld zu schaffen. Denn die Banknoten, die in den Kellern der SNB lagern, zählen erst dann zur Geldmenge, wenn sie zu den Geschäftsbanken (Notenbank-Geldmenge) bzw. in die Hände des Publikums gelangen.

Wie bringt die SNB das Geld in Umlauf?
Die Notenbanker kaufen bei einer Geschäftsbank Fremdwährungen. Die Geschäftsbank bekommt den Gegenwert in Franken auf ihrem Girokonto gutgeschrieben. Das heisst: Die Sichtguthaben der Bank steigen und bewirken einen Anstieg der Notenbankgeldmenge. Eine andere Möglichkeit ist, dass die SNB einer Geschäftsbank einen Kredit gewährt - gegen Wertschriften als Pfand. Auch hier vergrössern die Geschäftsbanken ihr Sichtguthaben. Geld entsteht auch, wenn eine Geschäftsbank ihren Kunden einen Kredit gewährt. Der Kunde gibt der Bank dann eine Sicherheit (z.B. das Pfandrecht auf eine Immobilie) und erhält dafür Kontoguthaben.

Wie wird Geld vernichtet?
Wenn Kunden einen Kredit an die Geschäftsbank und die Geschäftsbanken ihre Kredite an die SNB zurückbezahlen, wird Geld vernichtet. Ebenso wird Geld aus dem Umlauf genommen, wenn die SNB Fremdwährungen an eine Geschäftsbank verkauft. Die Nationalbank gibt zudem regelmässig eigene verzinsliche Schuldverschreibungen heraus. So kann sie bei Bedarf Liquidität in grossem Umfang abzuschöpfen.

Wie steuert die SNB die Geldmenge?
Wenn die Nationalbank mehr Geld in die Wirtschaft pumpen will, gewährt sie Banken Kredit zu attraktiven Zinsen und schreibt ihnen den Gegenwert auf ihrem Sichtguthaben gut. Das hat die SNB diesen Monat bereits dreimal getan. Weiter kann die SNB so genannte Repos (Repurchase Agreement) einsetzen. Dabei kauft sie von einer Bank Wertpapiere und vereinbart, dass die Bank diese Wertpapiere nach einer bestimmten Zeit wieder zurücknimmt. Für die Laufzeit verlangt sie einen Zinssatz; den Repo-Satz. Will sie die Geldmenge steigern, reduziert sie den Zinssatz. Soll die Geldmenge reduziert werden, weil eine Inflation droht, erhöht sie den Reposatz.

Im Zuge der Geldmengenausweitung spricht die SNB auch von Devisenswaps. Worum geht es da?
Bei einem sogenannten Liquiditätsswap erwirbt die SNB von Geschäftsbanken Devisen gegen Franken für einen bestimmten Zeitraum. Am Ende der Laufzeit wird die umgekehrte Transaktion zu einem im voraus bestimmten Kurs abgewickelt. Auch das hat die SNB diesen Monat getan. Bei einem Abschöpfungsswap kauft sie in der gleichen Art vorübergehend Franken gegen ausländische Devisen, um die geldmenge zu reduzieren.

Wie hängen Geldmenge und Zinsen zusammen?
Die kurzfristigen Zinsen hängen eng mit der Geldmenge zusammen. Sie sinken bei einem Anstieg der Geldmenge und umgekehrt. Zu den kurzfristigen Zinsen zählt der so genannte Libor (London interbank offered rate). Das ist der Zinssatz, den grosse Banken für Dreimonats-Anlagen in Franken untereinander verlangen. Er wird täglich in London fixiert. Der Libor ist bedeutend für die Schweizer Geldpolitik, weil die SNB ihren Leitzins am 3-Monats-Libor-Zielband festmacht. Der Leitzins legt denjenigen Zinssatz fest, zu dem sich Geschäftsbanken bei der SNB Notenbankgeld beschaffen können.

Warum bewirkt eine grosse Geldmenge Inflation?
Der so genannt monetaristische Ansatz stellt die Inflation in direkten Zusammenhang mit der Geldmenge: Eine Erhöhung der Geldmenge führt zu einer steigenden Nachfrage nach Gütern, weil das neue Geld ausgegeben wird. Die erhöhte Nachfrage führt durch die Verknappung des Angebots zu einer Preiserhöhung. Inflation ist ein über mehrere Perioden anhaltender Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Opfer einer Inflation sind Gläubiger. Der Wert ihrer Forderungen nimmt ab, weil immer mehr Geld für immer weniger Ware bezahlt werden muss.