Flugbegleiter-Streik

12. November 2015 14:28; Akt: 12.11.2015 14:35 Print

Lufthansa-Chef muss mit Air Berlin fliegen

Auch am Tag sechs des Rekordstreiks blieb die Lufthansa-Flotte am Boden. Über 900 Flüge mussten gestrichen werden. Da stieg selbst Konzernchef Carsten Spohr bei der Konkurrenz ein.

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«Das war ein sehr guter Sitz»: Lufthansa-CEO Carsten Spohr nahm in der Air-Berlin-Maschine von Berlin nach München in Reihe 20 Platz. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer/Archivbild)

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Mit ihrem Rekordstreik haben die Flugbegleiter der Lufthansa ihren Chef zu einem seltenen Flugerlebnis gezwungen. Um von Berlin nach München zu fliegen, nahm Konzernchef Carsten Spohr am Mittwochabend eine Maschine des Konkurrenten Air Berlin.

Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte am Donnerstag eine Information des «Handelsblatts». Spohr habe sich bei den Piloten für die Mitnahme bedankt und dann in Reihe 20 Platz genommen. «Das war ein sehr guter Sitz.»

Mittags hatte Spohr auf seinem Weg von Frankfurt nach Berlin noch auf einen der wenigen Lufthansa-Flüge zurückgreifen können, die trotz des längsten Streiks in der Firmengeschichte abheben konnten.

107'000 Passagiere betroffen

Nicht nur Spohr musste auf eine andere Airline wechseln. Am Donnerstag setzten die Flugbegleiter ihren Streik fort. Tag sechs wurde der bisher heftigste in dem Arbeitskonflikt: Die Lufthansa musste 933 Flüge streichen, 107'000 Passagiere sind betroffen.

Die Gewerkschaft Ufo hatte zum Streik auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken aufgerufen. Seit Beginn des Ausstands am vergangenen Freitag musste die Airline bis einschliesslich Mittwoch mehr als 3700 Flüge absagen. Betroffen waren davon rund 443'000 Reisende.

In der Sache gibt es so gut wie keine Bewegung. Die Versuche des Konzerns, den längsten Ausstand in der Unternehmensgeschichte durch die Arbeitsgerichte stoppen zu lassen, blieben bislang folgenlos.

Arbeitsgerichte in Düsseldorf und Darmstadt wiesen Anträge auf einstweilige Verfügungen zurück, Ufo darf demnach bis einschliesslich Freitag weiter streiken.

Berufungsentscheid am Nachmittag

Die Entscheidung in Düsseldorf will die Lufthansa nun vom dortigen Landesarbeitsgericht stoppen lassen. Sie habe Berufung eingelegt, sagte ein Sprecher. Dem Gericht zufolge soll die Verhandlung am Nachmittag um 15.30 Uhr beginnen.

Spohr bekräftigte seinen harten Kurs gegen die Gewerkschaften, denen in den Jahren zuvor zu häufig nachgegeben worden sei. Zugleich liess Spohr weitere Verhandlungsbereitschaft erkennen.

Der Chef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, rechnet allerdings nicht damit, dass es noch während des Streiks Verhandlungen geben könnte. Zu der am Dienstag von ihm ins Spiel gebrachten Schlichtung kam es nicht.

Nach Angaben des Lufthansa-Geschäftsleitungsmitglieds Bettina Volkens liegt der durch den Streik entstandene finanzielle Schaden für das Unternehmen «schon jetzt in einem deutlichen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich».

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Senator am 12.11.2015 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestreikt die LH

    Eigentlich müsste jeder Passagier die Lufthansa mal für die nächsten 3 Monate bestreiken....vielleicht wirds dann besser - ist nömlich ziemlich ärgerlich, wenn man irgendwo hangen bleibt weil LH wieder mal streikt!

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  • Beobachterin am 12.11.2015 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften vergessen Kunden !

    Erpressung ist das was die Gewerkschaften hier treiben. Nun ich flog das letzte mal mit dieser Fluggesellschaft, denn ich kann mir im Beruf solche Umtriebe nicht leisten.

  • Neska am 12.11.2015 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hart durchgreifen

    Endlich gibt die Konzernleitung nicht nach. Diese ewigen Streiks gehen gar nicht und das Lufthansa Personal macht ihre eigene Airline kaputt. Es ist an der Zeit hart durchzugreifen und diese Streiks nicht mehr zuzulassen. Was düse Streiks die Wirtschaft kosten, ist den Gewerkschaften nicht klar und dass sie sich am Ende am meisten Schaden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • FA German Wings am 13.11.2015 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Armer Mann

    Und jetzt, ist der Arme gestresst wenn er damit Flügen muss? Wenn ja zeigt es nur wie dekadent die LH Manager sind. Ist ihm die eigene Tochter zu wenig? Der feine Herr müsste es mehr tun damit er weiss wie es ist für ihn zu arbeiten.

  • Dani am 13.11.2015 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich

    Werden den streikenden diese eine woche nicht arbeiten. Vom lohn abgezogen, Der streik ist ein riesiger verlust,der nach dem streik noch mit vielen gästen die lufthansa den rücken zuwenden, Streikverlust,kundenverlust,das muss weh tun. Streik ist erpressung,allen sofort kündigen,und mit schlechteren leistungen weniger lohn wieder einstellen,wer das nicht akzeptiert ist arbeitslos,hat kein einkommen,es ist nur ne frage der zeit,ob sich die angestellten den eigenen lohnausfall leisten können.

    • Ingo Zadek am 13.11.2015 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani:

      Was sind Sie denn für einer? Patron sind Sie wohl nicht (schlechter Deitsch!), und Arbeitnehmerinteressen vertreten Sie nun auch nicht gerade!

    • xy am 13.11.2015 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ingo Zadek

      das sind interessante interessen als AN dem eigenen unternehmen und brötchengeber zu schaden! die gewerkschaften ( und viele AN) vergessen immer wieder dass das geld für die mitarbeiter nicht vom unternehmen kommt sondern von den kunden und diese haben (zum glück) eine wahl bei wem sie etwas kaufen (oder mit wem sie fliegen)...

    • Turi am 13.11.2015 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Das ist ja Zweck eines Streiks dass er weh tut, sonst erreicht man nichts. Wir Schweizer streiken ja seit den 30er Jahren nicht mehr. Stellenabbau, Produktionsverlagerung, Leistungskürzungen, längere Arbeitszeit, das alles interessiert den Eidgenossen nicht.

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  • Arno am 13.11.2015 02:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften

    Gewerkschaften organisieren Streiks um für sich Werbung zu machen.Dass sind alles bezahlende Mitglieder.Hat man ein Problem sind sie nicht wirklich hilfreich.Es geht um viel Geld.

  • Doni am 13.11.2015 00:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Zeichen

    Den Mitarbeitern hat dies hoffentlich gezeigt, wie leicht sie ersetzbar sind.

  • LX8000 am 12.11.2015 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas Positives

    Etwas Positives hat die Sache ja: Einige Tage mit deutlich geringerer Umweltverschmutzung. ;-)

    • homer Simpson am 13.11.2015 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @LX8000

      Die Menschen fluegen trotzdem. Einfach mit einer anderen Fluggesellschaft.

    • fly swiss am 13.11.2015 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @homer Simpson

      jaa aber diese würden ja sowieso fliegen, einfach nicht so gefüllt;) also nützt es schon.

    • Av8rr am 23.11.2015 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fly swiss

      Schon mal daran gedacht, dass ein schwereres Flugzeug mehr Schub erzeugen muss, damit es die gleiche Distanz zurücklegen kann? Ausserdem: wenn, dann alle LH Betriebe bestreiken also auch Swiss, Eurowings etc

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