Alpen-Initiative

17. Dezember 2012 11:01; Akt: 17.12.2012 14:44 Print

Milliarden-Zank um die zweite Gotthard-Röhre

von Simon Hehli - Die Alpen-Initiative kämpft weiter gegen den geplanten Bau einer zweiten Gotthard-Röhre. Sie behauptet, der Bundesrat habe die Kosten unterschätzt. Das UVEK wehrt sich.

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«Die zweite Röhre ist nicht zum Schnäppchenpreis zu haben», betont Alf Arnold, Geschäftsführer der Alpeninitiative gegenüber 20 Minuten Online. Der Bau der zweiten Röhre koste nicht bloss 0,8 bis 1,6 Mrd. Franken mehr als die Verladelösung – sondern bis zu 3,4 Milliarden.

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Anlass von Arnolds Offensive ist, dass der Bundesrat in den nächsten Wochen seine Botschaft zur zweiten Gotthard-Röhre vorlegen wird – und dass die Umweltorganisation entsprechend Druck aufbauen möchte. Sie wirft der Regierung vor, diese habe im Hinblick auf die Sanierung des Strassentunnels falsch informiert.

Der Bundesrat hatte sich Ende Juni für die zweite Röhre ausgesprochen. Er will damit eine Totalsperrung des Alpendurchgangs während der Tunnelsanierung in den 2020er-Jahren verhindern. Verkehrsministerin Doris Leuthard geht davon aus, dass die temporäre Totalsperrung 1,2 bis 2 Milliarden kosten würde, eine zweite Röhre hingegen 2,8. Die höheren Ausgaben seien gerechtfertigt, weil die neue Röhre im Hinblick auf eine Totalsanierung in fünfzig Jahren von Nutzen sein werde – und weil das Tessin mit dieser Variante nicht vom Rest der Schweiz abgeschnitten wäre.

300 Millionen mehr durch Bahnverlad

Die Argumentation des Bundesrates gerät aber ins Wanken, wenn die Mehrkosten tatsächlich deutlich über den 800 Millionen Franken liegen. Die Alpeninitiative erklärt, das Departement Leuthard habe wesentliche Elemente «vergessen». Die Umweltschützer glauben, man könne rund doppelt so hohe Gebühren für den LKW-Verlad auf die Bahn verlangen: 210 statt 105 Franken.

Der höhere Preis sei gerechtfertigt, weil eine Transportfirma für den Transport auf der rund 60 km langen Strassenroute Kosten von mehr als 200 Franken budgetieren müsse, sagt Alf Arnold. Im Gegensatz zum Bundesrat rechnet die Alpeninitiative zu den Kosten nicht nur LSVA und Dieselverbrauch, sondern auch Amortisation und Unterhalt des Fahrzeugs. Je nach Dauer der Tunnelsperrung könnten somit Mehreinnahmen von bis zu 300 Millionen Franken für den Verlad auf die «rollende Autobahn» resultieren, sagt Arnold.

Die Brummi-Betreiber dürften kaum Freude an der Verlad-Lösung haben, schon gar nicht, wenn sie noch teurer zu stehen kommt als in der bundesrätlichen Variante. Arnold weist jedoch auf einen Vorteil der Bahnfahrt hin: Die Chauffeure könnten in dieser Zeit im Begleitwagen ihre vorgeschriebene Pause von 45 Minuten nach 4,5 Stunden Fahrt einziehen – oder zumindest einen Teil davon.

Teurer Unterhalt

Die möglichen Mehreinnahmen beim Verlad sind aber nicht die einzigen Faktoren, welche die Alpen-Initiative in ihrer Rechnung aufführt. Sie weist auch darauf hin, dass die zweite Röhre jährlich zusätzliche Kosten generieren würde. Arnold spricht von 25 bis 40 Millionen Franken, das Bundesamt für Verkehr Astra von 30 Millionen – das wären in den nächsten 40 Jahren etwa 1,2 bis 1,6 Milliarden. Im Budget für den Bau der neuen Röhre sind diese Unterhalts- und Betriebskosten nicht aufgeführt. «Der Bundesrat tut so, als hätten die Investitionen in den Tunnel keine Kostenfolgen», kritisiert Arnold.

Beim Verkehrsdepartement UVEK ist man sich keiner Fehler bewusst: «Wir weisen den Vorwurf der Alpeninitiative zurück», erklärt Sprecherin Annetta Bundi auf Anfrage. Der Entscheid des Bundesrats basiere auf «umfangreichen Analysen und seriösen Berechnungen».

Hinter vorgehaltener Hand heisst es aus dem UVEK, die Gebühren für den Bahnverlad der Lastwagen könnten nicht beliebig in die Höhe getrieben werden: Irgendwann sei ein Punkt erreicht, an dem es für die Camionneure günstiger werde, auf die Strasse auszuweichen. Doch Arnold bleibt dabei: «Eine Umwegfahrt auf der Strasse wäre teurer als der Verlad.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 17.12.2012 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    EU soll 60% übernehmen!

    Warum finanziert man dies nicht von EU Geldern? Wir zahlen ständig Milliarden fürs Ausland und wir werden bei diversen Wirtschafts-Fragen ständig unter Druck gesetzt! Schluss mit dem! Setzt die EU unter Druck und verlangt massive Abgaben für alle Fahrzeuge (v.a. nicht CH Fahrzeuge)! 40-200 pro Durchfahrt.....wir zahlen auch auf Strassen in Italien, Frankreich, Spanien!

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  • A.U.M am 17.12.2012 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensqualität ist eine intakte Heimat!

    Aber, aber Frau BR D. Leuthard, AKW Ausstieg und mit welcher Energie wird der Tunnel gebaut sowie betrieben in Zukunft mit alternativer Energie vom Kanton Aargau evtl. hilft NR Hr. Giezendanner noch mit. Je mehr Strassen je mehr unnoetiger, sinnloser Verkehr (Transporte). Wohin fuert dies uns noch und wer soll all die Unterhaltskosten für das Strassennetz, Oev einmal bezahlen die nächsten Generationen, dies ist verantwortungslos was jetzt passiert. Immer wird von Umweltschutz scheinheilig gesprochen aber wenn es einmal gefordert ist ziehen alle den Schwanz ein von der Wirtschaftsloby.

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  • Martin am 17.12.2012 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist es nicht so

    Dass der gotthard nur in gewissen Ferienwochen sowie an ostern etc überlastet ist (korrigiert mich)? Wäre es daher nicht sinnvoller diese Geld in wichtigere Sachen wie Gubrist +/- 20 km zu stecken? Ich denke da hätten mehr Personen mehr davon (dreispurig von baden bis Winterthur durchgehend und der Stau ist für die nächsten 20 Jahre geschichte).

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Meienhofer am 17.12.2012 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre, wenn man

    im Gotthardtunnel den Transittarif des Grossen St. Bernhard anwenden würde ? Gleich mal ausprobieren und in 6 Monaten wieder diskutieren. Wenn sich der Verkehr dadurch nicht halbiert haben wir bald das Geld, eine 2. Röhre zu finanzieren - es gibt ja scheinbar noch Automoblilisten, die gern 30 Stutz dafür hinblättern !

  • Nora T. am 17.12.2012 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Sicherheit für wenig Geld

    Eine zweite Röhre würde viel Sicherheit bringen. Dafür wäre ich durchaus bereit einen Betrag bis 30.- Fr./Durchfahrt zu bezahlen.

  • Flavio Gisler am 17.12.2012 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Volkswillen bereits vergessen?

    Bereits bei der Alpeninitiative im Jahr 1992 und zuletzt im Jahr 2004 bei der Avanti-Vorlage (62,8% NEIN) sagte das Stimmvolk Nein zur 2. Röhre. Der Volkswillen wird bleiben, insbesondere wenn man sieht, wie viele Milliarden höher die Kosten einer Sanierung mit zweiter Röhre sind. Zudem: Haben wir die NEAT für die Katze gebaut? Glaubt doch kein Mensch, dass ein Zweispuriger Tunnel nur einspurig befahren wird, da wird dem Volk eindeutig etwas vorgeschwindelt! Und nicht zuletzt hat es an andern Orten(Bern, Basel, Zürich, Genf)nicht wie am Gotthard nur zur Ferienzeit Stau. Dort brauchts das Geld.

  • K.Ritiker am 17.12.2012 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Volkswillen!

    Wo sind all die bürgerlichen Politiker, welche lautstark (bei der Ausschaffungsinitative) auf die Wahrung des Volkswillens pochen? Bei der Alpeninitative (Verzicht auf einen Ausbau der Kapazität der Transitstrassen! 52% JA) treten sie den Volkswillen mit Füssen!

  • thonino am 17.12.2012 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neu Strassen?

    Wenn ich lese, dass in den Städten nicht mal mehr 50% der Jungen den Führerschein machen, frage ich mich schon für wenn noch neue Strassen gebaut werden soll. Und bis die 2. Röhre fertig ist sind die Alten,die nicht auf das Auto verzichten können,eh weggestorben.Und für Güter gibt es die Bahn.

    • Kuno Brander am 17.12.2012 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      Sicherheit geht vor Kosten!

      Lieber Thonino, die Schweiz ist verpflichtet, auch den Transit durch unser Land zu garantieren. Auch wenn die Schweizer weniger autofahren (was nachweislich nicht stimmt) nimmt der Strassenverkehr jedes Jahr markant zu. Deshalb braucht es die 2. Gotthardröhre, und aus meiner Sicht ausschliesslich wegen der Sicherheit (kein Gegenverkehr mehr).

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