Papierkram erledigen

30. Mai 2016 23:28; Akt: 01.06.2016 17:55 Print

Start-up führt Putzfrauen aus der Schwarzarbeit

Auch Putzfrauen haben ein Anrecht auf So­zial­versicherungen. Doch vielen privaten Arbeitgebern ist der Aufwand für eine Anmeldung zu gross. Ein Start-up bietet Abhilfe.

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Etwa 400'000 Schweizer Haushalte haben eine Putzfrau oder sonstige Angestellte in ihren Diensten. Oft läuft dabei alles korrekt ab. Doch es gibt auch schwarze Schafe, denn gewisse Haushalte zahlen die gesetzlich vorgeschriebenen Sozialabgaben für ihre Angestellten nicht ein. Dabei handelt es sich bei diesem Vergehen keineswegs um ein Kavaliersdelikt, sind die Putzfrauen so schliesslich bei Unfällen oder Jobverlust nicht versichert.

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Haben Sie schon mal eine Putzfrau, einen Babysitter oder einen Nachhilfelehrer schwarz beschäftigt?
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Insgesamt 3666 Teilnehmer

Ein oft gehörter Grund für die fehlende Entrichtung der Sozialbeiträge ist der administrative Aufwand, den die korrekte Anmeldung für Arbeitgeber mit sich bringt. Die Behörden haben diese zwar vereinfacht, trotzdem sind viele damit offenbar überfordert. Das Start-up Quitt.ch aus Zürich möchte dieses Problem beseitigen helfen. Es bietet eine vollelektronische Anmeldung und Abrechnung von Hausangestellten, sodass Zeitmangel und Bequemlichkeit kein Vorwand für Schwarzarbeit mehr sind.

Start-up übernimmt sämtliche Aufgaben

Privatpersonen, die Putzkräfte im eigenen Haushalt beschäftigen, können mit nur wenigen Klicks auf Quitt.ch ihre administrativen Arbeitgeberpflichten komplett erledigen lassen. Nachdem die Personalien von Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfasst sowie Pensum und Lohn definiert sind, übernimmt das Start-up sämtliche Anmeldungen und Abrechnungen bei Ausgleichskasse (AHV), Versicherungen, und je nachdem auch Pensionskasse und Quellensteuer.

Ausserdem werden von Quitt.ch die nötigen Dokumente generiert. Sie können jederzeit von Arbeitgeber und -nehmer abgerufen werden. Dazu gehört ein unterschriftsbereiter Arbeitsvertrag, eine monatliche Lohnabrechnung, ein Lohnausweis und die Versicherungsbestätigungen.

Aufschlag von 9,2 Prozent

Die Dienstleistung von Quitt.ch ist selbstverständlich nicht kostenlos. Das Magazin «K-Geld» hat an einem Beispiel vorgerechnet, wie viel die Dienste des Start-ups genau kosten. In der Modellrechnung beschäftigt ein Zürcher Haushalt eine Putzfrau jeden Monat für acht Stunden zu 25 Franken pro Stunde. Die Angestellte verdient pro Jahr 2400 Franken brutto. Auf diesen Betrag werden Sozialversicherungs- und Verwaltungskosten von 191.20 Franken fällig.

Dazu kommt die obligatorische Unfallversicherung, die Quitt.ch für 0,6 Prozent des Bruttolohns anbietet – im Beispiel also für 14.40 Franken im Jahr. Unter dem Strich entstehen somit Lohnkosten von 2605.60 Franken pro Jahr. Zusätzlich verlangt Quitt.ch ein Honorar in der Höhe von 238.95 Franken. Dies entspricht einem Aufschlag von 9,2 Prozent.

Der Fall Fehr

In der Vergangenheit machte Quitt.ch schon mit einer kontroversen Werbeaktion von sich reden. So warb das Portal mit dem Spruch: «Haushaltshilfen einfach fehr anstellen». Es spielt damit auf SVP-Nationalrat Hans Fehr an, der wiederholt eine Asylbewerberin illegal als Putzfrau beschäftigt hatte, ohne sie bei den Behörden anzumelden.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 30.05.2016 23:56 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke

    Jedes Jahr 238.95 zusätzlich bezahlen, nur weil man sich ein einziges Mal eine Stunde lang mit der Anstellung beschäftigen muss? Dann habe ich nach 10 Jahren Putzfrau knapp 2400.- aus dem Fenster geworfen. Das sind 100 Stunden putzen. Dann kann man auch gleich eine Putzfrau über eine Agentur holen. Die kostet ca. 32.- und dann muss man sich auch nicht anmelden und nichts abrechnen.

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  • Alex Capo am 30.05.2016 23:52 Report Diesen Beitrag melden

    Konsument

    Das System ist falsch aufgesetzt. Als Privathaushalt bin ich ja Konsument einer Dienstleistung. Ich bin ja Arbeitnehmer, nicht Arbeitgeber. Wieso solltem dem Konsumenten Arbeitgeberpflichten aufgebürdet werden? Einem Arbeitgeber mit Gewinnabsicht ist diese Administration zumutbar. Beim Konsum anderer Dienstleistungen wie Coiffeur, Taxi, Arzt, Steuerberatung, usw. habe ich ja auch keine Arbeitgeberpflicheten.

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  • hst am 31.05.2016 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Pardon

    Es geht zuletzt um die der armen Putzfrau vorenthaltenen Sozialabgaben. Es geht dem Staat um entgangene Steuern. Schließlich muss man irgendwo die an die Reichen gemachten Steuergeschenke wieder rein holen. Also muss man schauen, dass die Putzfrauen Steuern zahlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tamp am 31.05.2016 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unrecht

    Ruft eine seriöse Firma und gut ist es! Sind ja nicht teuer! 40-45.- alles inkl.

  • Matrona am 31.05.2016 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Putzfrauen verdienen nicht schlecht

    Meine Putzfrau war immer pleite und hat gejammert, sie verdiene zu wenig und werde abgezockt. Ich habe ihr dann gezeigt, wie man ein Sparkonto eröffnet und jeden Monat ca. 15% des Einkommens gleich sofort einbezahlt und nie was abheben soll. Zuerst hat sie gemeint, es reiche nicht zum Sparen. Jetzt hat sie ein hübsches Sümmchen auf ihrem Sparkonto, gelernt, mit Geld umzugehen und ist nicht mehr frustriert. Manchmal liegt es eher an der Unfähigkeit, mit Geld umzugehen. Im Privathaushalt verdient man deutlich mehr als z.B. im Service.

  • Putzfee am 31.05.2016 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Privathaushalte sind keine Firmen!

    Natürlich soll eine Putzfrau im Privathaushalt sich ein angemessenes Einkommen erwirtschaften können, jedoch besser als selbständig Erwerbende. Es würde mehr Sinn machen, ein Start-up zu gründen, die für selbständig Erwerbende Putzfrauen den Papierkram, Versicherung etc. erledigen würde, ohne Abonnement (Abzocke für nichts). Das heutig System ist für die Putzfrau wie auch für den Privathaushalt zu teuer und uninteressant. Bringt die Putzfrau ein Arztzeugnis, ist man als Privathaushalt in Bezahlzwang ohne Leistung gefangen, Firmen können diese versichern.

  • Konrad L. am 31.05.2016 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Fairness at work

    Das gibt es in Bern schon seit Jahren, ich glaube fast 15 Jahre, aber wen es in Zürich passiert, dann ist es ein Artikel wert... Da waren wohl die Berner für einmal schneller!

  • Nadja am 31.05.2016 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Bessere

    Die Hausfeen machens fair und gut, das ist ein gutes Start-up!