Credit Suisse-GV

29. April 2011 14:02; Akt: 29.04.2011 15:37 Print

23 Prozent gegen Millionenboni

An der CS-Generalversammlung haben sich 23 Prozent der Aktionärsstimmen gegen die hohen Löhne ausgesprochen. Die Bank betonte, sie befinde sich im globalen Kampf um Talente.

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Letzter grosser Auftritt von Hans-Ulrich Doerig als CS-Verwaltungsratspräsident. (Bild: Keystone)

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Ein bedeutender Teil der Aktionäre hat dem Vergütungsbericht 2010 der Credit Suisse B”rsenkurs eine Abfuhr erteilt. 23,45 Prozent der vertretenen Aktionärsstimmen richteten sich bei der konsultativen Abstimmung gegen die als überrissen kritisierten Bezüge des Top-Managements. Gut 74 Prozent zeigten mit dem Vergütungsbericht 2010 einverstanden. Vor einem Jahr hatten sich noch 30 Prozent gegen die Vergütungspraxis der Grossbank ausgesprochen.

Für 2010 bekam die 16-köpfige Geschäftsleitung total 160,3 Millionen Franken in Form vom Löhnen und Boni, die aber erst später ausbezahlt werden. CS B”rsenkurs-Chef Brady Dougan wurden insgesamt 12,8 Mio. Franken zugestanden, wobei das Grundsalär aus 2,5 Millionen. Franken bestand. Verwaltungsratspräsident Hans-Ulrich Doerig bedachte die CS mit insgesamt 6,3 Millionen Franken.

Widerstand von Ethos und Actares

Gegen den Vergütungsbericht stimmten unter anderem die Anlagestiftung Ethos und die Aktionärsinteressenvertreterin Actares. In der Diskussion ergriffen auch mehrere Kleinaktionäre die Chance, sich gegen die ihrer Ansicht nach überrissenen Bezahlungen auszusprechen. Die CS verteidigte hingegen ihre hohen Löhne. Man habe das Vergütungssystem verändert und verfüge heute über eine stringentere Praxis als viele der Konkurrenten. Laut Doerig muss die Bank eine gewisse Lohnhöhe zahlen, denn man befinde sich in einem globalen Kampf um Talente.

Zuvor sagte Doerig, die Credit Suissse sehe sich als Garantin für Stabilität des Finanzplatzes. Ohne Risiken gehe das Bankgeschäft aber nicht: «Wer das Risiko ausmerzt, tötet die Chance», so Doerig.

Ja zu Coco-Bonds

In der zweiten wichtigen Abstimmung sagten die Aktionäre mit 93,46 Prozent ja zu den so genannten Coco-Bonds. Nur gut 5 Prozent waren dagegen. Für die Einführung der Cocos war eine Zweidrittelsmehrheit nötig. Damit kann die Bank nun bedingtes Kapital von 16 Millionen Franken. zur Unterlegung der Cocos schaffen. Die Cocos (»Contigent Convertible Bonds») sind bedingte Pflichtwandelanleihen, die im Krisenfall in Aktien umgewandelt werden können. Mit den Cocos will die CS ihr Kapital um jene Milliarden aufstocken, die zur Erfüllung neuer Kapitalvorschriften notwendig werden.

Die künftig schärferen Regulierungsansätze für grosse Banken begrüsste die CS grundsätzlich. Das Finanzinstitut wolle auch der Schweiz von Nutzen sein. Laut CS-Konzernchef Brady Dougan hat die Bank ihr Geschäftsmodell rasch den sich verändernden Kapital- und Liquiditätsvorschriften angepasst.

Gegen die Cocos stimmte die Anlagestiftung Ethos. Ihr Direktor Dominique Biedermann sagte vor den Aktionären, die Cocos dienten nur der Absicherung von Handelsgeschäften der Investmentbank. Dies mache die CS weder rentabler noch sicherer.

Applaus zum Abschied

Am Ende der Veranstaltung spendeten die Aktionäre Applaus für Hans-Ulrich Doerig, der das letzte Mal eine CS-Generalversammlung leitete und nach jahrzehntelanger Arbeit die traditionsreiche Bank verlässt. Seinen Posten übergibt er am Urs Rohner, der bereits seit längerem als Vizepräsident amtiert hat.

(sda)