Fahrer streitet mit Uber-CEO

01. März 2017 08:03; Akt: 01.03.2017 12:38 Print

«Wegen Ihnen bin ich pleite!»

Uber-Chef Travis Kalanick ist mit einem seiner eigenen Fahrer in einen heftigen Streit geraten – vor laufender Kamera.

«Sie könnten die Preise bestimmen, aber stattdessen kaufen Sie allen ein Auto»: Uber-Fahrer streitet mit CEO – ab 3 Minuten 45 Sekunden. (28. Februar 2017) Video: Youtube/Bloomberg

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Dass Fahrgäste und Taxi-Fahrer streiten, ist nichts Neues. Wenn aber der CEO von Uber als Fahrgast bei seinem eigenen Fahrdienst in eine hitzige Debatte über Ubers Lohnpolitik gerät – und das Ganze noch auf Video festgehalten wird – , ist das etwas anderes.

Das Video, das Bloomberg veröffentlicht hat, zeigt Uber-Chef Travis Kalanick auf dem Rücksitz bei Fahrer Fawzi Kamel, der für die Luxus-Linie Uber Black fährt. Der Streit entbrennt am Ende der Fahrt, als Kamel seinen Chef in ein Gespräch verwickelt.

«Sie erhöhen die Standards und senken die Preise»

Zunächst erklärt CEO Kalanick, dass in Kürze die Zahl der Uber Blacks reduziert werde und das für Fahrer Kamel wohl gute Folgen haben dürfte. Dann geht der Fahrer aber auch schon in die Offensive: «Ja, ich habe die E-Mails gesehen, aber Sie erhöhen die Standards und senken (gleichzeitig) die Preise.»

Das lässt der CEO nicht gelten: «Wir senken die Preise bei Uber Black nicht.» «Aber im Generellen schon», erwidert der Fahrer. Das sei schon richtig, meint der CEO, aber Uber habe wegen der Konkurrenz keine andere Wahl.

«Konkurrenz?», fragt der Fahrer. «Ach kommen Sie schon, das Geschäftsmodell liegt ja in Ihrer Hand. Sie könnten die Preise bestimmen, aber stattdessen kaufen Sie allen ein Auto.»

«Wegen Ihnen bin ich pleite!»

Kalanick besteht darauf, Uber sei durch die Konkurrenz in den Billigmarkt gedrückt worden. «Ich verspreche Ihnen, würde ich das nicht tun, würden wir (von der Konkurrenz) geschlagen.»

Das glaubt ihm der Fahrer allerdings nicht, und jetzt wird die Diskussion persönlich: «Die Leute vertrauen Ihnen nicht mehr», beginnt er. «Ich habe wegen Ihnen 97'000 Dollar verloren. Wegen Ihnen bin ich pleite! Sie ändern die Regeln jeden Tag!» Der CEO habe die Preise auch bei Uber Black schon mehrfach gesenkt.

Da reisst auch Kalanick der Geduldsfaden: «Bullshit!», sagt der CEO bestimmt. Doch der Fahrer insistiert: «Wir haben mit 20 US-Dollar angefangen.» Der CEO erneut: «Bullshit.» «Jetzt sind wir bei 2,75 US-Dollar!», klagt der Fahrer.

«Wissen Sie was?» Kalanick macht sich zum Aussteigen bereit. «Manche Leute wollen für ihren Scheiss einfach keine Verantwortung übernehmen und machen alle anderen für ihre Probleme verantwortlich. Viel Glück!» Der CEO verlässt den Wagen. Auf der App gibt er dem Fahrer die schlechteste Bewertung – einen von fünf Sternen.

Entschuldigung nach Publikation

Kurz nach Veröffentlichung des Videos hat sich Uber-Chef Kalanick öffentlich für sein Verhalten entschuldigt. «Zu sagen, dass ich mich schäme, ist eine Untertreibung», schreibt er in einem E-Mail an alle Uber-Angestellten. «Das ist das erste Mal, dass ich zugebe: Ich brauche Führungshilfe, und ich werde sie suchen. Ich will mich bei Fawzi (Kamel), bei allen Uber-Fahrern und beim Uber-Team aufrichtig entschuldigen.»

(mch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A. Alfti am 01.03.2017 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Extrem schwach

    Wenn sich dies tatsächlich so ereignet hat (keine Fakenews), dann ist es sehr enttäuschend für die Führungsriege aus dem Silicon Valley. Ausser der Technologie scheint man nicht viel bieten zu können.

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  • Bansaii am 01.03.2017 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt noch schlimmer

    Und die Fahrer merken nicht einmal, dass Uber sie mittelfristig ganz ersetzen will durch selbstfahrende Autos. Mit ihrer Zusammenarbeit mit Uber schaufeln sich die Taxifahrer ihr eigenes Grab!

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  • Berner am 01.03.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas anderes erwartet?

    Das Einzige was hier wirklich bedauert wird ist,dass es aufgezeichnet wurde. Die Maxime von Ihm war schon immer alles für mich. Wer UBER fährt unterstützt ein System, dass die Gewinne von UBER auf Kosten der Fahrer generiert. Aber das ist dann wahrscheinlich wieder egal, wenn Geiz ist Geil wieder wichtiger ist. Aber bitte gleichzeitig schön auf Facebook und Twitter seine Betroffenheit kundtun

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nikos Vertis am 01.03.2017 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ic glaub ihm kein wort

    nur weil es in der öffentlichkeit bekannt wurde hat sich der CEO entschuldigt damit er besser da steht,aber an der taktik wird er nichts ändern

  • steven Anderegg am 01.03.2017 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    normales Business

    Als ob andere Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht genau gleich aussaugen! uber hat nun dieses Geschäftsmodell. Wieviele Mitarbeiter hätten gar kein Einkommen? Und warum wird in USA ein 80000$ Auto gekauft. Da gibt es die besten Autos zum halben Preis.

  • T. Demirci am 01.03.2017 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Taxi 4 noch ein Tor

    Von nun an dürfte er in ein normales Taxi einsteigen.

  • Ursula K am 01.03.2017 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Preisaussage im Text ist falsch

    Wie ich es verstanden habe, begannen sie mit 20 $ und er hat dann 2.75$ pro Meile angeführt. Aus dieser Aussage lässt sich nicht ableiten, ob und wie stark die Preisreduktion war. Es wäre nämlich hoch unrealistisch, dass ein Meilenpreis in den US jemals 20 $ war - zumindest nicht seit den 90ern. Wenn sich ein Fahrer für 80'000 Mäuse eine Karre kauft, dann müsste man mal seine Rentabilitätsrechnung anschauen. Fraglich ist, ober sich ausgerechnet hat, wieviel der pro Meile einnehmen müsste...

    • Sepp am 01.03.2017 17:06 Report Diesen Beitrag melden

      UBER

      UBER hat Milliarden zum verbraten d.h. wurden sicherlich unrealistische Zuzahlungen getätigt. Das der Herr Fahrer anders kalkuliert als der Herr CEO, liegt in der Natur der Sache. Mit klassischer Geschäftsführung haben beide nichts am Hut.

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  • Quincy am 01.03.2017 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    CEOs halt

    CEOs verdienen Millionengehälter weil sie Menschen so gut führen und motivieren können, und weil sie die Verantwortung tragen. Ja, das ist ein Witz - wenn auch ein trauriger.

    • S. K. am 01.03.2017 15:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Quincy

      Menschen unterschreiben arbeitsverträge, ohne genau zu lesen was sie unterschreiben. Da hab ich kein mitleid.

    • Ralf Berger am 01.03.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      Stand und Ausbildung

      Nicht jeder hat eine Wahl, denn nicht jeder ist aus reichem Hause und darum gelernter Atomphysiker. Manche läut müssen Verträge unterschreiben welche ich nicht mal in den Papierkorb werfen würde ohne sie voreher luftdicht zu verpacken.

    • Frank am 01.03.2017 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      @S.K.

      Dass gewisse Menschen in gewissen Situationen einfach auf jeden Job und jeden Dollar angewiesen sind, können Sie auch nicht verstehen? Ich denke, als ungebildeter, mittelloser arabischstämmiger Mann ist das Leben in den USA auch kein Zuckerschlecken. Ein bisschen Respekt wäre da durchaus angebracht.

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