Acht Wochen Vaterschaftsurlaub

24. August 2017 19:44; Akt: 24.08.2017 19:44 Print

Warum Auslands-Firmen in der Schweiz vorpreschen

von P. Michel/I. Strassheim - Johnson & Johnson gewährt auch Schweizer Angestellten 8 Wochen Vaterschaftsurlaub. Politiker sind erfreut, fordern aber weiterhin eine nationale Lösung.

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Mitarbeiter des US-Konzerns Johnson & Johnson erhalten künftig acht Wochen Vaterschaftsurlaub. Der Pharma- und Konsumgüterproduzent mit Sitz in Zug beschäftigt in der Schweiz rund 7000 Angestellte und ist damit neben McDonald's der grösste amerikanische Arbeitgeber der Schweiz.

Adrian Wüthrich, Präsident der Volksinitiative «Vaterschaftsurlaub jetzt», gratuliert Johnson & Johnson zum «vorbildlichen» Entscheid: «Das zeigt, dass unsere Forderung von vier Wochen Vaterschaftsurlaub überhaupt nicht überzogen, sondern ein guter Schweizer Kompromiss ist.» Auch Jonas Fricker, Nationalrat der Grünen, ist erfreut: «Dass Firmen das Thema Vaterschaftsurlaub von selbst aktiv angehen, ist lobenswert und beweist, dass auch die Wirtschaft beginnt, umzudenken.»

Schub für nationale Initiative

Wüthrich hofft, dass der Entscheid seiner Initiative, die einen Vaterschaftsurlaub von vier Wochen, bezahlt aus der Erwerbsersatzkasse fordert, Schub verleiht. Johnson & Johnson zeige, dass es möglich sei, Vätern ihre Zeit für die Kinder einzuräumen und ihre Abwesenheit am Arbeitsplatz zu organisieren und zu finanzieren. Wann über die Initiative abgestimmt wird, ist noch nicht bekannt.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hält nichts von der Initiative. Er begrüsst aber das freiwillige Angebot von Johnson & Johnson. «Das zeigt, dass es sinnvoll ist, den Unternehmen die Entscheidung über Einführung und Dauer eines Vaterschaftsurlaubs zu überlassen», so Sprecher Fredy Greuter. Grossunternehmen seien tendenziell flexibler als KMU, um Absenzen überbrücken zu können. Gerade internationale Konzerne sind demnach im Vorteil.

Flexibilisierung des Mutterschaftsurlaubs

Wüthrich sieht noch einen anderen Grund, warum gerade internationale Konzerne vorwärtsmachen: «Internationale Firmen stehen in globaler Konkurrenz, sie stehen daher eher unter Druck, attraktive Bedingungen zu bieten.» Genau dies spricht auch für eine gesetzliche Regelung für alle Unternehmen: «Es kann nicht sein, dass Wildwuchs herrscht und nur Angestellte von Konzernen Anspruch auf einen anständigen Vaterschaftsurlaub haben.»

Anderer Meinung ist FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Er sieht im Entscheid von Johnson & Johnson den Beweis dafür, dass ein staatlich vorgeschriebener Vaterschaftsurlaub nicht nötig ist, da die Firmen von selbst aktiv werden. Diese Freiheit mache auch Sinn, so Wasserfallen: «Die Firmen können sich somit auf dem Arbeitsmarkt von Konkurrenten abheben.»

Wasserfallen erklärt, er sei nicht gegen die Idee eines Vaterschaftsurlaubs. Statt aber allen Firmen Vorschriften zu machen, brauche es zuerst eine Flexibilisierung des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs: «Mütter sollen diese Zeit aufteilen können, damit auch der Vater eine Zeit lang zu Hause bleiben kann.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Medikus am 24.08.2017 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Medipreise machen das möglich

    Ein Riesenkonzern in der Pharmabranche kann sich das leisten, wir bezahlen das ja mit den Medipreisen. Wo bleiben da die grünen und linken?

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  • Ruga Som am 24.08.2017 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise mit CH-Zuschlag

    Diese Firma braucht Argumente, um die überhöhten Preise ihrer Produkte in der Schweiz rechtfertigen zu können. Den Urlaub bezahlen schlussendlich die Konsumenten.

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  • Lecramsong am 24.08.2017 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forderer der Politik

    Hauptsache mehr fordern aber selber keine Lösung haben...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Carmen am 25.08.2017 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltreise

    Für eine weltreise seid ihr bereit unbezahlt fehrien zu beziehen. Sind kinder weniger wert als eine reise? Ich sehe nicht ein, dass die allgemeinheit für euer vergnügen bezahlen muss.

  • Mutter am 25.08.2017 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    aufteilen? was denn bitte?

    14 wöchiger Mutterschaftsurlaub - den dann auch noch aufteilen? Kann mir bitte jemand sagen wie man das als stillende Mutter schaffen soll ein 3.5 Monate altes Baby allein zu lassen? Die Schweiz sollte sich ein Vorbild an Deutschland und Österreich nehmen wo man selbst entscheiden kann (bis 2.5 J), als Vater hat man in Österreich recht auf 6 Monate! Wir zahlen schon um so viel mehr hier in der Schweiz, bisschen familienfreundlicher könnte die Schweiz schon werden.

  • Karsten von Burg am 25.08.2017 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitgeber-Verbände und Economiesuisse

    Aus Sicht der Economiesuisse & Arbeitgeber-Verbände sind 8 Wochen Vaterschaftsurlaub unmöglich, da: alle Unternehmen ins Ausland abwandern würden, viele Unternehmen bankrott gehen, die Sozialversicherungen verdoppelt werden müssen, die Preise des öV steigen, die Arbeitslosigkeit extrem steigen würde und laut einer Studie weitere 1'000 000 Arbeitsplätze gefährdet wären ... ... ! (!!!) ...

  • Mister am 25.08.2017 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beziehung aufbauen

    Viele die es selber nicht hatten, mögen diese Entwicklung nun auch den anderen nicht gönnen. Dabei ist es höchste Zeit das etwas geht in der Schweiz. Ein Kind braucht seinen Vater genauso.

    • wianve am 25.08.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mister

      Ja, nur schläft es in dieser Zeit. Wäre schön, wenn Väter auch noch nach einem Jahr Zeit für die Kinder hätten. Trotz allem Sport und Freizeitaktivitäten. Wieviele wickeln und stehen nachts auf in dieser Zeit?

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  • Beat am 25.08.2017 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Gratuliere! Dafür ist es höchste Zeit! Es braucht die Väter!