Debitkartengebühren

09. November 2010 11:06; Akt: 09.11.2010 12:59 Print

«Das konnten wir Visa nicht verbieten»

von Gérard Moinat - Rafael Corazza, Direktor des Sekretariats der Weko, begrüsst den Kampf gegen den Debitkarten-Platzhirsch Maestro. Im Interview mit 20 Minuten Online wehrt er sich gegen Vorwürfe, nicht früher gehandelt zu haben.

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Die Wettbewerbskommission Weko erlaubt Visa, eine Zusatzgebühr von 20 Rappen zu erheben, bis ihre neue Debitkarte V Pay auf dem Markt etabliert ist. Maestro will diese Gebühr nun auch. Den Konsumenten droht so ein Zuschlag von durchschnittlich 20 Rappen auf Transaktionen mit Debitkarten. Händler und Konsumentenschützer laufen dagegen Sturm.

Wieso erlaubt die Weko der Visa für ihre für 2011 geplante Kartenlancierung höhere Gebühren?
Rafael Corazza: Wir konnten der Visa nicht verbieten, die Gebühr zu erheben. Visa ist nicht marktbeherrschend und es macht auch keinen Sinn, einen Markteintritt zu erschweren. Der Neueintritt bringt Wettbewerb zum Nutzen von Konsument und Händler.

Hätten Sie nicht antizipieren müssen, dass Maestro auch mehr vom Gebührenkuchen will?
Maestro braucht nicht uns, um auf die Idee zusätzlicher Gebühren zu kommen. Die Banken taten das bereits 2006. Und damals wiesen wir die Forderung ab. Ob die neue Forderung nun rechtens ist, klären wir derzeit ab.

Und wie weit sind Sie?
Über den Zwischenstand von Verfahren geben wir keine Informationen.

Der Detailhandel arbeitet an einem eigenen Karten-System. Was halten Sie davon?
Je mehr Mitbewerber, desto besser. Denn Wettbewerbsdruck bedeutet immer auch Druck auf die Preise. Wenn sich nun sogar der Detailhandel selber wehrt und sich dem Diktat von Maestro selbstständig entziehen kann, ist das natürlich sehr zu begrüssen.

Hätten Sie nicht schon früher intervenieren müssen?
Wie gesagt, wir haben eingegriffen. Was wir nicht können, ist, neue Anbieter aus dem Boden zu stampfen. Dass es so lange nur einen Anbieter gegeben hat, ist nicht unsere Schuld.

FDP-Nationalrat Otto Ineichen (LU) will in einer Interpellation vom Bundesrat wissen, ob nicht staatliche Regeln für den bargeldlosen Zahlungsverkehr nötig sind. Was kann man sich davon erhoffen?
Im Moment sind keine neuen Regeln nötig, aber er hat einen wunden Punkt getroffen. Einerseits bei uns, weil er darauf aufmerksam macht, wie beschränkt unsere personellen Ressourcen sind. Wir verwenden momentan rund 300 Stellenprozent auf diese Problematik. Andererseits streicht er heraus, dass Zahlungsmittel nicht beliebig viel kosten dürfen. Und damit hat er absolut recht.

Droht im Worst Case die Rückkehr zum Bargeld?
Nein, es «droht» uns vielmehr ein Gerangel darum, wer wie viel zahlt und wer wie viel erhält. Aber wenn sich viele um den Kuchen prügeln, ist das für den Konsumenten und die Detailhändler eine gute Sache. Viel schlimmer wäre, wenn in diesem Bereich plötzlich Friede, Freude, Eierkuchen herrschen würde. Und sowieso: Solange das bargeldlose Zahlen etwas bringt - und das tut es - ist seine Existenz nicht gefährdet.

Wie viel Macht haben Sie gegen den Monopolisten überhaupt?
Wir können bei einem Missbrauch nötigenfalls Sanktionen aussprechen. Bis jetzt ging es aber ohne. Dank unserer Interventionen ist die Schweiz im Bereich der Debitkarten günstiger als Europa, und auch bei den Kreditkarten sind wir mit den Gebühren bei den Leuten.