Spitalzusatz

03. Oktober 2010 21:17; Akt: 03.10.2010 19:25 Print

Die Frauen büssen für ihr Geschlecht

von Elisabeth Rizzi - Störend, aber legal: Krankenkassen verlangen bei den Spital-Zusatzversicherungen für Frauen teils über 400% der Prämien für Männer.

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Wegen möglicher Mutterschaft zahlen Frauen höhere Prämien in der Spital-Zusatzversicherung. (Bild: colourbox.com)

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Bei der Grundversicherung gilt für alle Versicherten bei einer Kasse: Sie bezahlen gleich hohe Prämien, egal ob Mann oder Frau. Nicht so bei den Zusatzversicherungen. Zwar gibt es durchaus Kassen, die nicht zwischen den Geschlechtern unterscheiden. Doch fallen insbesondere bei den teuren Spitalzusätzen einzelne Versicherer mit eklatanten Prämienunterschieden auf. So zahlt eine Dreissigjährige bei Branchenleader Helsana mit Fr. 109.50 207% der Prämie für einen Mann (Fr. 52.80). Die Groupe Mutuel verlangt mit
Fr. 169.60 sogar 457% der Prämie für einen gleichaltrigen Mann (Fr. 37.10).

Die betreffenden Versicherer rechtfertigen dies mit dem Risiko einer Mutterschaft. Tatsächlich bringen Schweizer Frauen in ihrem Leben durchschnittlich nur 1,5 Kinder zur Welt. Die Kosten für eine normale Geburt in der Halbprivatabteilung einer Privatklinik belaufen sich auf rund 10 000 Franken. Um 15 000 Franken sind Frauen somit im Durchschnitt teurer als Männer. Im Fall Groupe Mutuel hätten Frauen also in knapp 9 Jahren die Mehrkosten ausgeglichen. Tatsächlich zahlen sie aber mehr als 20 Jahre lang deutlich mehr als Männer. Krankenkassen-Ombudsmann Rudolf Luginbühl zeigt sich entsprechend erstaunt über die Höhe der Prämienunterschiede. Patientenschützerin Margrit Kessler nennt das Phänomen unschön. «Aber tun kann man dagegen nichts. Im Zusatzbereich sind die Kassen völlig frei», bedauert sie. Sie rät Frauen daher zu besonderer Vorsicht bei der Wahl des Versicherers.