Online-Bewerbungen

23. November 2017 09:53; Akt: 23.11.2017 10:53 Print

Schüler scheitern schon am PDF

Firmen verlangen zunehmend Online-Bewerbungen. Das stellt Schulabgänger vor Probleme: Einige scheitern bereits am Erstellen eines PDFs.

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Auf ihrer Homepage listet Sunrise derzeit 49 offene Lehrstellen für nächstes Jahr auf. Um sich etwa als Kaufmann oder als Detailhandelsfachfrau zu bewerben, reicht ein Klick, der auf ein Online-Formular verlinkt. Ein Blick auf die Seite zeigt: Dort verlangt Sunrise ein Bewerbungsschreiben im PDF-Format oder die Erstellung eines Logins.

Dies stellt für einige Schulabgänger jedoch bereits eine zu hohe Hürde dar: Laut der Zeitschrift «Beobachter» haben selbst gute Schüler Mühe, ein solches Formular auszufüllen. «Es gibt Jugendliche, die nicht mal wissen, was ein PDF ist. Geschweige denn, wie man eine solche Datei erstellt und komprimiert», sagte Patrik Kleger von der St. Galler Lehrstellenbörse.

Selbst das Schreiben einer E-Mail ist ein Problem

Laut Experten sind nicht nur die Online-Formulare ein Problem: «Einige haben keine Ahnung, was sie im Mail selbst noch schreiben sollen – und ob überhaupt etwas», sagt Andreas Schaaf von der Stiftung Zukunft Thurgau, die jährlich etwa 140 Jugendliche bei der Lehrstellensuche unterstützt.

Das Unwissen kann bei der Lehrstellensuche zum Handicap werden. Wie Sunrise setzen viele Firmen auf Online-Bewerbungen, darunter etwa Migros oder Schindler. Eine Schülerin erzählte dem «Beobachter»: «In einem Fall habe ich es nicht geschafft, den Anhang für die E-Mail-Bewerbung zu verkleinern.» Ihr Lehrer habe es auch nicht gekonnt, und als sie bei der Firma anrief, habe der Chef gesagt, er akzeptiere nur E-Mail-Bewerbungen.» Darauf habe sie sich nicht für die Stelle beworben.

«Online-Formulare sind nicht Snapchat»

Rebecca Greter, Co-Geschäftsführerin der Coaching-Plattform Ciivii, kennt das Problem. Sie berät mit ihrer Geschäftspartnerin Irina Stucki Stellensuchende und erhält regelmässig Anfragen von überforderten Schülern (siehe Tipps in der Box). «Online-Formulare und Bewerbungsschreiben folgen einer anderen Logik als Snapchat», sagt sie zu 20 Minuten. Diese Regeln, sei es auch nur das Erstellen eines PDFs oder das Verfassen einer Bewerbungsmail, müssen auch Digital Natives erst lernen.

Doch diese Kompetenzen würden in der Schule zu wenig vermittelt, sagt Greter: «Viele Lehrer sind selbst mit einfachen technischen Fragen überfordert oder sind im Papier-Zeitalter steckengeblieben.» Im Notfall auf die Online-Bewerbung zu verzichten und die Unterlagen schriftlich einzureichen, empfiehlt Greter nicht: «Wenn explizit Online-Bewerbungen gewünscht werden, findet das per Post eingereichte Schreiben wohl kaum Beachtung.»

«Bewerbung darf nicht an einem PDF scheitern»

Sie sieht aber auch die Firmen in der Pflicht: «Online-Formulare oder Registration müssen für Jugendliche verständlich sein – da haben einige Firmen noch Aufholbedarf.» Bernhard Bürki, Sprecher von Pro Juventute, ergänzt: «Es kann nicht sein, dass eine Bewerbung für eine Lehrstelle schlussendlich an einem PDF scheitert.» Deshalb sei es wichtig, dass die Jugendlichen sich bei Eltern oder Lehrpersonen Hilfe holen oder bei den Firmen melden, wenn etwa ein Formular unverständlich sei.

Die angesprochenen Firmen betonen, ihre Prozesse bereits vereinfacht zu haben. Bei der Login Berufsbildung AG etwa, die für den öffentlichen Verkehr rekrutiert, heisst es: «Man muss Dokumente nicht in einem bestimmten Format hochladen, sogar Handyfotos sind möglich», sagte Giovanna Severgnini, Leiterin Selektion. Die Firma Schindler will künftig eine Anleitung zur Erstellung von PDFs aufschalten.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • myname am 23.11.2017 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Vorselektion

    «Es kann nicht sein, dass eine Bewerbung für eine Lehrstelle schlussendlich an einem PDF scheitert.» Ist doch eine super Vorselektion. Wer sich nicht mal die Mühe macht "wie erstelle ich ein pdf" bei Google ein zu geben wird in der Lehre auch nicht vor Motivation und Interesse strotzen...

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  • swissbird am 23.11.2017 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es filtert sich selbst

    Wer als KV-Interessent kein PDF hinbekommt, sollte sich umorientieren.

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  • Mary am 23.11.2017 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hätte ich eine Firma...

    Dann bräuchte ich die Bewerbung nicht. wenn sie nicht wissen wie sie ein einfaches pdf erstellen/raufladen. Googeln und in einer Minute weiss man es.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D.B. am 24.11.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule in der Pflicht

    Vielleicht sollte in der Schule weniger Französisch (Deutsch bei den Welschen) gepaukt werden und dafür etwas mehr angewandte Informatik. Ist ja peinlich so was!

  • Ozzly am 24.11.2017 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forrest hat eben schon recht...

    "Dumm ist der, der Dummes tut". Frei nach Forrest Gump. Recht hat er! Was bitte ist nun nicht dumm daran, wenn man sich durch Computer und Handy steuern und versklaven lässt? Und zu allem auch noch glaubt, man hätte die Intelligenz mit Löffeln gefressen nur weil man ein schnödes PDF erstellen kann? Liebe Leute, besinnen wir uns doch wieder mal auf echte Werte. Was macht es schon, wenn ein Bewerber die Adresse oder gar eine handschriftliche Bewerbung macht? REIN GAR NICHTS! Immerhin brauchte er viel Zeit dazu, musste sich viel Mühe geben und gibt mit seiner Handschrift erst noch viele wertvolle Hinweise auf seine Persönlichkeit preis. Wenn man in der Lage ist, diese auch zu deuten....

    • Hannibal Lecter am 24.11.2017 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ozzly

      EDV-Kenntnisse sind nunmal erforderlich für einen Grossteil der Berufe, da sollte eine Bewerbung schon drin liegen! Sie haben da schon einen ganz schön rückständigen Blick auf die Technik. Eine Fortbildung würde auch Ihnen nicht schaden...

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  • Heinrich Zimmermann am 24.11.2017 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Problem sind schon die Personalfritzen

    Ich muss mich ja nicht mehr bewerben, aber echt, was soll man den Personalchefs den schreiben, die sind selber dermassen fantasielos, dass sie eine Berwerbung nur als Standardbewerbung haben wollen. Weiss bis heute nicht was die wollen oder noch besser können. Vielleicht bringt die künstliche Intelligenz wieder leben in die Sache.

  • Feiveline am 24.11.2017 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wir können stundenlang täglich monatlich am Handy spielen, Gamen usw. , wenn wir aber für unsere Zukunft (Job, arbeiten sollen) um am Monatsende Geld zu verdienen, da sind wir unfähig und überfordert. Freizeit ist wichtiger als Arbeit.

  • programierer am 24.11.2017 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was

    Als ich ich und meine Freunde in diesem Alter waren haben wir den Schul-PC gehackt und die können nicht mal das.