Nach Gripen-Nein

27. Mai 2014 06:47; Akt: 27.05.2014 07:06 Print

«Pilatus PC-21 können das WEF schützen»

von Laura Frommberg - Oscar J. Schwenk, Präsident des Flugzeugbauers Pilatus, erklärt, warum das Gripen-Nein seinen Konzern wertvolle Zeit kostet – und wie die Armee seine PC-21-Flieger einsetzen könne.

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Oscar Schwenk: Der Pilatus-Präsident sieht zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für seine Jets. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

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Herr Schwenk, das Volk hat den Gripen abstürzen lassen. Jetzt bringen Sie einen Ihrer Flieger für die Schweizer Armee ins Spiel. Ist das nicht etwas tollkühn?
Überhaupt nicht!

Aber der Pilatus PC-21 ist ein umgerüsteter Trainingsflieger. Die Schweizer Armeeoberen geben sich ja meist nur mit dem besten Kriegsgerät zufrieden ...
Unsere Trainingsflugzeuge sind die besten in ihrem Segment. Sie könnten – entsprechend ausgerüstet – den Schutz des Weltwirtschaftsforums WEF sicherstellen. Damit will ich jedoch nicht sagen, dass man mit dem PC-21 den Gripen ersetzen kann.

Sie hatten auch auf Gegengeschäfte mit Schweden gehofft, die teils vom Gripen-Deal abhingen. Sind Sie besorgt, dass die nun platzen?
Nein, aber wir verlieren wertvolle Zeit. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir mit den Schweden ins Geschäft kommen werden, da der PC-21 gegenwärtig das beste auf dem Markt erhältliche Trainingssystem ist.

Auf welche Kunden hoffen Sie – ausser den Schweden – noch für das Trainingsflugzeug?
Gegenwärtig läuft in Australien eine Evaluation für den Ersatz der von uns vor 25 Jahren gelieferten 60 PC-9 Trainingsflugzeuge. Und da sind wir mit dem PC-21 dabei.

Der Fall Gripen zeigt, wie abhängig das Rüstungsgeschäft von politischen Entscheiden und diplomatischen Entwicklungen ist. Stört Sie das?
Beschaffungsvorhaben bei Armeen sind immer ein langwieriger Prozess und wer damit nicht leben kann, muss aus diesem Geschäft aussteigen.

Ihr neuer Business-Jet PC-24 kommt 2017 auf den Markt – und ist schon ausverkauft. Wollen Sie in dem Segment nun noch stärker werden, um die Abhängigkeiten zu reduzieren?
Das Militärgeschäft werden wir als starkes Standbein weiterführen. Mit dem PC-24 ergänzen wir den PC-12 im oberen Segment. Den PC-12 haben wir bereits über 1300 Mal verkauft.

Der PC-24 soll vor allem auch für kurze Pisten und daher abgelegene Airports geeignet sein. Was sind die Märkte, die Sie mit dem Flieger erschliessen wollen?
Wir können weltweit doppelt so viele Flugplätze anfliegen wie unser nächster vergleichbarer Konkurrent. Somit ist der PC-24 für all jene Kunden attraktiv, die näher und schneller an ihr Ziel fliegen wollen. Als einziger Jet verfügt der PC-24 über ein Frachttor, mit dem auch sperrige Güter innert wenigen Minuten geladen werden können. Die Kabine ist mit Abstand die grösste in seinem Segment und das Interieur ist modular aufgebaut, damit die Kabine rasch den Bedürfnissen der Kunden angepasst werden kann.

Wie erklären Sie sich den Ansturm auf den Jet, obwohl er noch gar nicht offiziell vorgestellt wurde?
In erster Linie das Vertrauen der Kunden in Pilatus als berechenbaren Partner mit ausgezeichneten Produkten. Aber auch das ausgezeichnet Preis- Leistungs-Verhältnis konnte die Kunden überzeugen.

Wie viele PC-24 wollen Sie dereinst pro Jahr produzieren?
Etwa 40 bis 50 Stück pro Jahr.