Basel III steht

07. Dezember 2017 19:05; Akt: 07.12.2017 19:40 Print

Regulierer einigen sich auf globale Regeln für Banken

Seit sieben Jahren köchelt Basel III vor sich hin. Nun steht das Reformpaket.

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Die Schweiz soll mit der Umsetzung der Regeln den anderen Ländern nicht vorauseilen, meint die Schweizer Bankiervereinigung: Der Paradeplatz in Zürich mit Credit Suisse und UBS. (Archiv) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Nach jahrelangem zähem Ringen haben sich die globalen Bankenregulierer auf weltweite Kapitalvorschriften für Banken geeinigt. Damit schliesst der Basler Ausschuss das Reformpaket Basel III ab. Die Schweizerische Bankiervereinigung verlangt Augenmass bei dessen Umsetzung.

Mit einer weiteren Verschärfung der Kapitalregeln für Banken wollen Aufseher und Notenbanker rund um den Globus das Finanzsystem sicherer machen. Nach monatelangem Streit einigten sich Europäer und Amerikaner auf einen Kompromiss zur Ausgestaltung der nach der jüngsten Finanzkrise eingeführten sogenannten Basel-III-Regeln.

Einführungsphase von 2022 bis 2027

Die neuen Vereinbarungen sorgten für mehr Sicherheit, «ohne die Kapitalanforderungen deutlich zu vergrössern», sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Donnerstag in Frankfurt. Es sei nun entscheidend, dass die Vereinbarungen weltweit umgesetzt würden, betonte Draghi, der dem Gremium der Chefs von Notenbanken und Aufsichtsbehörden (GHOS) vorsitzt.

Der zuletzt besonders strittige Punkt, in wie weit Banken bei der Berechnung ihrer Risiken eigene Rechenmodelle anwenden dürfen, wurde über die Festlegung einer Grenze gelöst. So müssen Banken auch bei Anwendung eines internen Modells mindestens 72,5 Prozent des Kapitals auf die Seite legen, das sich durch die Berechnung mit einem Standard-Modell ergibt.

Ein weiteres Element des Kompromisses ist, dass der Basler Ausschuss den Banken für die Umsetzung der Reform mehr Zeit gewährt als ursprünglich geplant. Ursprünglich sollte es ab 2019 losgehen, jetzt sollen die neuen Regelungen schrittweise ab dem 1. Januar 2022 greifen. In ihrer vollen Schärfe umgesetzt werden die Regeln erst nach fünf Jahren Übergangsfrist ab 2027.

Verzicht auf Swiss Finish gefordert

In der Schweiz wird die Einigung von der Schweizer Bankiervereinigung (SBVg) und vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (Sif) begrüsst. Das Sif schreibt in ihrer Stellungnahme, dass global konsistente Regeln im Interesse der international tätigen Schweizer Finanzakteure sind. Für den SBVg weist der Kompromiss «grundsätzlich in die richtige Richtung», wie der Branchenverband in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

Bei der Umsetzung in der Schweiz fordert der SBVg jedoch Augenmass. So sollen die Schweizer Behörden auf eine zusätzliche Verschärfung – auf einen Swiss Finish – verzichten und auch die Reform nicht vor anderen umsetzen, heisst es in der Mitteilung.

Hauptstreitpunkt in den jüngsten Verhandlungen war, wie Banken ihre Kreditrisiken kalkulieren. Davon hängt ab, mit wie viel Eigenkapital Geschäfte abgesichert werden müssen. Viele Grossbanken berechnen dies mit internen Modellen. Dabei ergibt sich oft ein geringerer Kapitalbedarf als bei den Standardvorgaben, so dass ähnliche Finanzanlagen oft sehr unterschiedlich bewertet werden. Vor allem die USA pochten auf enge Grenzen für den Einsatz interner Modelle.

Bis zuletzt war darum gerungen worden, um wie viel Prozent der intern ermittelte Wert vom Standardansatz abweichen darf – im Fachjargon «Output-Floor» genannt. Die US-Vertreter plädierten dabei für eine Schwelle von 75 Prozent. Die Europäer drängten auf 70 Prozent, weil viele europäische Banken mit der höheren Schwelle in deutlichem Umfang zusätzliches Kapital aufbauen müssen.

13 Prozent zusätzliches Kapital

Mit einer Schwelle von 72,5 Prozent hat der Basler Ausschuss sich in der Mitte der Forderungen getroffen. Der Prozentsatz bedeutet, dass eine Bank für einen Kredit, für den der Standardansatz 1000 Euro Kapitalpuffer vorsieht, mindestens 725 Euro zurücklegen muss – auch wenn ihr eigenes Modell ein niedrigeres Ausfallrisiko und damit einen geringeren Kapitalpuffer errechnet hat.

Die Europäische Bankenaufsicht EBA rechnete vor, dass EU-Banken nach den neuen Regeln im Schnitt 12,9 Prozent zusätzliches Kapital zurücklegen müssen.

(mch/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 07.12.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ??

    Na dann hoffe ich einmal die neuen globale Regeln auch einigermaßen zur Sicherheit der Finanzwelt beiträgt?! Am wichtigsten ist für mich dass unser Geld hoffentlich besser geschützt wäre vor Bankenkrisen aber was weiss ich schon!

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  • Leander am 07.12.2017 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Dass diese Regulierungen von den Banken und deren Lobbyisten mitgeschrieben wurden ist bekannt. Das Volk wird weiterhin über den Tisch gezogen - denn das "Geld" auf unseren Konten ist weiterhin unsicher, solange es von Banken aus dem Nichts hergestellt wird. Und dadurch ist auch TooBigToFail immer noch ein Thema. Vollgeld würde all diesen Problemen einen Riegel schieben, und dass es funktioniert zeigt schon nur die Postfinance, die noch nie selber einen Franken hergestellt hat!

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  • Olaf Rustle am 08.12.2017 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig nutzlos

    Gier ist ein essenzieller Bestandteil der Menschheit und als solcher, kann kein Gesetz der Welt ihm Einhalt gebieten. Solange der Staat Geld ohne Gegenwert drucken kann, kann keine Bank der Welt das Maximum an Kriminalität erreichen. Und alle diese Regeln versiegen im Unwillen der Bevölkerung, die Banker sozial zur Rechenschaft zu ziehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • M.G. am 13.12.2017 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wir wollen alle immer mehr

    mehr Salär, mehr Konsum etc.. Dafür muss die Wirtschaft ständig neue Produkte entwickeln. Das kann nicht mehr mit dem Erlös aus dem Verkauf aktueller Produkte vorfinanziert werden. Deshalb wächst die Geldmenge analog zur Zunahme von Waren und Dienstleistungen die weltweit produziert bzw. geleistet werden. Deshalb besteht die Deckung einer Währung aus der Wirtschaftsleistung der Staaten welche diese Währung ausgeben. Das Problem dabei ist das ca. 1/3 aller Konsumgüter direkt für den Kehrricht produziert werden weil wir intakte Produkte für neue entsorgen. Hier werden die Werte verbrannt.

  • Eufemio Bernasconi am 10.12.2017 02:58 Report Diesen Beitrag melden

    Bammm

    ...und bis das alles 2027 umgesetzt ist hatten wir schon lange den nächten crash und alles ist eh obsolet..

  • Phillip am 10.12.2017 01:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Begreift es einmal!

    Ein noch schlimmerer Crash wird passieren, bis die Welt versteht dass Banken und Ratingagenturen zu viel Macht haben.

  • Patrick am 08.12.2017 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist einmal mehr Realsatire pur

    Das ist einmal mehr Realsatire pur. Die Eigenkapitalquote beträgt in der Schweiz immer noch 5% (14.3 % bei risikobehafteten Geschäften).[...] Banken nach den neuen Regeln im Schnitt 12,9 Prozent zusätzliches Kapital zurücklegen müssen." 5% mit 13% mehr. Das gibt ja satte "5.65%" (16.2% bei risikobehafteten Geschäften). Das sind ja fette Reserven die da angelegt werden. Aber Sie werden Basel III dazu verwenden um bei den Hypotheken noch mehr Druck aufzusetzen. Liebe Hausbesitzer, ihr dürft euch schon auf höhere Zinsen einstellen, das jedoch deutlich früher als im Jahr 2027.

  • Rolf am 08.12.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Regulierung zu Swiss U + C - Bank

    UBS + CS müssen sich zu einem CH-Nenner U + C finden / zusammenschliessen und zwar ohne Ausland-Chef-Präsidenten usw. und auch ohne EZB-Diktatur

    • Supermario am 08.12.2017 17:31 Report Diesen Beitrag melden

      Worte und Taten

      Dann schliess Dich doch dem Bohli an; mit Deinem persönlichen Kapitaleinsatz (es braucht dafür lediglich ca. 20 Mrd. oder so) gelingt es vielleicht?

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