Konsumentenschutz warnt

13. März 2012 17:12; Akt: 13.03.2012 17:13 Print

Kinder kriegen fast nur Fettiges und Süsses

von Sabina Sturzenegger - Die Nahrungsmittelindustrie verführt Kinder zu schlechter Ernährung und täuscht die Konsumenten. Die Ernährungspyramide steht Kopf. Dies sagt eine deutsche Studie.

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Kinder am Regal im Supermarkt: Die meisten Lebensmittel, die als kinderfreundlich angeschrieben sind, enthalten zuviel Fett und Zucker. (Bild: Keystone)

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Wer kennt sie noch, die Ernährungspyramide? Unten, an der Basis des Dreiecks, ist das Wasser angesiedelt. Davon soll man an einem Tag möglichst viel trinken. Darüber ist der Balken mit Obst und Gemüse und Getreide angebracht - davon darf man ebenfalls reichlich konsumieren. Dann kommen die Milch- und Fleischprodukte, die man mässig geniessen soll. An der Spitze des Bergs befinden sich Fette, Öle und Zucker. Diese soll man auf dem Speiseplan sparsam einsetzen.

Diese Pyramide steht inzwischen Kopf (siehe Bilder am Ende des Artikels), insbesondere dann, wenn es um die Ernährung von Kindern geht. Zu diesem Schluss kommt die deutsche Konsumentenorganisation Foodwatch in einer Studie, die sie am Dienstag veröffentlichte. Zuunterst, im Spitz des Dreiecks, befinden sich die wenigen gesunden Lebensmittel für Kinder, zuoberst die vielen ungesunden.

Unausgewogenes Angebot

So sieht denn auch das Angebot in den Supermärkten aus: Fettige, zuckerhaltige Lebensmittel stehen viel mehr in den Regalen als gesunde. Von 1500 untersuchten Kinder-Produkten seien fast drei Viertel «süsse und fettige Snacks», schreibt Foodwatch. Nicht selten sind diese noch speziell als kinderfreundlich angeschrieben und werden mit Comicfiguren, Spielzeugbeigaben und Gewinnspielen verkauft.

Das hat in erster Linie Folgen für unsere Kinder: Die Fruchtbonbons und Brotaufstriche, die Joghurts und Baby-Kekse machen sie «übergewichtig, adipös und zuckerkrank», wie es in der Studie heisst. Der Anteil übergewichtiger Kinder sei in Deutschland stark gestiegen, heute würden 15 Prozent der Kinder als zu dick, sechs Prozent sogar als fettleibig gelten.

Mit Obst kann man kein Geld verdienen

Schuld daran ist laut Foodwatch die Lebensmittelindustrie. Die Hersteller erzielten mit Obst und Gemüse Margen von weniger als fünf Prozent. Bei Süsswaren, Softdrinks und Snacks hingegen erreichten sie Umsatzrenditen von 15 Prozent und mehr, erklärte Foodwatch-Kampagnenleiterin Anne Markwardt in Berlin.

Es lohne sich ganz einfach nicht, gesunde Produkte ans Kind zu bringen. Das zeigten auch die Werbebudgets der Lebensmittelindustrie: Foodwatch zufolge lag jenes für Früchte und Gemüse im Jahr 2011 bei 7,3 Millionen Euro, der Topf für Schokolade, Süsswaren und Eiscrème war mit 722,8 Millionen Euro fast 100 Mal so gross.

Ähnliche Situation in der Schweiz

Die Studie wurde zwar in Deutschland durchgeführt – in der Schweiz dürfte die Situation aber ähnlich aussehen. Das bestätigen sowohl die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) als auch die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE). «Mich haben die Ergebnisse der Studie nicht erstaunt», sagt Josianne Walpen, Leiterin Ernährung und Landwirtschaft bei der SKS. Die Aussagen und Resultate des Berichts seien relevant und durchaus auf die Schweiz übertragbar, meint auch Steffi Schlüchter von der SGE. «Dass viele dieser Produkte nicht den Empfehlungen entsprechen, ist schon lange bekannt», ergänzt sie.

Auch in der Schweiz will man wissen, wie die Werbung Kinderlebensmittel anpreist, die nicht halten, was sie versprechen. Eine entsprechende Studie ist in Arbeit. «Wir sind zurzeit daran, die TV-Werbung, die speziell auf Kinder ausgerichtet ist, anzuschauen und auszuwerten», sagt Walpen. Ein Problem sei dabei auch das «Clean-Labeling»: «Vielfach steht darauf, dass die Hersteller auf Farbzusätze oder Konservierungsmittel verzichten. Stattdessen verstecken sich dahinter oft besonders fettige oder zuckerhaltige Produkte.»


(Quelle: Foodwatch)

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