Alternativenergie

15. März 2011 17:46; Akt: 15.03.2011 17:48 Print

Eine Schweiz ohne AKW ist möglich

von Sandro Spaeth - Die Katastrophe in Japan entwickelt sich für die Atombranche finanziell und imagemässig zum Gau. Die Kurse brechen ein. Profiteuere sind Wind- und Sonnenenergieanbieter.

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Alternativenergien erhalten wegen der Reaktorkatastrophe in Japan Rückenwind. (Bild: Keystone)

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Der drohende GAU in Japan sorgt für Turbulenzen an der Börse. Der Nikkei Index stürzte heute um über zwölf Prozent ab. Angst macht sich auch in der Schweiz breit. Nachdem die Aktien der AKW-Betreiber gestern abstürzte, setzte sich der Abwärtstrend heute fort. BKW tauchte um beinahe 9 Prozent, Alpiq um über 6 Prozent.

Starken Rückenwind verspüren hingegen die Anbieter von Alternativenergien: Ein Kursfeuerwerk legte der deutsche Windparkbauer Nordex hin: Die Aktie schoss gestern um 20 Prozent in die Höhe und legte heute weitere 9 Prozent zu. Steil aufwärts tendiert auch das Solar-Tech-Unternehmen Conergy: Der Akteinkurs schoss an der deutschen Börse Xetra um 98 Prozent in die Höhe.

Chance für Alternativenergien

In der Nuklearkatastrophe in Japan sehen Experten Chancen für Sonnen- und Windenergie: «Das Erdbeben hat die Probleme der Kernspaltung wieder ins Bewusstsein gerückt. Erneuerbare Energiequellen erhalten Rückenwind», sagt Rolf Wüstenhagen, Professor für Management erneuerbarer Energien an der Universität St. Gallen. Er verweist auf die Kursexplosionen von Solar-Aktien an den Börsen. «Ich denke da findet ein Umdenken statt», so der Professor.

Laut Wüstenhagen wird nun eine Neubewertung der Risiken von möglichen AKW-Störfällen stattfinden. «Das vorhandene Restrisiko ist 25 Jahre lang nicht eingetroffen. Nun erleben wir aber erneut einen schweren Störfall», so der Experte. Das Schadenspotential eines GAU in der Schweiz beträgt laut Schätzungen des Bundes 4300 Milliarden Franken. Folgeschäden einer AKW-Störung zu versichern würde den Atomstrom enorm verteuern. «Trifft ein Tsunami hingegen auf einen Windpark, ist der Schaden räumlich und zeitlich begrenzt», meint Wüstenhagen lapidar.

Ob der Störfall in Japan zum definitiven Durchbruch der Alternativenergien in der Schweiz führt, ist laut Wüstenhagen zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. Klar ist: «Die Bemühungen den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen, werden zunehmen.»

Schweiz könnte Atomstrom ersetzen

Für den Experten ist es klar, dass die Schweizer Atomkraftwerke, die derzeit für 40 Prozent der Stromproduktion verantwortlich sind, längerfristig durch erneuerbare Energie zu ersetzen wären. «Man müsste konsequent auf Wind- und Solarenergie sowie Biomasse und Geothermie setzen, und das vorhandenen Potenzial der Wasserkraft optimieren», erklärt der Professor.

Wie es geht belegt Deutschland in einer letzten Woche präsentierten Publikation des Sachverständigenrates für Umweltfragen. Demnach dürfte es unser nördlicher Nachbar schaffen, sich bis ins Jahr 2050 vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen, bei verstärken Investitionen sogar bis 2030.

Der durch die Investitionen ausgelöste Aufpreis beim Strompreis wäre zu verschmerzen: Zum Zeitpunkt der grössten Strompreisdifferenz im Jahr 2020 dürften die Mehrkosten pro Kilowattstunde lediglich 4-5 Rappen betragen. Das sind für einen durchschnittlichen Haushalt 10 bis 15 Franken pro Monat. Zum Vergleich: Für eine Hausratversicherung zahlt man 25 Franken pro Monat. Angesichts dieser geringen Kosten meint Wüstenhagen: «Wäre es nicht klug, einen halb so grossen Betrag in die Vorsorge vor Energierisiken zu investieren?»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arnold am 15.03.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativen gibts doch nicht

    Klar doch; Wenn in Basel die Erde mit Stärke 9 bebt und der Bodenseetsunami nach Mühleberg schwappt, haben wir ein echtes Problem. Aber in der Schweiz verbieten wir auch ziemlich konequenz jeden Einsatz von Alternativen zu Energiegewinnung; Solaranlagen passen nicht ins Ortsbild (Heimatschutz), und das Windrädchen auf dem Migrostower in Zürich passt unseren Politikern ja auch nicht. Die Vergrösserung unserer Staubecken wird durch den Naturschutz verhindert. In Basel nach Geowärme zu bohren wird auch gestoppt. Welche Alternative gibt es denn sonst noch?

  • Marc am 15.03.2011 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Sinneswandel

    Also, ich frage mich manchmal schon wie sich Leute infolge eines Ereignisses, in ihrer Meinung, so beeinflussen lassen! Gestern dafür, heute dagegen! Und auf's Mal sind alle Experten! 3 Dinge sind jedenfalls sicher 1. Es kann immer was passieren 2. Der Mensch will möglichst viel für möglichst wenig 3. Morgen kräht kein Hahn mehr danach was heute ist - Also, hört auf herumzuheulen und ändert Euch selbst!

  • Roman am 15.03.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Strudelkraftwerke

    Im Aargau steht ein Strudelkraftwerk am Rande eines kleinen Flusses, dieses Ding kostet gerade einmal CHF 100 000.- und liefert Saft für ca 15 bis 20 Haushalte, dies die ganze Zeit! Wieso baut man nicht mehr solcher Anlagen? Zudem sind Fisch und Natur nicht gefährdet oder eingeschränkt! Hoffe die AKWs verschwinden, denn meine Tochter soll auch noch die schöne Schweiz von heute geniessen können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Diego Freyler am 26.03.2011 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Totaler schwachsinn

    Wunderbar wie die Politik wieder oppurtunistisch das thema aufgreift und die Presse panik macht! Die alternative zum Atomstrom ist, das wir wieder auf offenen Feuerstellen kochen! Der durschnittswert/ Anno ist 40% Atomkraft, zu spitzenzeiten sind es aber 70%, das muss man sich mal vor augen führen! Dazu kommt das ohne die AKWs' die Stromnetze einfach zusammenbrechen würden, sie sind so oder so essentiel für die Stromvollversorgung! Aber die Grünen freuts! Jetzt können sie dann bald mit erlaubnis des Volkes die Wirtschaft zestören! Hört endlich auf zu träumen und bleibt realistisch!

  • Boit am 23.03.2011 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Strom ohne Atom - Das schaffen wir!

    Die Schweiz hat bereits mit der Neat bewiesen, dass sie längerfristige Projekte gezielt und hartnäckig verfolgen kann. Natürlich reden wir nicht von einem Wandel innerhalb von 5 Jahren. 20 - 50 Jahre müssen als Grössen schon akzeptiert werden. Neuseeland macht es vor: Wasser- Gas und Geothermie decken schon 90 % des Verbrauchs. Nur 7% sind Kohlekraftwerke. Unterstützen wir eine solche Energeipolitik auch in der Schweiz - und wir können es noch besser!

    • Bürger am 24.03.2011 21:38 Report Diesen Beitrag melden

      Realistisch bleiben

      Ja da haben sie recht doch bedenken sie Neuseeland hat 1/2 weniger Einwohner als die Schweiz, weniger Industrie und massiv weniger Zuwanderung dank vernüntiger Politik!! Neben Österreich hat z.bsp auch keine AKW's!!!! mal eines Gebaut aber nie inbetrieb gesetzt!!!!

    • Kritiker am 24.03.2011 22:05 Report Diesen Beitrag melden

      Zivilisation hat seinen Preis

      Stimmt nicht ganz, 75 Prozent erneuerbare Energien wovon Wasserkraft alleine 67 Prozent der Stromgewinnung aus macht, die restlichen 8 Prozent kommen von Geothermiekraftwerken, ABER etwa 25 Prozent werden aus Erdgas , Kohle oder Grubengas gewonnen was meiner meinung nach fossiler Brennstoff ist und darum auch CO2 ausstösst!!!

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  • C. I. am 22.03.2011 02:26 Report Diesen Beitrag melden

    Reiner Oppurtinismus und Polemik

    Da die Schweiz keine Überkapazität hat und schon 55% Alternativen, davon 54% Wasserkraft ist es wohl kaum möglich innerhalb der nächsten 5 Jahre oder in kürzerer Zeit überhaupt nur ein einziges AKW zu ersetzen. Ich würde deshalb die oppurtinistischen und auf Polemik basierenden Parteien darum bitten mit machbarer und umsetzbarer Sachpolitik zu politisieren und nicht einfach nur mit Zukunftsmusik Stimmung zu machen, die nicht mal gehör findet, weil die Musik noch nicht spielen kann, weil die Instrumente dazu fehlen und zuerst mal erfunden werden müssen.

  • Karl Schweizer am 18.03.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt bekämpfen

    Vor über 30 Jahren haben wir gegen das AKW Kaiseraugst demonstriert. (mit Erfolg). Aber anscheinend verstehen gewisse Menschen noch immer nicht um welche Gefahr es sich handelt. 1.) Abfallproblematik 2.) Nutzungssicherheit. Sollen doch mal alle Befürworter nach Japan aufräumen.

  • M. Wilder am 18.03.2011 00:47 Report Diesen Beitrag melden

    Strahlungsfreie Kernkraftwerke!

    Eine Erfindung könnte die Gefährlichkeit von Kernkraftwerken entschärfen! Therm. Reaktor über eine Nickel - Wasserstoffhydrierung Prof. Levi, Dr. Bianchini and Prof. Villa reports Experten sollten sich diese Entdeckung unbedingt mal vor Ort ansehen, auch zum Wohle unserer Nachkommen!