Altersvorsorge

19. Juni 2012 15:12; Akt: 19.06.2012 15:12 Print

2. Säule muss transparenter werden

Die Finanzanbieter müssen ihre Pensionskassen-Produkte verständlicher gestalten. Tun sie das nicht, kann die Oberaufsicht diese Produkte abqualifizieren.

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Die Grundlagen für mehr Transparenz sollen die Produktanbieter schaffen. (Bild: colourbox.com)

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Seit Anfang Jahr wacht in der Schweiz eine unabhängige Oberaufsichtskommission (OAK) über die berufliche Vorsorge (BV). Die Behörde hat am Dienstag erste Entscheide bekanntgegeben.

Die Pensionskassen müssen bei den Verwaltungs- und Vermögensverwaltungskosten für mehr Transparenz sorgen. Heute sind in den Betriebsrechnungen der Vorsorgeeinrichtungen nicht alle Vermögensverwaltungskosten ausgewiesen. Nur direkte Kosten sind ersichtlich, etwa Gebühren beim Kauf von Wertschriften.

Indirekte Kosten nicht ersichtlich

Nicht ersichtlich sind jedoch indirekte Kosten, die etwa im Rahmen einer kollektiven Anlage - etwa eines Fonds - anfallen. Diese sollen nun künftig im Anhang zur Jahresrechnung separat dargestellt werden, wie der Direktor der OAK, Manfred Hüsler, vor den Medien sagte.

Die Grundlagen für mehr Transparenz sollen dabei die Produktanbieter schaffen. Weisen sie die Kosten nicht aus, soll die Kommission das Produkt als intransparent qualifizieren können.

Einheitliche Aufsicht steht im Vordergrund

Laut Häusler will die Kommission vor allem für eine einheitliche Aufsicht zu sorgen, die sich an den Risiken orientiert. Die OAK kann dabei den kantonalen und regionalen Aufsichtsbehörden im Notfall Weisungen erteilen.

In der Regel wird sie aber das Gespräch suchen, wie Präsident Pierre Triponez deutlich machte. Dies tat die Oberaufsicht in den ersten sechs Monaten ihrer Tätigkeit im Zusammenhang mit der Frage der Minder- und Nullverzinsung der überobligatorischen Pensionskassengelder.

Nullzins auch bei 100 Prozent Deckungsgrad möglich

Demnach ist es Vorsorgeeinrichtungen auch bei einem Deckungsgrad von mehr als 100 Prozent erlaubt, auf den Altersguthaben einen Satz unterhalb des BVG-Minimalzinses zu verrechnen. Voraussetzung ist aber, dass der Minimalsatz auf dem obligatorischen Teil gewährt wird.

Nötig wurde der Entscheid, weil es zwischen gewissen regionalen Aufsichtsbehörden und den Pensionskassenvertretern - vor allem in Zürich - unterschiedliche Auffassungen darüber gab, wie viel Handlungsspielraum die Pensionskassen in der Frage haben.

Faktenbasis verbessern

Neben der Vereinheitlichung der Aufsicht und der Durchsetzung einer transparenten und glaubwürdigen Geschäftsführung verfolgt die OAK laut Hüsler und Triponez auch das Ziel, sich als eigenständiger Akteur in der beruflichen Vorsorge zu etablieren. Insbesondere will sie die Faktenbasis für Entscheide verbessern.

Damit Kennzahlen zur finanziellen Lage der Vorsorgeeinrichtungen künftig rascher zur Verfügung stehen, ist die OAK daran, neue Instrumente zu entwickeln. Sie hofft, dazu bereits im nächsten Jahr Resultate zu präsentieren.

Die Gründung der OAK geht auf den Entscheid von Bundesrat und Parlament zurück, die Oberaufsicht über die zweite Säule einer unabhängigen Behördenkommission zu übertragen. Bislang war das Bundesamt für sozialversicherung zuständig gewesen. Ziel ist es, die Aufsicht über die Pensionskassen zu verstärken.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Emil S. am 19.06.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenter?

    Rückentwickeln und fallen lassen wäre besser. Dann hätte wenigstens diese Abzockerei und Profitgier ein Ende.

  • Petra Studer am 19.06.2012 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Transparenz ermöglicht Kontrolle

    Die Pensionskassen verwalten die obligatorischen Alterssparguthaben der Bürger und sollten deshalb ebenfalls offenlegen müssen wie und in was für Titel diese Gelder investiert sind, damit die man sieht, ob riskante Anlagen getätigt werden oder Unternehmen bevorzugt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Emil S. am 19.06.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenter?

    Rückentwickeln und fallen lassen wäre besser. Dann hätte wenigstens diese Abzockerei und Profitgier ein Ende.

  • Petra Studer am 19.06.2012 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Transparenz ermöglicht Kontrolle

    Die Pensionskassen verwalten die obligatorischen Alterssparguthaben der Bürger und sollten deshalb ebenfalls offenlegen müssen wie und in was für Titel diese Gelder investiert sind, damit die man sieht, ob riskante Anlagen getätigt werden oder Unternehmen bevorzugt werden.