Prestige-Firmen

23. März 2017 10:23; Akt: 23.03.2017 13:05 Print

China greift nach Schweizer Uhrenmarken

von P. Michel - An der Uhrenmesse Baselworld rückt sich die Schweizer Uhrenindustrie ins beste Licht. Auch chinesische Investoren dürften genau hinschauen.

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Alpina, Eterna, oder La Joux-Perret: Auf den ersten Blick sind dies traditionsreiche Schweizer Uhrenhersteller, die ab Donnerstag an der Uhrenmesse Baselworld ihre Produkte präsentieren.

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Der Bieler Uhrenhersteller Alpina etwa wurde 1883 gegründet, Eterna 1856 in Grenchen. Doch längst befindet sich nicht jeder Schweizer Uhrenhersteller, der sich wie Eterna «die Pflege der langen Tradition der Schweizer Uhrmacherkunst sowie überragenden Innovationsgeist» auf die Fahne schreibt, noch fest in Schweizer Hand.

Alpina beispielsweise wurde letztes Jahr – wie bereits La Joux-Perret zuvor – von der japanischen Citizen Trading aufgekauft. Der Konzern beschäftigt weltweit über 19'000 Mitarbeiter und hält auch Anteile an Unternehmen in den Bereichen Industriemaschinen, Medizintechnik oder Sensoren.

Asiaten und Franzosen zielen auf hiesige Uhrenfirmen

Die Solothurner Uhrenmanufaktur Eterna wiederum gehört der chinesischen Haidian Holding, die nicht nur in Uhren, sondern auch in Immobilien investiert. Die chinesischen Investoren hatten sich 2013 auch die Marke Corum einverleibt. Weitere Schweizer Uhrenhersteller in ausländischer Hand sind Hublot und TAG Heuer, die dem französischen Luxuskonzern LVMH gehören. Oder die Firma Zodiac, deren Hauptaktionär der amerikanische Lifestyle-Konzern Fossil Inc. ist.

Die Geldgeber aus dem asiatischen Raum strecken ihre Fühler weiter nach den Perlen der Schweizer Uhrmacherkunst aus. Die japanische Citizen Trading etwa schliesst weitere Zukäufe in der Schweiz nicht aus. Mit einem jährlichen Umsatz von zwei Milliarden Franken hätte sie das nötige Kapital dazu.

Prestige lockt asiatische Investoren

Mit weiteren Übernahmen rechnet auch Analyst Jules Boudrand vom Beratungsunternehmen Deloitte: «Die chinesische Haidian Holding beispielsweise hat angekündigt, ihr Portfolio vergrössern zu wollen.» In einer Studie von Deloitte erklärte der Geschäftsführer der Uhrenabteilung von Haidian, dass es das Ziel sei, zehn Schweizer Uhrenmarken zu besitzen – bisher sind es erst zwei.

Laut Boudrand ist besonders das Prestige, für das die Schweizer Uhren in der Welt bekannt sind, ein Kaufargument. Zudem versuchten die Investoren, die zugekauften Produkte in ihr bestehendes Verkaufsnetzwerk in Asien zu integrieren und Synergien zu nutzen.

Die asiatischen Investoren könnten es etwa auf den Hersteller von legendären Pilotenuhren abgesehen haben: die Grenchner Firma Breitling. Auch die Schweizer Luxus-Uhrenmanufaktur Maurice Lacroix steht seit 2015 zum Verkauf. Bisher hat jedoch noch kein Käufer angebissen. «Maurice Lacroix ist wertvoll und werthaltig und wird nicht unter Wert veräussert», erklärt Sprecher Dominique Nadelhofer.

«Herkunft des Geldes ist nicht entscheidend»

Dass die Schweizer Uhrmanufakturen bei ausländischen Investoren beliebt sind, ist für den Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie kein Problem. «Solange die ausländischen Geldgeber sich langfristig engagieren und in Schweizer Arbeitsplätze und Technologie investieren, ist die Herkunft des Geldes nicht entscheidend», sagt Präsident Jean-Daniel Pasche.

Natürlich begrüsse man es, wenn sich auch Schweizer Investoren für die hiesigen Uhrenfirmen interessierten. «Das Label Swiss made in der Uhrenproduktion scheint derzeit aber besonders bei ausländischen Investoren attraktiv zu sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • faton am 23.03.2017 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht..

    Schweizeruhren bitte in der schöner Schweiz herstellen, danke.

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  • uhren fan am 23.03.2017 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    ich kaufe viel uhren

    muss ich jetzt neuerdings noch nachfragen oder nachlesen ob ich wirklich eine edle schweizermarke überhaupt noch schweizerisch ist, ich kaufe sicher keine schweizer luxusgüter die chinesen beteiligungen haben, soweit kommts noch!

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  • Helvetier am 23.03.2017 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gots no, nie und nimmer

    Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Made in China trage ich bestimmt nie an meinem Handgelenk.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Verfasser am 24.03.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausverkauf Schweiz

    Verkauft alles. Dann haben wir endlich Ruhe und keine Arbeit mehr. Die Regierung könnt ihr auch haben zum Schnäppchenpreis.

  • Fraz am 23.03.2017 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts?

    "Die Schweiz" kann ja auch nicht genug davon kriegen alles an die Asiaten zu verscherbeln. Da muss man sich doch nicht wundern oder? Ein Schuss ins eigene Knie.

    • Erode Terribile am 23.03.2017 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fraz

      war doch mit allen Firmen so. Eifach wieder schnelles Geld machen und dann Jahre später jammern wie schlecht es geht.

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  • Inovator am 23.03.2017 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    "Chlapf an Grind" vom Präsidenten

    Die Ansage von Hr. Daniel Pasche, Präsi des Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie ist wie ein "Chlapf an den Grind" an alle Mitarbeiter der von Chinesen kaputt gemachten Uhrenmarken/Uhrenfirmen und deren einheimischen Zulieferanten... Eterna (Citychamp China) hat Betreibungen und bezahlt die Rg in 2 Monaten (NZZ). Citychamp gehört auch CORUM und reduziert Arbeitsplätze. Die Zukunft von Jean d'Eve wird im Wochen Takt neu evaluiert. Der Uhrwerkhersteller Technotime gehört Chinesen und steht grad zum Verkauf. VULCAIN gehört Saudis und ist am Ausbluten... Geld ist nicht Uhrenerfolg. Merci.

  • gugs am 23.03.2017 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wann werden

    wir Helvetier an die Asiaten verscherbelt. Vor allem an welche JPN oder Chinesen, Thailänder oder Vietnamesen.

  • Martin S. am 23.03.2017 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausverkauf der Heimat

    Ausverkauf der Heimat. Gekauft von Staatsfonds mit unendlichen Ressourcen. Wann handelt die WTO und verbietet solche Käufe. Freihandel etc. ja, aber bitte mit gleich langen Spiessen! Das ist etwa so, wie ich mein Herz verkaufen würde.