Armut

23. Oktober 2012 12:28; Akt: 23.10.2012 15:09 Print

Zahl der Working Poor ist deutlich gesunken

Die Armut unter den Erwerbstätigen ist in der Schweiz innerhalb von zwei Jahren von 5,2 auf 3,5 Prozent zurückgegangen. Bei Alleinerziehenden liegt die Armutsquote allerdings bei 20 Prozent.

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Einkaufen im Caritas-Laden in Bern.

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Rund 120 000 Personen, die einer Arbeit nachgingen, haben 2010 unter der Armutsgrenze gelebt. Das sind deutlich weniger als zwei Jahre zuvor, als noch 180 000 Erwerbstätige arm waren. Die Armutsquote unter den Erwerbstätigen sank von 5,2 auf 3,5 Prozent.

Der Rückgang der Armutsquote unter der Erwerbsbevölkerung lässt sich mit der rückläufigen Arbeitslosigkeit erklären, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag in einem Bericht schreibt. Die Arbeitslosenquote sank zwischen 2006 und 2008 von 3,3 auf 2,6 Prozent. Die Armutsquote folgt dieser Entwicklung jeweils mit einer Verzögerung.

Armutsgrenze 2250 Franken pro Monat

Wer arbeitet und es mit dem Einkommen aus dieser Arbeit trotzdem nicht über die Armutsgrenze schafft, wird als «Working Poor» bezeichnet. Das BFS spricht jedoch wegen einer angepassten Definition von «erwerbstätigen Armen».

Als Armutsgrenze gilt nach der Definition des BFS für das Jahr 2010 ein Einkommen von 2250 Franken pro Monat für eine Einzelperson und 4000 Franken für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren.

Jede fünfte Einelternfamilie arm

Am häufigsten von Armut betroffen sind Alleinerziehende mit einem oder mehreren Kindern. Bei ihnen liegt die Armutsquote bei 19,9 Prozent: Jede fünfte solche Familie lebt damit unter der Armutsgrenze.

Personen in Haushalten mit einem Erwerbstätigen (7,3 Prozent), alleinlebende Erwerbstätige (6,7 Prozent), Erwerbstätige ohne nachobligatorische Schulbildung (6,7 Prozent) sowie Frauen (4,8 Prozent) sind ebenfalls überdurchschnittlich oft arm. Leben zwei Erwerbstätige in einem Haushalt, liegt die Quote bei 1,4 Prozent.

Je nach Arbeitssituation kann die Armutsquote auch deutlich über dem Durchschnitt liegen. Selbstständige ohne Angestellte sind beispielsweise zu 9,9 Prozent von Armut betroffen. Ebenfalls relativ hoch liegt die Quote bei Personen, die in privaten Haushalten (8,3 Prozent) oder im Gastgewerbe (7,7 Prozent) tätig sind.

Bei den Personen, die nur einen Teil des Jahres erwerbstätig oder die Teilzeit angestellt sind, liegt die Quote mit 7,4 respektive 5,2 Prozent ebenfalls über dem Durchschnitt.

Weniger weit von Grenze entfernt

Ebenfalls zurückgegangenen ist die mediane Armutslücke. Die Armutslücke zeigt an, wie weit arme Personen und Haushalte von der Armutsgrenze entfernt sind. Der Median-Wert sank zwischen 2008 und 2010 von 31,6 auf 18,9 Prozent. Das bedeutet, dass die Hälfte der armen Haushalte mit ihrem Einkommen rund einen Fünftel unter der Armutsgrenze liegt.

Für den Vergleich mit den EU-Staaten zieht das BFS die sogenannte Armutsgefährdungsquote heran, welche die Armut im Verhältnis zum üblichen Einkommensniveau definiert. Wegen der höheren Löhne in der Schweiz gelten damit mehr Leute als arm. Nach diesen Zahlen sind in der Schweiz zwar weniger Menschen arm als im EU-Durchschnitt; in den Nachbarländern liegt die Quote jedoch durchwegs tiefer.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Würde man weniger sparen (müssen) und würde man die Tieflöhne heben, dann würde auch mehr konsummiert und der Wirtschaft ginge es besser - dann könnte man auch mehr Leute einstellen. Aber das ist nicht wichtig - wichtig ist leider einzig und allein, dass einige Wenige sich in kurzer Zeit den Hals voll Geld stopfen können, auf Kosten Angestellten und der Gesammtwirtschaft. Firma A entlässt Leute um "Kosten zu senken"; diese können bei B nicht mehr einkaufen. B hat weniger Gewinn und entlässt darum Leute, die wiederum bei A nicht mehr einkaufen können. Die Spirale ist am Laufen. – Heliamphora

Die neusten Leser-Kommentare

  • 807687 am 24.10.2012 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    bescheidenheit ist eine Zier...

    ich gehöre auch zu den Armen, mit 2250.-- aber kann man gut leben: Dach über dem Kopf, billiges 9h-Pass-Abo, kein Auto, kein Fernseher/Radio, kein internetfähiges Handy, billige und bescheidene Whg, billigste Krankenkasse, Tischlein deck dich und Aldi. Hobbies, die kein Geld kosten. Wir leben zu zweit von 2250.--/Monat und schaffen es erst noch, mit gemeinnütziger Arbeit anderen Menschen wohl zu tun. Ich habe ein eigenes Geschäft,klein aber fein.Ressourcenschonend, eine WinWin-Situation für mich und die Kundschaft. Ich lebe von den Früchten meiner ehrlichen Handarbeit. Das macht zufrieden.

  • Heliamphora am 24.10.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Die Gier macht's vor

    Würde man weniger sparen (müssen) und würde man die Tieflöhne heben, dann würde auch mehr konsummiert und der Wirtschaft ginge es besser - dann könnte man auch mehr Leute einstellen. Aber das ist nicht wichtig - wichtig ist leider einzig und allein, dass einige Wenige sich in kurzer Zeit den Hals voll Geld stopfen können, auf Kosten Angestellten und der Gesammtwirtschaft. Firma A entlässt Leute um "Kosten zu senken"; diese können bei B nicht mehr einkaufen. B hat weniger Gewinn und entlässt darum Leute, die wiederum bei A nicht mehr einkaufen können. Die Spirale ist am Laufen.

  • Markus Meier am 23.10.2012 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die arme CH

    Hab meine Patenschaft bei world vision gekündigt. Ich unterstütze jetzt lieber schweizer Kinder, denn hier ist die Situation im Bezug auf Armut offensichtlich viel schlimmer als anderswo.

  • Peter am 23.10.2012 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache...

    die Schuld immer bei den anderen suchen. Nur ein klein wenig Wille und etwas Anstrengung reichen um nicht in Armut zu leben.

  • soso am 23.10.2012 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    kokolores

    Wohlweisslich hat man die suchende Kathegorie vergessen,welche gut ausgebildet, aber aufgrund des Alters nichts mehr kriegen, wodurch dann der Gang zum Sozialamt unvermeidbar und vorprogrammiert ist!Korrektheitshalber sollte man dies auch noch erwähnen!Von einem Lohn von CHF 2'250 netto kann ich nur träumen!