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09. Oktober 2012 07:23; Akt: 09.10.2012 14:16 Print

Julius Bär streicht 1000 Stellen

Kahlschlag nach Merrill-Lynch-Übernahme: Die Bank Julius Bär will gegen 1000 Stellen abbauen. Das entspricht rund 15 bis 18 Prozent der Arbeitsplätze.

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Hire and fire bei den Schweizer Banken? In den vergangenen 15 Jahren haben die Institute immer wieder Stellen abgebaut. Die grössten Stellenstreich-Runden in einer Übersicht. Kahlschlag bei der Credit Suisse: In der Schweiz streicht CS-Boss Brady Dougan 300 Stellen, weil die personalintensive Betreuung von Kleinkunden und die Vermögensverwaltung für Wohlhabende zusammengefasst werden. Kahlschlag bei der Schweizer Privatbank Julius Bär. Wegen der geplanten Übernahme des Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch ausserhalb der USA will CEO Boris Collardi 15 bis 18 Prozent der Stellen abbauen. Das entspricht 850 bis 1030 Jobs. hat die UBS die Streichung von rund 7200 Jobs bekannt gegeben. Die Credit Suisse gab im selben Zeitraum den Abbau von rund 2000 Jobs bekannt. Laut dem Bundesamt für Statistik wies der Schweizer Bankensaktor Ende 2011 die Zahl von 124 400 Vollzeitstellen aus. Den Rekorstand erreichte die Branche nach dem 3. Quartal 2011 mit 125 000 Jobs. Zum Vergelich: 10 Jahren zuvor waren es 117 100 Stellen. machte den Banken die Schuldenprobleme in der EU und in den USA zu schaffen. Die UBS gibt bekannt, in der Schweiz 400 Stellen abzubauen. Kurz zuvor hat Konkurrentin Credit Suisse gemeldet, hierzulande 500 Arbeitsplätze abzubauen. Beim Eurogipfel wird ein Rettungsschirm beschlossen. Während die krisengeschüttelte UBS ihren Mitarbeiterbestand von 65 233 auf 64 617 reduziert, baut die CS trotz Staatsschuldenkrise und Euro-Rettungsschirm ihren Personalbestand von 47 600 auf 50100 weltweit aus. Die Pleite der Lehman Brothers erschüttert das Finanzsystem. Die UBS streicht nach den Milliardenverlusten in der Finanzkrise vor allem im Investment Banking 8700 Stellen weltweit. 2500 Mitarbeitende in der Schweiz sind betroffen. Ebenfalls als Folge der Finanzkrise baut die CS 5300 Stellen weltweit ab, davon 650 in der Schweiz. Nach dem Abgang von CEO Peter Wuffli jubeln die UBS-Investmentbanker in den USA. Marcel Ospel kündigt sogar eine neue Offensive in Amerika an: Höhere Risikobereitschaft, um den Anschluss nicht zu verpassen. Ein Fehlgriff: 2007/08 muss die Bank 6100 Stellen im Investment Banking weltweit streichen. (Im Bild: Unterzeichnung des Steuer-Vertrags zwischen der Schweiz und den USA) Die CS nimmt Abschied von der gescheiterten Universalbank-Strategie. Sie verkauft den Traditionsversicherer Winterthur an den französischen Konzern Axa. Mit einem Schlag nimmt die Zahl der Beschäftigten bei der CS von 63 523 auf 44 871 ab. Ein grosser Tsunami erschüttert die Welt, ein kleiner die Grossbank UBS: Um Kosten zu sparen und in Asien zu wachsen, müssen 400 Stellen in der Schweiz gestrichen werden. Nach einem Rekordverlust von 3,3 Milliarden Franken für das Geschäftsjahr 2002 muss das Duo Oswald Grübel (CEO Credit Suisse Financial Services CSFS) und John Mack (CEO Credit Suisse First Boston CSFB) die Bank wieder auf Vordermann bringen. Bei CSFS verschwinden 1250 Arbeitsplätze, davon mehr als 350 in der Schweiz. Auch Konkurrentin UBS streicht 800 Stellen in der Schweiz. Die CS verlagert Wertschriften- und Treasury-Transaktionen nach London. Die Folge: 300 Stellen weniger in der Schweiz. Unbemerkt von der Öffentlichkeit findet ein weiterer Stellenabbau von 22 Prozent statt. Die Belegschaft der CS schrumpft von 78 457 auf 60 837 weltweit. In der Schweiz sinkt die Zahl der Bankangestellten von 21 270 auf 19 661. Auch die UBS baut 1000 Stellen in der Schweiz ab. Die CSFB streicht nach Turbulenzen um ungedeckte Swissair-Kredite und Verluste bei CSFB sowie einem schwächeren Versicherungsgeschäft weltweit 2500 Stellen. Auch die UBS baut 600 Stellen ab. Im Millenium knallen bei 900 UBS-Mitarbeitenden die Korken nicht. Ihre Stellen werden abgebaut. Nichtsdestotrotz steigt die Zahl der UBS-Mitarbeitenden im Geschäftsjahr 2000 um 45 Prozent auf 71 076. Dies wegen der Übernahme des US-Brokers Paine Webber. Die beiden Traditionsbanken Bankgesellschaft und der Bankverein fusionieren. Die neue Bank startet mit 7000 Angestellten weniger. Das neue Konglomerat beschäftigt 55 176 Angestellte weltweit, davon 36 638 in der Schweiz. Konkurrentin CS streicht derweil 700 Stellen bei CSFB in der Schweiz. Im Jahr von Klonschaf Dollys Geburt entschliesst sich die CS zu einer Neuorganisation. 3500 Arbeitsplätze in der Schweiz fallen der Optimierung zum Opfer.

Boris Collardi, CEO der Traditionsbank, möchte nach dem Merrill-Lynch-Deal bis zu 18 Prozent der Stellen abbauen.

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Die Bank Julius Bär startet wegen der geplanten Übernahme des Vermögensverwaltungsgeschäfts ausserhalb der USA von Merrill Lynch einen Stellenabbau. Von den rund 5700 Arbeitsplätzen beider Institute sollen 15 bis 18 Prozent gestrichen werden.

Dies entspricht rund 850 bis 1030 Stellen, wie aus der Mitteilung von Julius Bär vom Dienstag hervorgeht. Welche der über 50 Standorte wie vom Abbau betroffen sein werden, wurde zunächst nicht bekannt.

Ein Sprecher von Julius Bär verwies auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA darauf, dass die Akquisition vor allem ausserhalb der Schweiz erfolge. Anpassungen seien vor allem dort geplant, wo Überlappungen bestehen. In der Schweiz verfüge Merrill Lynch nur in Genf über einen Standort, der rund 220 Angestellte zähle. «Viele Funktionen werden von Genf nach Zürich verlegt beziehungsweise zusammengelegt», sagte Collardi Ende August in einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

Konzernchef Boris Collardi hatte bereits im August bei Ankündigung der Übernahme darauf hingewiesen, dass Überlappungen an 12 Standorten entstünden. Konkret sind das Genf, Paris, London, Mailand, Monaco, Grand Cayman, Santiago de Chile, Montevideo, Tel Aviv, Dubai, Singapur und Hongkong.

Ziel: Schwarze Zahlen bei Merrill Lynch

Ziel sei es, das bislang unrentable Vermögensverwaltungsgeschäft ausserhalb der USA von Merrill Lynch in die schwarzen Zahlen zu führen. Dazu sollen insbesondere die allgemeinen Unternehmenskosten gedrückt und Back-Office-Funktionen gestrichen werden, um Skaleneffekte nutzen zu können.

Bis 2015 soll das transferierte Geschäft auf ein Verhältnis von Kosten zu Einnahmen (Cost/Income Ratio) von rund 70 Prozent kommen. Die Transaktion soll sich im Jahr 2014 zumindest neutral auf den Gewinn von Julius Bär pro Aktie auswirken und für 2015 einen Zuwachs von 15 Prozent bringen.

Julius Bär hatte die Übernahme zum Preis von bis zu 860 Mio. Fr. Mitte August angekündigt. Von der US-Bank will Julius Bär bis zu 72 Mrd. Fr. Kundenvermögen dazukaufen. Am Montag hatte die Bank bekannt gegeben, dass sie 20,3 Millionen neuer Aktien ausgeben wird. Julius Bär bietet den bisherigen Aktionären 3 neue für 29 bestehende Aktien. Der Preis für die neuen Aktien beträgt 24.20 Franken.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Kritiker am 10.10.2012 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Collardi wäre dumm

    wenn er die Amis den Schweizern vorziehen würde. Wohin uns die Ami-Banker getrieben haben, können wir an den letzten Finanz- und Wirtschaftskrisen sehen. V. a. im Private Banking haben Schweizer ein vollständig anderes Verständnis von Privatsphäre, Diskretion und Kundendienst. Während beim US-WM die W-Manager stark nach Provisionen entlöhnt werden, ist dies im CH-PB anders, womit der Kunde betreffend Risiken besser geschützt wird.

    • Supermario am 12.10.2012 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, aber noch was kleines dazu

      Die Frage ist dann einfach, ob die US-Kunden mit Renditen von 1, 2 oder wenns gut geht 3% zufrieden sind? Meines Wissens war es bis vor 4 Jahren "state of the art" im US-VV-Geschäft mehr oder weniger 10% Jahresrendite zu fordern; ansonsten man als Nichtskönner abgestempelt wurde. Zum Glück hat der Madoff aufgezeigt, dass auch nicht alles Gold ist, was glänzt.

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  • Guido T. am 10.10.2012 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig egal

    Völlig egal ob Schweizer oder Amerikaner entlassen werden. Collardi wird dort Leute entlassen, wo es sie nicht braucht. Wenn es in der Schweiz ist, wird er keine Rücksicht nehmen. Der Profit steht klar im Vordergrund.

    • Supermario am 12.10.2012 09:53 Report Diesen Beitrag melden

      Part of the game

      Ja und, Banken sind nun keine "Non-Profit"-Organisationen. Die gibts mehrheitlich eher staatsnahe!

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  • Stefan P. am 10.10.2012 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Invasion der Angelsachsen

    Aus irgendwelchen Gründen setzen sich leider immer die Angelsachsen durch. Der Beweis, dass man mit viel heisser Luft im Leben weiterkommt, während die stillen und arbeitsamen Schweizer verlieren.

  • Maria Garcia am 10.10.2012 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    An alle die jetzt motzen!

    Nach 2008 war der Aufschrei riesig! Banken sollen kleiner werden, TBTF-Problematik, mehr Eigenkaptial halten müssen und bitte mit mehr und strengeren Regulatorien "beglückt" werden. Auch keine unversteuerten Gelder sollen auf Schweizer Banken liegen (lieber alles in an anderen Orten). Das führt nun dazu, dass sich Banking massiv verteuert hat, die Margen sanken und um überleben zu könnnen müssen die Firmen fusionieren und verschlankt werden. Das wurde von vielen so gewünscht, nun fängt es an einzutreffen. Der Aufschrei ist heuchlerisch.

    • nobion am 10.10.2012 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Danke für diesen sehr guten Kommentar!

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  • Anton Keller am 10.10.2012 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    weniger Schweizer

    Es werden weniger Schweizer entlassen, als wenn die Übernahme nicht stattgefunden hätte. Das höhere Volumen liefert Deckungsbeiträge an die Supportabteilungenm in der Schweiz.