Krankenkasse

02. Oktober 2011 21:32; Akt: 03.10.2011 10:40 Print

Brauche ich eine Zusatz-Versicherung?

von Elisabeth Rizzi - Die Grundversicherung deckt die wichtigsten Leistungen im Gesundheitswesen. Doch wie sieht es mit Zusatzversicherungen aus? Welche braucht es? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

storybild

Wer eine Zusatzversicherung abschliesst, erhält eine bevorzugte Behandlung. Allerdings sind Zusatzversicherungen voller Tücken. (Bild: Keystone)

Fehler gesehen?

Immer im Herbst können viele Schweizerinnen und Schweizer sparen; dann nämlich, wenn sie sich für einen Krankenkassen-Wechsel bei der Grundversicherung entscheiden. Denn die Leistungen sind bei allen Versicherern gleich. Nur die Prämienhöhe ist unterschiedlich.

Schwieriger ist der Entscheid bei Zusatzversicherungen. Braucht es überhaupt eine? Und wenn ja; welche? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist der Unterschied zwischen Grund- und Zusatzversicherung?
Die Grundversicherung deckt obligatorisch die grundlegende medizinische Versorgung. Sie gewährt den Zugang aller Versicherten zu gleichen Leistungen. Zusatzversicherungen decken Leistungen ab, die nicht im Leistungskatalog der Grundversicherung eingeschlossen sind. Die Versicherer sind frei, aufzunehmen wen sie wollen. Und sie können eine Gesundheitsprüfung verlangen. Die Prämien variieren je nach Alter, Geschlecht und Region. Je nach Versicherung kann die Kündigungsfrist bis sechs Monate betragen.

Welche Gruppen von Zusatzversicherungen gibt es?
Es wird unterschieden zwischen zahlreichen kleinen, ambulanten Zusatzversicherungen (Zahnbehandlungen; Komplementärmedizin, Auslandreisen etc.) mit einem relativ kleinen Prämienvolumen und den Spitalzusatzversicherungen (Halbprivat, Privat, Flex).

Welche Zusatzversicherungen sind am weitesten verbreitet?
Rund 3 Millionen Versicherte in der Schweiz haben den Zusatz «Spital Allgemein ganze Schweiz» abgeschlossen. Je nach Krankenkasse beträgt der Anteil um die 80 Prozent. Der Zusatz deckt die stationäre Behandlung auch ausserhalb des Wohnkantons. Ab kommendem Jahr wird im Zug der Umstellung auf Fallpauschalen die Behandlung in Spitälern der ganzen Schweiz gedeckt. Allerdings nur bis zur Höhe, in der die gleiche Behandlung im Wohnkanton kosten würde. Die Mehrkosten müssen Patienten selber tragen. Eventuell lohnt sich die Zusatzversicherung deshalb weiterhin.

Lohnen sich ambulante Zusatzversicherungen?
Vor Abschluss gilt es, den Nutzen abzuwägen. Wer beispielsweise häufiger eine neue Brille kauft, wer ein Fitnessabo lösen will, sich regelmässig komplementärmedizinisch behandeln lassen will etc., profitiert durchaus von einer Zusatzversicherung. Die Prämien müssen jedoch immer individuell gegen die mutmasslichen Kosten abgewogen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Halbprivat, Privat und Flex-Versicherungen?
Alle drei Versicherungen erweitern die Freiheit bei der Arztwahl im Spital und garantieren eine komfortablere Unterbringung bei einem Spitalaufenthalt. Die klassischen Zusatzversicherungen Halbprivat / Privat unterscheiden sich hauptsächlich nach Unterbringung im Zwei- bzw. Einbettzimmer. Weiter werden verschiedene Beiträge für Kuren, Haushaltshilfe etc. vergütet. Bei der Flex-Versicherung entscheidet der Patient bei Spitaleintritt, ob er bloss allgemeine oder gegen einen Selbstbehalt halbprivate/private Leistungen nutzen will. Das Sparpotenzial beträgt hier bis über 60 Prozent gegenüber einer klassischen Halbprivat-/Privatlösung.

Brauche ich eine weltweite Privatversicherung?
Wer viel reist, oder ein hohes Risiko für einen Spitaleintritt hat, profitiert von einem solchen Zusatz. Gerade in Ländern mit extrem hohen Behandlungskosten wie den USA, Kanada oder Japan können Deckungslücken entstehen, wenn man nur allgemein versichert ist. Es gibt auch spezielle Ferienversicherungen, die nur einen zeitlich begrenzten Deckungsschutz von wenigen Monaten bieten.

Worauf muss man beim Abschluss einer Zusatzversicherung achten?
Das Kleingedruckte darf nicht überlesen werden. So sind beispielsweise die Vergütungen bei Zahnzusatzversicherung höchst unterschiedlich je nach verwendetem Taxpunktwert. Wissen muss man zudem, dass eine Kasse auch ohne einen Vorbehalt anzubringen, die Kostengutsprache für eine Behandlung ablehnen kann, wenn die Krankheit schon bei Abschluss der Zusatzversicherung bestanden hat.

Wie kann ich eine Zusatzversicherung wechseln?
Die ehrliche Antwort ist: eigentlich gar nicht. Da die Versicherer keinen Aufnahmezwang haben, wachsen die Chancen mit zunehmendem Alter, dass Sie abgelehnt werden. Sollte ein Wechsel dennoch klappen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass im Behandlungsfall wegen Vorbestehen des Leidens die Kostengutsprache verweigert wird. Kündigen Sie auf jeden Fall nie eine Zusatzversicherung, ohne bereits bei einer anderen Versicherung aufgenommen worden zu sein.

Lohnt es sich Grund- und Zusatzversicherung beim gleichen Anbieter zu haben?
Manche Krankenkassen bieten ihren Versicherten Vergünstigungen – etwa die gegenseitige Verrechnung von Grundversicherungs-Franchise und Selbstbehalt für den Spitalzusatz – wenn Grund- und Zusatzversicherungen bei ihnen abgeschlossen werden. Andere Versicherer nehmen Interessierte nur in die Zusatzversicherung auf, wenn die Grundversicherung ebenfalls bei ihnen abgeschlossen wird. In diesem Fall kann allerdings die Grundversicherung nach einem Jahr gewechselt werden.

Soll ich einen Mehrjahresvertrag abschliessen?
Mit einem Mehrjahresvertrag spart man bloss Kosten im einstelligen Prozentbereich. Dafür ist man aber für die Vertragsdauer an das Produkt und den Versicherer gebunden.

Lohnen sich Vergünstigungsoptionen?
Die meisten Versicherer bieten für Halbprivat- und Privatversicherungen Optionen wie einen Selbstbehalt in unterschiedlicher Höhe oder eine eingeschränkte Spitalliste. Wie oben beschrieben, ist ein Wechsel der Kasse kaum möglich. Und auch bei einem Produktwechsel innerhalb der eigenen Kasse kann der Versicherer einen erneuten Gesundheitscheck verlangen. Wenn Sie eine Vergünstigungsoption wählen, müssen sie deshalb sicher sein, dass Sie auch im Alter den Selbstbehalt tragen können und sich bewusst sein, dass die Kasse die Spitalliste jederzeit verändern kann.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • slowy am 03.10.2011 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die beste Zusatzversicherung

    ist immer noch der Rechtsschutz ;)

    einklappen einklappen
  • urs brand am 17.09.2012 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Prämie nach Wohnort, Warum?

    Ich verstehe eines bei diesem jährlichen Wahnsinn immer noch nicht. Was hat mein Wohnort mit den Prämien zu tun. Ich wohne in Zürich und arbeite in Uster. Mein Arzt ist ebenfalls in Uster und letztes Mal war ich auch im Spital in Uster. Trotzdem bezahle ich höhere Prämien, da mein Wohnort Zürich ist. Kann mir mal ein Fachmann erklären was es mit dem Wohnort auf sich hat.

    einklappen einklappen
  • Muller am 03.10.2011 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Journalisten und versicherungen....

    Immer wenn sich journalisten mit versicherungen beschaeftigen kommt nicht wahsinnig viel schlaues dabei raus, man(n) sollte schon wissen von was man spricht. Es gibt drei elementare punkte bei zusatzversicherungen: 1. Transportkosten (kvg bezahlt 50%max 500 pa, das reicht grad mal fuers blaulicht) 2. Nichtpflichtmedikamente (nicht alle medis inbesondere neuere teure krebsmedikamente sind ueber kvg gedeckt) 3. Reaptierung vom ausland (rega ist keine versicherung sondern eine spende welche in gewissen faellen gewisse privilegien nach sich zieht, jedoch keine ansprüche generiert) Spitalzusatz allgm. Wird nicht mehr benötigt, da ja eben mit den fallpauschalen jede gleiche behandlung in der gNzen schweiz auch gleichviel kostet. ( sie soll ja die spitaleer miteinander vergleichbar machen)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Medicus am 03.11.2012 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Grundversicherung = 2. Klasse Medizin

    Natürlich will das offiziell niemand zugeben, aber meine Frau ist Ärztin mit eigener Praxis und Belegärztin in einem Spital, deshalb weiss ich genau: Es stirbt niemand, nur weil er nur die Grundversicherung hat. Aber mit einer Privatversicherung kriegt man nicht nur ein Einzelzimmer (worauf man durchaus verzichten kann), v.a. kriegt man auch die bessere Medizin in gewissen (!) Fällen. Ich kenne zahlreiche Fälle, in denen Ärzte zurückgepfiffen wurden, wenn sie gewisse Medikamente einem Grundversicherten geben wollten, denn diese ständen nur Privatversicherten zu.

    • Arzt am 16.05.2013 22:34 Report Diesen Beitrag melden

      Doktor

      Nennen sie bitte nur ein solches Medikament, wenn sie schon so einen Blödsinn behaupten....

    einklappen einklappen
  • urs brand am 17.09.2012 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Prämie nach Wohnort, Warum?

    Ich verstehe eines bei diesem jährlichen Wahnsinn immer noch nicht. Was hat mein Wohnort mit den Prämien zu tun. Ich wohne in Zürich und arbeite in Uster. Mein Arzt ist ebenfalls in Uster und letztes Mal war ich auch im Spital in Uster. Trotzdem bezahle ich höhere Prämien, da mein Wohnort Zürich ist. Kann mir mal ein Fachmann erklären was es mit dem Wohnort auf sich hat.

    • Mirjam am 17.01.2013 21:16 Report Diesen Beitrag melden

      Wohnortprinzip - Steuern...

      Gemäss Gesetz sind pro Kanton max. drei Zonen definiert. Grundsätzlich sind in Städte die Prämien höcher als auf dem Land. Jeder Gemeinde wird vom Kanton eine von dieser Zonen zugeteilt. Der Wohnort ist massgebend für die Prämienzuordnung, weil bei Stationäre Aufenthalten unsere Steuern etwa die hälfte der Aufenthaltskosten decken.

    einklappen einklappen
  • Dario am 06.12.2011 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Denkanstoss...

    Wer sich nur grundversichert - gibt sich mehr mühe gesund zu bleiben und verzichtet auf unnötige Risiken.

  • Bidu am 28.10.2011 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Zusatzversicherung nicht notwendig

    Seit vielen Jahren bezahle ich keine Zusatzversicherung. Meine Frau ging ins Spital. Ich bezahle 10% Selbstkosten, fertig. Meine Frau ist mit dem Spital sehr zufrieden. Keine Sorgen. Fürwas braucht man Zusatzversicherung. Vielleicht Geschäft ist Geschäft.

    • J.Eugster am 03.11.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

      Zusatzversicherung nicht notwendig

      Vielleicht haben Sie noch nie etwas von Alternativmedizin gehört? Diese wird nähmlich, von geschulten nicht ärztlichen Therapeuten ausgeführt, ausschliesslich durch die Zusatzversicherungen gedeckt. Viele vertrauen sich immer mehr lieber dieser Art von Medizin an, als der Schulmedizin.

    • Hans am 21.11.2011 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Bidu

      Ausserdem wären hier noch Beiträge der KK zum Abschluss von Fitnessabonnements, Zahnversicherung, etc. zu nennen, für deren Beiträge die Zusatzversicherung dann doch wieder relativ angenehm ist.

    • Fabian Kuster am 30.11.2011 00:53 Report Diesen Beitrag melden

      Klassische Medizin zu unrecht verpoehnt

      Alternativmedizin ist mit Vorsicht zu geniessen. Beispielsweise die Homoeopathie kann bisher keine Wirkung beweisen, die jene von Placebo uebersteigt. Und ja, ich spreche von wirklich wissenschaftlichen Papers und nicht irgendwelchen "Studien". Dennoch finde ich diese Art von Therapie sehr hilfreich, einerseits weil Placebo sehr maechtig sein kann, und andererseits, weil oft der Koerper stark genug ist wieder gesund zu werden, wenn man ihm die noetige Zeit gibt. Grenzen der alternativen Medizin sollte aber klar im Auge behalten werden.

    einklappen einklappen
  • R.Ruee am 28.10.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Thurgau mehr als 10% mehr Grundprämie

    Ja eine Einheitskasse wäre wohl am besten. Der Schock den wir heute Morgen erhalten haben sitzt tief, die Grundversicherung der CSS hat für das nächste Jahr um mehr als 10% aufgeschlagen, das im Kanton Thurgau, wo jahrelang zuviel Prämien verlangt worden sind. Niemand kann erklären, wieso der Aufschlag so hoch ist.

    • Tom Tom am 02.11.2011 18:27 Report Diesen Beitrag melden

      Naiv

      Bitte nicht so naiv sein! Eine Einheitskasse wird den Service massiv verschlechtern und die Kosten noch mehr anheizen! Vorbild SUVA und AHV, das sind völlig ineffiziente Servicewüsten! Jeder der mit denen zu tun hatte weiss das... Eine Einheitskasse würde dem KVG-Monster noch das Sahnhäubchen aufsetzen... Diejenigen die jetzt nach einer Einheitskasse schreien haben schon das KVG verbockt.. ->Worst Case!

    • Rappen Spalter am 02.11.2011 19:09 Report Diesen Beitrag melden

      Es kommt auf die Versicherung an

      Beim meiner Versicherung (Assura) in der 2500er Franchise gibt es auch im TG gar keinen Aufschlag.

    • Lunaluce am 11.11.2011 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      Einheitskasse

      also ich hätte lieber Quellsteuern, als Einheitskasse:-)) Es ist nun mal so, sollte sich die Einheitskasse etablierern, würden die Zusatzversicherungen ins Unermessliche steigen:))

    einklappen einklappen