Krebstherapie

14. September 2015 12:36; Akt: 14.09.2015 12:36 Print

Zweiklassenmedizin wird zur Realität

Viele Krebskrankheiten sind selten – das ist für immer mehr Patienten ein Problem. Denn passen Krebsbehandlungen nicht ins Schema, lehnen Krankenkassen kassenpflichtige Medikamente ab.

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«Wir steuern mit riesen Schritten auf die Zweiklassenmedizin zu.» Die Worte von Roger Stupp, Chefarzt und Direktor der Klinik für Onkologie am Universitätsspital Zürich, könnten deutlicher nicht sein. Er habe Patienten, die ihre Krebsbehandlung aus eigener Tasche bezahlen, weil die Krankenkassen nicht dafür aufkommen wollen, sagt er gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Doch Krebsmedikamente sind teuer. Und 100'000 Franken und mehr für ein Medikament zu bezahlen, dass Leben retten könnte, das vermag nicht jeder.

Offensichtliche Rationierung

Das Problem: Sobald ein Patient ein Medikament für eine Krebsbehandlung benötigt, für die das Präparat nicht zugelassen ist, wollen die Krankenkassen nicht bezahlen. Und das ist gar nicht so ungewöhnlich. Denn viele Krebskrankheiten sind selten und erfüllen dadurch den formalen Text der Zulassung des Medikaments nicht. «Das ist eine offensichtliche Rationierung», sagt Stupp.

Die Tage, in denen ein in der Schweiz zugelassenes Medikament vom Arzt problemlos eingesetzt werden kann, sei vorbei, sagt Stupp. «Früher wurden kassenpflichtige Medikamente für alle Krebsarten vergütet, sofern der Krebsspezialist dies für richtig hielt. Jetzt weiss es anscheinend der Kassenarzt besser», kritisiert er. Krankenkassen wollen so laut Stupp die hohen Kosten von Krebsbehandlungen umgehen.

Ein weiteres Problem sei, dass die Anzahl klinischer Studien, mit denen die Wirkung und die Risiken eines neuen Medikaments getestet werden, stetig abnehme. Dies führe dazu, dass die Ärzte in der Schweiz nicht mehr über die neusten Medikamente verfügen. Als Lösung für dieses Problem wünscht sich Stupp, dass die Pharmaindustrie und die Versicherer ein Prozent ihres Umsatzes in die akademische Forschung investieren.

(dv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonymous am 14.09.2015 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkasse

    Wieso zahlen wir den noch bei der Krankenkasse ein. Sie zahlt ja sowieso nichts.

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  • Athos am 14.09.2015 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweitklassenmedizin

    Schlimm das ein Medikament das jemand dringend braucht von den Krankenkassen nicht bezahlt wird nur weill es hier nicht Zugelassen ist obwohl es Helfen könnte.

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  • Realist am 14.09.2015 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon lange Realität

    Die "Zweiklassenmedizin" ist doch schon längst Realität. Wer sich teure Krebs-Behandlungen nicht leisten kann, muss eben lernen, in Würde zu sterben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pierre Rüdisühli am 15.09.2015 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kostentreiber sind bekannt

    Das Problem ist, dass Leute heute wegen jedem Mist zum Arzt rennen und teure Medikamente beziehen z.B. bei Grippe. Da würde sich schon viel sparen lassen. Und all die unnötigen Notfallbesuche kosten ebenfalls viel Geld. Wenn natürlich dann noch 100'000 Migranten in unsere teuren Systeme einwandern und selber nicht bezahlen können, dann bezahlen das alle über die Prämien.

  • Alois am 15.09.2015 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    War so, Ist so, Wird immer so bleiben!

    Stellt euch vor ein grosser Asteroid wird auf die Erde stürzen und es für Jahre unbewohnbar machen. Die Staaten haben natürlich nicht Platz für alle in die vorbereiteten Bunker. Also trifft man eine Auswahl: Nur die REICHSTEN, gesündesten, fähigsten, intelligentesten und nach möglichkeit jüngeren kommen hinein. Frauen ohne spezielle Fähigkeiten nur, wenn sie Gebärfähig sind, Männer nur, wenn sie eine sehr gute Gesundheit vorweisen können. Der Rest von uns bleibt draussen! Also findet euch damit ab: Die Schwächsten gehen unter! Wieso sollte es heute anders sein?!

  • Daniel Habegger am 15.09.2015 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Einheitskasse mitnichten besser

    So ein Quatsch: Einheitskasse wäre mitnichten besser! Welche Medikamente kassenpflichtig sind, ist vom Bund vorgegeben - so oder so.

    • Arzt am 15.09.2015 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daniel

      Und der Bund soll entscheiden ob es sich für ihn lohnt Sie Daniel zu behandeln oder sterben zu lassen... Sehr mutig wirklich...

    • Rico P. am 15.09.2015 13:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Arzt

      Besser der Bund statt hundert verschiedene KK mit ebenso vielen, vor allem persönlichen Interessen! Die eine KK zahlt, die andere nicht! Es ist also der pure Zufall der entscheidet, ob jemand noch ein paar Jahre unter uns weilt oder nicht! Diese Verantwortung soll und muss unser Staat übernehmen statt irgendeine Büroangestellte bei einer KK, deren höchster Abschluss ein Marketingdiplom ist!

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  • Solong am 15.09.2015 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    ich weiss, ich bin bös, aber...

    Jetzt mit den vielen Flüchtlingen die kommen und natürlich auch zum Arzt müssen, werden die Prämien noch mehr steigen. Und dann gibt es bestimmt noch mehr Medis , die nicht mehr bezahlt werden. Irgendwo muss man ja sparen. Natürlich auf die Kosten des Patienten die schon lange einzahlen.

    • Sandra Lu am 15.09.2015 09:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Solong

      Genau und dafür sind wir selber verantwortlich, man kann nicht alles haben...

    • Hobie C. am 15.09.2015 18:05 Report Diesen Beitrag melden

      So einfach ist es nicht

      @Solong. Krankenkassen zahlen keinen Rappen, wenn man nicht versichert ist. Die Krankenkassenprämien für Flüchtlinge werden - wenn überhaupt - von soziale Einstellungen übernommen. Damit erhöht sich das gesamte Prämienvolumen, so dass dadurch die Prämien eher sinken werden, da die Flüchtlinge in der Regel eher jung und kräftig sind, und somit die Kassen weniger belasten, als (soziale Dienste für) sie einzahlen.

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  • Mit Erfahrung am 15.09.2015 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hypnose

    Geht mit Krebs zuerst einmal zum Hypnosetherapeuten. Das wirkt sehr oft und wenn nicht kann man sich ja immernoch mit teurer, giftiger Chemie vollpumpen

    • Faszinierter am 15.09.2015 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @" Erfahrung"

      Ja wenn Sie z.B ein Melanom haben gehenSie zuerst zum Hypnotiseur. Vielleicht wird er Melanom aus ihrer Haut weghypnotisieren... So einen Humbug habe ich noch nie gelesen

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