Zukunft des Swiss Bankings

04. September 2012 15:51; Akt: 05.09.2012 18:07 Print

Bankiers malen rosarot

von Lukas Hässig - Steuerstreit, Krise, Wirtschaftskrieg? Die Bankiervereinigung träumt an ihrer Jahrestagung von einer goldenen Zukunft. Die Vision kontrastiert scharf mit der Realität der Finanzinstitute.

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Branchen-Boss Margelisch sieht blühende Schweizer Bankenwiesen. Bis 2020 sollen sich die dunklen Wolken verziehen. (Bild: Keystone)

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Wishful thinking oder visionäre Weitsicht? Die Frage stellt sich am Dienstag nach der Jahrespräsentation der Bankiervereinigung, der wichtigsten Lobby der Finanzindustrie. Diese fiel durch und durch optimistisch aus. Der Gesamtgewinn der Branche erreichte 2011 mit 13 Milliarden fast die Höhe des Vorjahres. Die verwalteten Vermögen gingen zwar leicht zurück, lagen aber mit über 5000 Milliarden immer noch auf stolzem Niveau. Mit über 50 Prozent blieb der Anteil von Privatkunden aus dem Ausland hoch.

Jahrhundert-Krise im Banking – alles nur leeres Geplapper ohne Fakten? Das zumindest will die Bankenvereinigung dem Publikum mit ihren Zahlen weismachen. Zum zweiten Mal in Folge hätten die Finanzhäuser letztes Jahr mehr Mitarbeiter beschäftigt, betont der Chef der Lobby, Claude-Alain Margelisch. Fast 110 000 Mitarbeiter zählte die Branche Ende 2011.

Freude herrscht

Noch mehr Banker braucht das Land, lautet Margelischs heutiger Aufruf an die Politik: Auf 100 Stellen im Banking kämen 115 Jobs in anderen Branchen. «Zubringer» von Anwälten und Beratern bis hin zu IT-Anbietern schwimmen obenauf in einem Finanzplatz, der als schwungvolle Drehscheibe funktioniert. Freude herrscht zudem bei Schmuckverkäufern an der Bahnhofstrasse und Autohändlern in der Peripherie – wenn es Bankern weiterhin gut geht und grosszügige Boni sie zum Konsumieren verleiten.

Branchen-Boss Margelisch sieht blühende Schweizer Bankenwiesen. Bis 2020 sollen sich die dunklen Wolken verziehen. «Obwohl wir uns aktuell in einer Umbruchphase befinden, wird der Finanzplatz in Zukunft genauso stark sein wie heute», meint der Spitzenfunktionär in einem Communiqué der Banken-Vereinigung. «Seine Bedeutung bleibt für die Schweiz ungebrochen hoch.»

Die Grossen torkeln

Die Einschätzung von Monsieur Finance kontrastiert mit den historischen Umwälzungen am Zürcher Paradeplatz, in Genf und am Rheinknie. Die beiden Grossen UBS B”rsenkurs und CS B”rsenkurs torkeln von Kostenabbau zu Kostenabbau, die Privatbank Julius Bär B”rsenkurs setzt alles auf die Karte einer schwierigen Übernahme, was ihre Aktionäre überhaupt nicht amüsiert, Vontobel macht das Gegenteil und wartet und wartet auf eine Übernahme.


Gewichtsverschiebung innerhalb der Branche?

Brutal könnte der Umbruch für die zahlreichen Auslandbanken enden. Die HSBC Schweiz, eine der grössten und bisher erfolgreichsten, baut Mitarbeiter ab und verliert langjährige Kundenberater und die BSI mit Standbein in Lugano zeigte zwar soeben steigende Zahlen, doch laut unbestätigten Meldungen sucht ihre Versicherungsmutter Generali eine Käuferin. Noch beisst niemand an.

Die Strukturveränderungen im Banking und die Prognosen von Margelisch für die Zukunft müssen sich nicht im Wege stehen. Doch vielleicht wird der Chef der Bankiervereinigung dereinst andere Schäfchen zu betreuen haben als heute. Die Bankiervereinigung stand bisher im Ruf, vor allem die Interessen der Grossbanken zu vertreten. Da diese nicht aus der Krise finden und mittelgrosse Institute ihre Stellung möglicherweise verlieren, zeichnet sich in der Standesorganisation eine Gewichtsverschiebung ab.

Mehr und mehr spezialisierte kleine und mittelgrosse Partnerschaften dürften dereinst das Swiss Banking prägen. Dort wird nicht das Streben nach absoluter Grösse und maximalem Bonus im Zentrum stehen, sondern der Wille, dem Kunden gute Leistungen zu fairen Preisen anzubieten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz am 05.09.2012 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    SCHWARZ-MALEREI WÄRE EHRLICHER

    Rosarot malen ist wohl schon längst vorbei

  • Sigi am 05.09.2012 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wars nicht, er auch...

    Margelisch kommt mir vor wie der kleine Junge der abstreitet die Schokolade geklaut zu haben waehrend er noch das Maul damit verschmiert hat. Entgegen seinen Aussagen bauen alle Banken Personal ab, die grossen torkeln durch die Zeit, das Bankgeheimnis daemmert dahin, Bankers werden verklagt und verhaftet, der Ruf der Banker als Zocker und Profit-Geier hilft auch nicht gerade. Er muesste eigentlich sagen: macht bitte keine Wellen, uns steht die Sch****e bis Oberkante Unterlippe. Inaktivitaet und verlogener Optimismus fuehren immer ins Disaster, Herr Margelisch.

  • Daniel Frei am 04.09.2012 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Irrweg

    Herr Margelist hat sich kürzlich in der Arena geoutet. Er kam für micht unglaubwürdig rüber. Er ist auf dem Irrweg. Der aut. Datenaustausch wird in den nächsten Jahren Realität. Die "seriösen" Bankunternehmen werden dann die Profiteure sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz am 05.09.2012 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    SCHWARZ-MALEREI WÄRE EHRLICHER

    Rosarot malen ist wohl schon längst vorbei

  • Sigi am 05.09.2012 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wars nicht, er auch...

    Margelisch kommt mir vor wie der kleine Junge der abstreitet die Schokolade geklaut zu haben waehrend er noch das Maul damit verschmiert hat. Entgegen seinen Aussagen bauen alle Banken Personal ab, die grossen torkeln durch die Zeit, das Bankgeheimnis daemmert dahin, Bankers werden verklagt und verhaftet, der Ruf der Banker als Zocker und Profit-Geier hilft auch nicht gerade. Er muesste eigentlich sagen: macht bitte keine Wellen, uns steht die Sch****e bis Oberkante Unterlippe. Inaktivitaet und verlogener Optimismus fuehren immer ins Disaster, Herr Margelisch.

  • Simu am 04.09.2012 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wers glaubt wird seelig

    Wer immer noch glaubt die Schweiz kann den Karren aus dem dreck ziehen lebt in einer traumwelt. Es ist nur noch eine frage der zeit nicht mehr und nicht weniger. Was Bundesbern in jeder hinsicht fehlt ist standhaftigkeit, ehrlichkeit und kompetenz!

  • Daniel Frei am 04.09.2012 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Irrweg

    Herr Margelist hat sich kürzlich in der Arena geoutet. Er kam für micht unglaubwürdig rüber. Er ist auf dem Irrweg. Der aut. Datenaustausch wird in den nächsten Jahren Realität. Die "seriösen" Bankunternehmen werden dann die Profiteure sein.

  • Blabla am 04.09.2012 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Ich frage mich langsam wirklich! Wieso überall diese englischen Begriffe im deutschsprachigen Raum? Whishful thinkin... Wunschdenken hätte es auch getan.

    • Lyrik am 05.09.2012 01:35 Report Diesen Beitrag melden

      Sprache

      Weil man nicht mehr lernt mit der Sprache umzugehen.

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