Frankreich geht voran

07. Juli 2017 10:45; Akt: 07.07.2017 10:45 Print

«Auch die Schweiz sollte Benzinmotoren verbieten»

von S. Spaeth - Das Aus für Benziner und Dieselmotoren dürfte laut einem Experten zu einem Umdenken führen. Künftig würden alle Hersteller auf E-Autos setzen.

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Herr Dudenhöffer, Frankreich will ab 2040 keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen. Was bedeutet das für die Autoindustrie?
Diese Entscheidung ist gut für die Industrie. Sie kann sich nun auf dieses Datum einstellen. Einige Länder werden sogar etwas früher dran sein als Frankreich, beispielsweise Norwegen, Holland und Indien, die schon 2030 keine Verbrenner mehr haben wollen. Zudem gehe ich davon aus, dass China bereits vor 2030 nur noch Elektroautos zulässt. Dort gilt für nächstes Jahr eine Elektroauto-Quote von 8 Prozent pro Hersteller. Erreicht eine Marke diesen Anteil nicht, muss sie Strafe zahlen.

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Ist es hart für die Autobauer, auf Verbrennungsmotoren zu verzichten?
Bestimmt werden einige Autobauer jammern. Aber der Entscheid ist richtig, denn er gibt Planungssicherheit. Klar ist: Frankreich schaut in die Zukunft. Die Schweiz und Deutschland sollten nachziehen und sich Frankreich zum Vorbild nehmen. Leider hat Deutschland, das Industrieland Nummer eins in Europa, Angst davor, die richtigen Signale zu geben.

Sind die französischen Autobauer nun im Vorteil?
Das glaube ich nicht. Es ist aber offensichtlich, dass Frankreich in Sachen Elektromobilität bereits jetzt besser aufgestellt ist als Deutschland. Mit ihren Elektrofahrzeugen haben Frankreichs Autobauer vor allem China, Japan und die USA im Visier. Die französischen Autohersteller produzieren viel mehr Elektrofahrzeuge, als die Inlandnachfrage hergibt.

Bringt der Entscheid, aus dem Verbrennungsmotor auszusteigen, einen technologischen Schub?
Auf jeden Fall. Künftig werden alle Autobauer auf das Tesla-Prinzip umstellen. Die Autoindustrie wird stark durch den US-Elektroautobauer geprägt. Ohne die Innovationskraft Teslas hätte die Branche die Umstellung nie geschafft. Für mich ist klar: Die Verbrennungsmotoren haben längerfristig keine Chance mehr. Kluge Hersteller beschränken sich nur noch auf eine Technologie.

Glauben Sie, dass ein Verbot von Verbrennungsmotoren in ganz Europa kommt?
Ich kann mir gut vorstellen, dass man ein Verbot von Verbrennungsmotoren in Kürze auch in der Schweiz diskutiert. Das Land ist bekanntlich sehr umweltbewusst. Einen ähnlichen Weg wie die Franzosen könnten zudem Belgien und Grossbritannien einschlagen.

Ist die Ankündigung der Franzosen auch als Kampfansage Europas an US-Präsident Donald Trump zu verstehen?
Das sehe ich nicht so. Ich interpretiere den Entschied politisch folgendermassen: Präsident Macron stellt die Weichen für die Zukunft und ist schneller als Deutschland. Die Ankündigung ist auch ein symbolischer Akt Macrons, der das Selbstbewusstsein der Franzosen stärkt.

Wie wird nun Deutschland reagieren?
Die Kanzlerin wird die Sache aussitzen bis zur Wahl. Die Folge: Deutschland wird bei der Elektromobilität hinterherfahren. Unter einer Regierung von Angela Merkel wird es keine grossen Änderungen geben, weil man Angst vor der Umgestaltung hat und aufs Bewahren setzt.

BMW, Volkswagen und Mercedes könnten auch ohne Vorschriften den Weg der Elektromobilität einschlagen...
Für die deutschen Autobauer ist der deutsche Automarkt nicht matchentscheidend. Sie richten sich auch auf China aus und werden deshalb die Weichen ebenfalls Richtung Elektromobilität stellen. Weil das alte Geschäft mit Diesel- und Benzinmotoren aber viel Geld bringt, will man sich nicht so rasch davon trennen. Ganz anders macht es Volvo.

Volvo hat Anfang Woche das Ende des Verbrennungsmotors verkündet...
Genau. Dort sagt der CEO, dass man ab 2019 nur noch auf Elektromobilität setzt. Das ist zwar eine etwas riskantere, aber sehr zukunftsgerichtete Strategie. In Deutschland fährt man hingegen weiterhin zweigleisig. Das kostet viel Geld und bringt nicht zwingend Erfolg.

*Ferdinand Dudenhöffer ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und leitet dort das Fachgebiet «Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pesche am 07.07.2017 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    wie genau?

    Ok, jetzt hätte ich aner gern seriös vorgerechnet, wieviel Strom das braucht und wie der genau generiert werden kann. Und die Ökobilanz der Akku-produktion interessiert mich auch.

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  • Marcus Requejo am 07.07.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    E-Autos bei Herstellung Dreckschleuder

    E-Autos, welche bei der Herstellung soviel CO2 in die Luft setzen wie ein normaler Diesel oder Benziner während 10 Jahren Laufzeit verdreckt. Und viele werden nicht 10 Jahren halten....also ein grosser Schritt nach hinten

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  • Stefan Eich am 07.07.2017 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht sauberer

    Bin ja gespannt woher der ganze Strom kommen soll. Klar...aus der Steckdose. Dann ist ja gut. Dann muss ich mir keine Sorgen machen. Wie der da reinkommt und woher kann mir dann ja schnuppe sein. Elektro-Autos sind nicht sauberer als Benziner. Aber das merken die Leute erst dann wenns ums Entsorgen geht! Leider merken das die Leute nicht weil uns das Marketing anderes vorgaukelt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Posthoper am 08.07.2017 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lüge und rosa Brille

    Im Moment und noch mindestens die nächsten 15 Jahre bin ich davon überzeugt, dass in der Gesamtökobilanz von der Herstellung bis hin zum Energieverbrauch der Fahrzeuge ein Elektroauto gegenüber einem modernen Verbrenner WESENTLICH schlechter abschneidet.

  • bürger am 08.07.2017 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit E-Auto

    Eine riesen Lüge das mit den E-Autos und neu ist die Idee nicht, auch wenn die Akkus eine Reichweite von 1000 km erreichen ist es auch Schwachsinn einen Stromer zu fahren denn was viele Nichtwissen:, diese Hochleistungs Akkus verputzen die wichtigsten Rohstoffe, so das Knappheit herrscht und zudem sind das echte fahrende Bomben, gerade wegen der enegiedichte in den Akkus bei einem Unfall, Handys lässt grüssen. Nachhaltig wäre es in synthetischem Kraftstoff zu forschen, welches co 2 neutral wäre und Millionen Arbeitsplätze bewahrt und wertvolle Ressourcen schont

  • Päde am 08.07.2017 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmmm?

    Mich nimmt es Wunder woher der ganze Strom herkommt. Da wir ja auch alle AKW abschalten.

  • _uhu am 08.07.2017 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gesamtbillanz

    Ich hoffe, dass alle, die Benziner umweltfreundlicher finden, auch nur alle 5-10 Jahre ihr Smartphone und Tablet, TV etc. ersetzen. Ansonsten sind sie nicht glaubwürdig. Ich persönlich empfinde genau in diesen Bereichen, die Elektroautofahrer als umweltfreundlicher. Mag also sein, dass ein Elektroauto noch genauso "dreckig" ist wie ein Benziner, aber die Gesamtsumme des Beitzers doch besser.

  • Vorhersrhender am 08.07.2017 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dann betet mal......

    zuerst muss es die welt 2040 noch geben....die aussichten sehen eher sehr dster aus.