Währungsexperiment

22. Mai 2012 09:03; Akt: 22.05.2012 09:22 Print

Ein Goldfranken für Kleinsparer

von Lukas Hässig - Ökonomen und bürgerliche Hardliner verfolgen die SNB-Geldschwemme mit Schaudern. Mit der Idee eines Goldfrankens wollen sie Gegensteuer geben.

storybild

Kleinsparer sollen dank dem Goldfranken sicher investieren können. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Geld ist Sache der Notenbank. Diese schiesst seit einiger Zeit aus allen Rohren. In der grossen Bankenkrise musste die SNB zuerst das Finanzsystem stabilisieren, danach durch Euro-Käufe den Franken schwächen.

Ökonomen und bürgerliche Hardliner verfolgen die SNB-Geldschwemme mit Schaudern. Sie befürchten in einer nächsten Phase eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens. Wegen des vielen Geldes im Umlauf könnte später eine Entwertung folgen.

Gold, Swiss made

Mit der Idee eines Goldfrankens geben sie Gegensteuer. Es handelt sich um eine neue Währung, die von privater Seite herausgegeben wird und zum neuen Gütesiegel für die Schweiz werden soll. Kleinsparer sollen dank dem Goldfranken sicher investieren können.
Der Vorstoss ist nun Thema in der Wirtschaftskommission des Nationalrats. Diese beugt sich heute Dienstag über den vorgeschlagenen Gesetzestext. Laut einem der Initianten sei völlig offen, ob eine Mehrheit für oder gegen den Goldfranken sei.

Wird Minarett-Töter Ulrich Schlüer zum Bremsklotz?

Den Supportern ist es ernst mit ihrem Goldfranken. Hinter den Kulissen betreiben sie seit Monaten ein intensives Lobbying. Sie werden von rechtsbürgerlichen Politikern unterstützt.

Letztere könnten zum Stolperstein werden. Das Zürcher SVP-Schlachtross Ulrich Schlüer, bekannt als Minarett-Töter, zählt zum Goldfranken-Kernteam. Vielen Freisinnigen und Mitgliedern der Mitteparteien ist Schlüer zu radikal. Sie lehnen seine Vorschläge ab, unabhängig vom Inhalt.

Volksinitiative Mitte Juni

Die Goldfranken-Boys wollen sich nicht vom Kurs abbringen lassen. Für Mitte Juni ist die Lancierung einer Volksinitiative geplant. Damit soll ihr parlamentarischer Vorstoss auf die Strasse getragen werden.

Der Goldfranken wirkt sympathisch und könnte dem Schweizer Finanzplatz neues Renommee geben. Was er genau bringen würde und wie das Nebeneinander von ordentlichem und goldenem Franken funktionieren würde, bleibt offen.

Schweiz als Währungsunion

Vor 200 Jahren herrschte in der Schweiz Währungswildwuchs. Verschiedene Kantone hatten ihre eigene Währung. Erst mit der Gründung des modernen Bundesstaats von 1848 wurde die Schweiz zur Währungsunion.

1907 wurde die Schweizerische Nationalbank ins Leben gerufen. Diese gehörte mehrheitlich den Kantonen. Im Gründungsjahr kam die erste Notenserie von der SNB auf den Markt.

Währungspolitisches Experiment

Seither hat die SNB das Monopol zum Drucken von Schweizer Franken. Damit erfolgt die wichtige Steuerung der Geldmenge aus einer zentralen Hand. Sie hat sich bis heute bewährt.

Die Väter des Goldfrankens betonen, dass sie der SNB ihr Franken-Monopol nicht streitig machen wollen. Gleichzeitig möchten sie eine Parallelwährung schaffen. Das Zusammenspiel von Frankennoten und Goldfranken würde zum währungspolitischen Experiment.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich denke das Hauptproblem sind die Sparmöglichkeiten für jedermann. Es wäre viel einfacher wenn der Bund ein "Gold-Sparkonto" mit den Kantonen ins leben rufen würde. Jeder könnte so Gold in CHF 5 Stückelung kaufen und bei bedarf sein Gold-Sparkonto in echtes Gold umwandeln. Die Banken der Kantonen würde für das ersparte GOLD lagern (die ZKB mach schon so etwas aber in zu grosser Stückelung) was am ende dazu führt das die Schweiz über hohe Bundes und Kanton Goldreserven verfügt... also langfristig wird eine grosse Entwertung des Frankens vermieden, was wiederum der SNB mehr Spielraum gibt. – Marc Bjorg

Endlich macht sich der Gedanke breit, dass Geld im herkömmlichen sinne keinen realen Wert mehr verkörpert. Durch die Rückkehr zur Verwendung realen Goldes wird ein grosser Schritt zurück zur eigentlichen Bedeutung von Geld (früher Gelt geschrieben, abgeleitet von Geltung) gemacht. Das wichtigste Gut der heutigen Welt, das als Basis jeglichen Güterverkehrs die Lebensgrundlage darstellt, sollte nicht so leicht seinen wahren wert durch wirtschaftliche Schwankungen einbüssen können. Der Goldwert im Geld, schränkt den Bereich ein, in dem die Politik und die Banken das Geld als Spielball für fragwürdige Zwecke missbrauchen können und gibt dem Volk seine Mündigkeit zurück. – Aaron Messmer

Eine Parallelwährung gibt es schon in der Schweiz: Der WIR-Franken. Mit einem geschickten Ausbau dieser Alternativwährung könnte man vermutlich dieselbe Wirkung erzielen wie mit einem "Goldfranken". Dieses System wäre im Übrigen durchaus geeignet, die Probleme von notleidenden Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien etc. zu lösen. Die Binnenwirtschaft würde dadurch gefördert und es liesse sich allenfalls eine von der "Hauptwährung" losgelöste Kaufkraft entwickeln.... – Stephan Rosch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sven Lenhard am 22.05.2012 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    @Stephan

    Verehrter Stephan Rosch. Dieses System ist alles andere als geeignet Probleme der Ländern wie Griechenland, Portugal oder Spanien zu lösen. In der Schweiz hat WIR absolut keinen Einfluss auf die Binnenwirtschaft. Länder welche vom Tourismus und Export leben, so wie die von Ihnen aufgezählten, und auch die Schweiz, können davon in keiner Weise profitieren. Das dies eigentlich keine Wirkung hat, sieht man auch daran wie wenige sich am System hierzulande anschliessen.

  • Karl Hugentobler am 22.05.2012 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Falsch recherchiert

    Der Goldfranken ist nicht die Idee von Ulrich Schlüer, sondern von Thomas Jacob. Schlüer hat die Idee nur ins Parlament getragen. Das Projekt wird aber nebst einigen SVPlern auch von Sozialisten unterstützt.

    einklappen einklappen
  • Peter am 22.05.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Politik

    "Sie lehnen seine Vorschläge ab, unabhängig vom Inhalt." So wird schweizer Politik gemacht. Das Wohl des Volkes interessiert keinen dieser Politiker.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • goldi am 22.05.2012 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich will einen

    Also ich bin dafür! ich will umbedingt so eine sammlung! so geil ;-)

  • Blödsinn am 22.05.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Abwertung des Schweizer Frankens

    Wenn der Goldfranken in umlauf gerät wird mit dem Schweizer Franken weniger gehandelt, weniger nachfrage = weniger wert. Am schluss merken wir das WIR unsere eigene schöne Schweizer Währung zerstört haben!

  • Safi am 22.05.2012 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Goldfranken?

    Wer hat heute das Gold? da wurden sicher schon früher von gutbetuchten das Gold gekauft, als es noch günstig zu haben war. Nun ist es so stark angestiegen, dass sie sich den Butter nicht mehr vom Brot streichen wollen, somit könnten sie ihr heute teures Gold absichern, damit sie den zuwachs am Wert nicht verlieren. So sieht es doch aus. Sie finden immer wieder einen Weg, ihr Gewinn ans trockene zu fahren.

  • diamantino am 22.05.2012 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    dominus providebit

    es gibt in der schweiz nicht nur 20-ger goldvreneli von guter qualität, sondern auch 10-er und 100-er. goldmünzen haben in der schweiz eine lange tradition.

  • Paul Buchegger am 22.05.2012 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst Schlüer endlich in der Versenkung

    Ulrich Schlüer wurde ja sogar von den SVP-Wählern schon zweimal als SVP-Nationalrat abgewählt. Der Mann ist doch nun definitiv passé.