Geldwäscherei

04. November 2012 11:58; Akt: 04.11.2012 12:10 Print

Bundesanwalt Lauber verlangt härtere Strafen

Komplexer gewordene Verbrechen: Das aus den 90-er Jahren stammende Gesetz über die Geldwäscherei sei zwar «sehr streng», müsse aber angepasst werden, fordert Bundesanwalt Michael Lauber.

storybild

Die Globalisierung habe auch die Finanzwelt verändert, findet Bundesanwalt Michael Lauber. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die Welt des Verbrechens habe sich gewandelt. Heutzutage sei alles viel komplexer, findet Bundesanwalt Michael Lauber: «In 20 Jahren haben sich die Techniken der Geldwäsche verändert», sagte Lauber in einem Interview mit der SonntagsZeitung «Le Matin Dimanche». Die Globalisierung habe auch die Finanzwelt verändert. Verbrechen wie Waffenschmuggel, Menschenhandel oder Drogenschmuggel, welche die Basis für schmutziges Geld böten, hätten sich diversifiziert.

Um diese Lücken zu schliessen, muss laut Lauber die Effizienz der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) verbessert werden. Bei der MROS handelt es sich um ein Behörde des Bundesamtes für Polizei (fedpol), die als «Filter» zwischen der Finanzbranche und den Strafverfolgungsbehörden dient.

«Die MROS funktioniert gut, aber ihre Leistung könnte verbessert werden, wenn ihr mehr Zeit für die Analyse eingeräumt würde», sagte Lauber.

Heutzutage würden die fraglichen Gelder nur fünf Tage blockiert. In dieser Zeit müsse sich die Meldestelle zum Fall äussern und die Bundesanwaltschaft entscheiden, ob eine Untersuchung eingeleitet werde. Diese Frist sei zu kurz - «fast unmöglich beim Umfang der Dossiers», sagte Lauber.

Zu lockere Strafen

Der Bundesanwalt fordert auch eine härtere Bestrafung. Das maximale Strafmass für Geldwäscherei sei zu mild: «Es muss von drei Jahren Freiheitsstrafe auf fünf bis sechs Jahre angehoben werden», sagte Lauber.

Ausserdem verlangt er, dass die Verjährungsfrist von sieben auf fünfzehn Jahre erhöht werde. «Denn Untersuchungen benötigen Zeit, und es darf nicht vergessen werden, dass Rekursmöglichkeiten bestehen», sagte Lauber. Jede Minute, die verstreiche, richte sich gegen diese Untersuchungen.

Laut Lauber ist die Höhe der involvierten Geldbeträge «unmöglich bezifferbar», da es auf die Definition ankomme. Er schätzt aber, dass in der Schweiz jährlich Geldbeträge in Milliardenhöhe gewaschen werden.

Problem der Beweislast

Der Fall des Genfer Vermögensverwalters, der kürzlich vom Bundesstrafgericht in Bellinzona nur wegen Urkundenfälschung verurteilt worden war, offenbart laut Lauber ein Problem der Beweisführung. Dem Mann wurde Unterstützung einer kriminellen Organisation, Geldwäscherei und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeworfen.

Es sei sehr schwierig gewesen, den Nachweis zu erbringen, dass der Angeklagte von der illegalen Herkunft der verwalteten Gelder Kenntnis gehabt habe, betonte Lauber. Der Angeklagte hatte immer abgestritten, etwas davon gewusst zu haben. Um den legislativen Rahmen weiterzuentwickeln, könnte laut Lauber die Beweislast umgekehrt werden.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bulldoge am 04.11.2012 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    interessant...

    Interessant. Auf gewisses Kapital wird das im Ausland bereits gemacht und das mit Erfolg. Es geht ja nur um finanzielle Verbrechen und nicht um einen Handtaschendiebstahl. Ein Versuch wird zeigen, wie effektiv es ist.

  • Jorge Lorenzo am 04.11.2012 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Witzbold

    Beweislast umkehren? Das hat uns gerade noch gefehlt! Das hätte der Herr Bundesanwalt wohl gerne, da könnte er jeden dahergelaufenen beschuldigen, und wenn er seine Unschuld nicht beweisen kann, ab in den Knast.

  • lawyer am 04.11.2012 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Unschuldsvermtung

    Beweislast umkehren? Da hat der Herr Bundesanwalt wohl das Thema "Unschuldsvermutung" an der Uni verpasst...

  • carmen diaz am 04.11.2012 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    wo bleibt die news...

    ...,dass in der schweiz die gewaltentrennung aufgehoben wurde? habe ich das verpasst? ansonsten müsste jemand mal dem bundesanwalt erklären, dass für die gesetzgebung immer noch die legislative und weder die exekutive noch die judikative zuständig ist. seine forderungen soll er also mal schön für sich behalten und schon gar nicht in der funktion als bundesanwalt von sich geben...

  • Zobrist am 04.11.2012 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Effektives Gesetz

    Am Besten wäre doch auch, wenn die Bundesanwaltschaft gar nichts mehr beweisen müsste, sondern die Geldwäscher ihre Unschuld. Dann hätten wir eine gute Handhabe gegen diese Geldwäschern und endlich ein effektives Gesetz!

    • Hans Schmidt am 04.11.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      Schnellschuss?

      @Zobrist Keine gute Idee, denn wo waren Sie zur Tatzeit, ohne Alibi gehen wir dann alle in den Knast.

    einklappen einklappen