Gesundheitswesen

24. Juni 2010 22:15; Akt: 05.10.2010 15:49 Print

Bevölkerung ist gegen Managed-Care-Modelle

von Sandro Spaeth - Wegen der Kostenexplosion im Gesundheitswesen setzt die Politik grosse Hoffnung in Managed Care. Für die Mehrheit der Schweizer kommt ein solches Modell aber nicht in Frage.

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Die Akzeptanz für Krankenversicherungs-Modelle, bei denen Versicherte auf die freie Arztwahl verzichten, dafür aber bis zu 20 Prozent Prämienrabatt geniessen, ist gering. Laut dem «Gesundheitsbarometer 2010» sind erst 10 Prozent der Stimmbürger in Managed-Care-Modellen versichert und lediglich 18 Prozent könnten sich ein Modell mit Ärzte-Netzwerken vorstellen. Klar Nein zu Managed Care sagt mit 58 Prozent sogar die grosse Mehrheit. Für den Gesundheitsökonomen Peter Zweifel von der Uni Zürich ist das keine Überraschung: «Die Patienten wollen sich in ihrer Arztwahl nicht einschränken lassen.» Erst bei Prämienrabatten von 35 Prozent seien grössere Teile der gesunden Schweizer zu einem Wechsel bereit. Zudem ist Zweifel sicher: Chronisch Kranke würden besonders ungern zu Managed Care wechseln.

Die Stiftung SPO-Patientenschutz sieht weitere Gründe für die Skepsis: «Die Leute fürchten sich vor Knebelverträgen, wonach sie den Arzt wechseln müssen, wenn die Versicherung ihm die Zusammenarbeit kündigt, so Margrit Kessler. Kurz: Alle Macht gehe an die Krankenkassen. Für den Krankenkassenverband Santésuisse ist die Ablehnung eine Angst vor dem Unbekannten. «Man muss die Modelle besser erklären und mit dem Vorurteil, dass billig schlecht ist, aufräumen», so Sprecher Felix Schneuwly. Dabei sei die Qualität wegen der strukturierten Behandlung nirgends so gut wie in Ärzte-Netzwerken.