Schön im Job

10. August 2015 17:25; Akt: 10.08.2015 17:25 Print

Manager legen sich für Karriere unters Messer

von C. Landolt - Fast 54'000 Menschen in der Schweiz haben ihren Körper verschönert. Zwanzig Prozent davon sind Männer. Manager begeben sich besonders oft unters Skalpell.

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Keine Angst vor Spritze und Skalpell: Die Schweiz ist das Land mit der zweithöchsten Zahl von Pro-Kopf-Eingriffen in Sachen Schönheit - noch vor Brasilien, dem operationsfreudigsten Land weltweit. Einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen sich Beauty-OPs bei den Männern mittleren Alters und in höheren Positionen. Sie erhoffen sich davon auch bessere Karrierechancen. 53'300 Schönheitsoperationen wurden 2014 in der Schweiz durchgeführt. Das sind 644 chirurgische Eingriffe auf 100'000 Einwohner - fast so viele wie im operationsfreudigen Brasilien (661), 38 Prozent mehr als in den USA und 80 Prozent mehr als in Deutschland, wie eine Übersicht der Internationalen Gesellschaft für Plastische Chirurgie (ISAPS) und dem Beratungszentrum für Schönheitsoperationen Acredis zeigt. Rund 20 Prozent aller in der Schweiz lebenden Männer haben bereits eine Schönheitsoperation hinter sich. Rund 600 Ärzte in der Schweiz bieten auf diesem Gebiet ihr Können an (Filmausschnitt aus der Serie Nip/Tuck mit Julian McMahon (links) und Dylan Walsh). Doch Eingriffe um der Schönheit willen werden bei Männern noch viel stärker tabuisiert als bei den Frauen. Diese besprechen die Optimierungen schon mal mit Familie und Freunden, während Männer diese für sich behalten, wie eine Studie aus Deutschland zeigt. Die beliebtesten Eingriffe bei den Männern sind: Fettabsaugungen, Augenlidplastiken (Straffungen am Ober- und Unterlid) sowie Facelifts. Bei den Frauen sind Brustvergrösserungen, Fettabsaugungen sowie Bauchstraffungen und ab einem gewissen Alter Gesichtseingriffe die beliebtesten OPs (Bild: Nip/Tuck). Doch gerade Burstvergrösserungen sind nicht billig: Bei einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in der Schweiz kosten sie zwischen 10'000 und 15'000 Franken. Im Ausland ist es deutlich billiger, doch davon raten Ärzteberatungen aufgrund der Qualitätsunterschiede und Sicherheitsrisiken dringend ab. Der deutsche Designer Wolfgang Joop ist einer der wenigen prominenten Männer, die sich zur Schönheitschirurgie bekennen. Er nennt es kokett «Ordnung im Gesicht machen». Frauen sind da schon offenherziger, auch wenn sie für ihr gutes Aussehen gerne die Standardaussage «viel Wasser trinken, Sport und gesund essen» vorschieben. Bei manchen wie Kim Kardashian ist allerdings offensichtlich, dass bei ihr nicht alles gottgegeben ist. Während Offenherzigkeit das Geschäftsmodell der Kardashians ist, ist bei Topmodels Verschwiegenheit Pflicht. So wie etwa bei Gisèle Bündchen, die ihr fantastisches Aussehen reiner Willenskraft verdanken soll. Doch kürzlich spekulierte die New York Post über Beauty-Nachhilfe bei der Brasilianierin. Offenbar soll sie nach der Geburt ihrer zwei Kindern mit ihren Brüsten hadern. Ein Paparazzo will gesehen haben, wie Gisèle in einer Burka aus einer Pariser Schönheitsklinik gekommen sei. Erkannt wurde Bündchen an ihrem langjährigen Chauffeur.

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Die Schweiz, das Land der Schönheitsoperationen: Eine statistische Erhebung der International Society of Aesthetic Plastic Surgery ergab, dass in der Schweiz im Pro-Kopf-Vergleich besonders viele Schönheitsoperationen durchgeführt werden. Im Jahr 2014 gab es pro hunderttausend Einwohner rund 644 Schönheitsoperationen. Damit ist die Schweiz nach Brasilien das operationsfreudigste Land der Welt. Laut Acredis, dem Beratungsinstitut für Ärztezertifizierung und Operationsplanung, sind rund 19 Prozent der Patienten Männer – ein Ergebnis, das Experten gern mit dem hohen Pro-Kopf-Einkommen der Schweizer erklären.

Mitnichten, sagt etwa der renommierte Schönheitschirurg Dr. Christoph Wolfensberger. Gutes, attraktives Aussehen sei einkommensunabhängig: «Gutes Aussehen kommuniziert Aktivität, Effizienz und Erfolg.» Bei den jungen Managern habe dieses Credo längst Einzug gehalten, diese wollten den immer zahlreicheren weiblichen Kolleginnen nicht nachstehen. «Nun machen auch immer mehr Manager ab 45 von Schönheits-OPs Gebrauch», erklärt der Chirurg 20 Minuten.

Schlank und fit statt klein und dick

Nicht nur in der Schweiz. Auch in Deutschland boomt der Anteil der männlichen Kunden. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie lag dieser 2013 bei 17,1 Prozent. Augenlidplastiken, Facelifts und Fettabsaugungen gehören weltweit zu den beliebtesten OPs bei Männern. Jung und attraktiv auszusehen ist dabei das Ziel. Der deutsche Schönheitschirurg Professor Werner Mang weiss, warum: «Schlanke Männer mit vollem Haar und frischem, jugendlichem Aussehen sind erfolgreicher im Management als kleine, gedrungene Männer mit Glatze und Bauch.»

Diese Aussage wird durch eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie gestützt. Drei Viertel von 1326 befragten männlichen Patienten gaben an, sie erwarteten durch den Eingriff ein besseres Lebensgefühl. Und 9,2 Prozent erwarteten nach der Operation eine Verbesserung beruflicher Chancen. Jürg Wittwer, Sprecher von Acredis, bestätigt im Gespräch: «Beruflicher Erfolg durch eine Schönheitsoperation ist eine der drei Hauptmotivationen bei männlichen Patienten.» Je attraktiver ein Manager, desto erfolgreicher ist er. Und mit dem Erfolg kommt auch das Geld. Laut dem Institut zur Zukunft verdienen gut Aussehende nämlich 20 Prozent mehr als weniger gut Aussehende.

Das Aussehen als Türöffner

Das mag sich auch Stefan Meier gesagt haben. Der 40-jährige Zürcher, der seinen richtigen Namen hier nicht lesen will, liess sich im Frühling die Augenlider straffen. «Die nächste Generation steht schon in den Startlöchern, da muss ich mithalten», sagt er. Vor vier Jahren liess er sich das Bauchfett absaugen. «Trotz Diät und Sport wollte das letzte Fettröllchen einfach nicht weg», sagt er zu 20 Minuten. Nun ist er es los.

Ästhetische Eingriffe bei Männern bleiben aber ein Tabu. «Nur jede achte Frau spricht mit niemandem über ihre Operation», weiss Jürg Wittwer von Acredis. Bei den Männern behalte dagegen jeder Vierte das Geheimnis für sich. Dem stimmt der Chirurg zu. «Ich habe auch dieses Jahr einige Topmanager und Unternehmer operiert, die in ihrem Gesicht Verschiedenes optimiert haben, ohne dass sie darüber ein Wort verlieren», sagt Wolfensberger. Ziel sei ein «cleanes Aussehen», «nichts Dramatisches, aber sehr wirkungsvoll» – oder um Wolfgang Joop zu zitieren : «Schönheitschirurgie ist zu hoch gegriffen, man macht einfach ein bisschen Ordnung in seinem Gesicht.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm am 10.08.2015 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich geht die Rechnung auf

    Erstens muss man ja die Kohle wieder reinholen die man ausgeben muss und ich rede hier nicht nur von der Schönheit sondern da ist noch das Protzerauto, die Luxuswohnung, Frauen die verwöhnt werden wollen, Luxusferien, Nutten, Kokain etc.... Wär mir echt zu anstrengend weil früher oder später ist man weg vom Fenster.

  • Oma am 10.08.2015 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kitsch

    Das hätte ich ehrlich gesagt von den Männern nicht gedacht! Älter werden gehört nun mal zum Leben, ob man will oder nicht, und das kann man mit einer Schönheitsoperation auch nicht aufhalten. Mein Aufruf an die noch so smarten Männer: bleibt euch treu, alles andere ist Kitsch!

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  • Ausstrahlung am 10.08.2015 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äusserlichkeiten

    Juhui, bald ist wieder Fasnacht, da brauchen sie keine Maske mehr! Sorry, war aber mein erster Gedanke.

Die neusten Leser-Kommentare

  • r.k. am 11.08.2015 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Geldmacherei für nichts!

    Schönheit kommt durch Ausstrahlung, nicht durch Aussehen! Geldgier und Habsucht macht Falten ins Gesicht und uns unzufrieden , aber leider ist die Menschheit blind dafür geworden! Altern sollte was schönes sein! Nicht jeder hat die Möglichkeit dazu! Man wird nicht alt sondern reif (wie ein guter Wein! ;-) ) Liebe Menschen, jeder ist einzigartig schön, steht dazu! :-)

  • Nationless am 10.08.2015 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Graus das Altern

    Ich mag nun keine Falten, Runzeln, eingefallenes Antlitz, graue Haare, Ranzen, Hemden in den Hosen und Lackschuhe oder Sandalen und ans Altern, Altersstation und Tod denken. Ich bin bald 40 und habe nix von meiner Jugend erleben und genießen können. Was geleistet und erreicht habe ich bis jetzt auch nix, da ich nie vorwärts kam.

    • marc am 11.08.2015 08:13 Report Diesen Beitrag melden

      Daumen hoch

      Da muss ich Ihnen recht geben. Was Sie hier schreiben konnte ich bei Ihnen aufgrund Ihren jeweiligen Kommentaren auch feststellen!!

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  • gi_ann am 10.08.2015 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kaputte society

    Also damals haben es die Kaderleute es auch ohne OP geschafft erfolgreich eine Unternehmung zu managen, wie kaputt doch die gesellschaftlichen Werte heute sind ...

  • Amyjo am 10.08.2015 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Was nützt es gut Auszusehen...

    ...wenn der Charackter danach immer noch mies ist?!

  • Emilly am 10.08.2015 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönheit

    Sorry sehe jeden Morgen Leute die Top Gstylt sind und andre die sich einfach anziehen damit sie was anhaben. Leute wacht auf und macht was aus euch.