Home Office

08. Mai 2012 07:47; Akt: 08.05.2012 08:53 Print

Mehr Zeit, weniger Stau, bessere Arbeit

von Sabina Sturzenegger - 450 000 Menschen in der Schweiz könnten teilweise zu Hause arbeiten. Das würde ihre Produktivität steigern, die Umwelt schützen und sie motivieren. Doch das wird zu wenig genutzt.

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Motivierter, produktiver, umweltfreundlicher: In der Schweiz könnten 450 000 Menschen teilweise von zuhause aus arbeiten. Wie ist das bei Ihnen? Nehmen Sie teil an unserer Umfrage! (Bild: thinkstockphotos)

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Jeden Morgen quetschen sich Millionen gehetzter Berufsleute in überfüllte Züge, sie verstopfen die Autobahnen und kommen missmutig ins Büro. Nach einem Arbeitstag erwartet sie am Abend das Gleiche nochmals. Die SBB stossen in der Rushhour an ihre Grenzen, das ist bekannt. «Es wäre besser, wenn die Leute zu unterschiedlichen Zeiten pendeln würden», sagt Stefan Nünlist, Kommunikationschef der SBB.

Unter anderem deshalb engagiert sich das Bahnunternehmen für den diesjährigen Home Office Day, der am Donnerstag zum dritten Mal stattfindet (siehe Box). Doch nicht nur das Verkehrsunternehmen könnte davon profitieren, wenn in der Schweiz mehr Leute daheim oder zumindest flexibel und unterwegs arbeiten würden. Auch der Umwelt, den Mitarbeitenden und nicht zuletzt der Schweizer Wirtschaft bringt Heimarbeit auf hohem Niveau viele Vorteile.

11 Prozent könnten Home-Office-Tag machen

Das belegen die Zahlen: Heute könnten in der Schweiz 11 Prozent der arbeitenden Bevölkerung einen Tag in der Woche zu Hause arbeiten. Das sind 450 000 Personen oder 20 Prozent der insgesamt 2,35 Millionen Menschen, die in unserem Land mit ihrem Wissen arbeiten und deshalb ortsunabhängig tätig sein können.

Die Home-Office-Worker könnten pro Jahr 67 000 Tonnen CO2 einsparen, weil sie nicht pendeln und weniger Büroräume geheizt und unterhalten werden müssten. Sie könnten der Schweizer Wirtschaft zu einer Produktivitätssteigerung von bis zu 5 Prozent verhelfen.

Weniger Kranke, weniger Burnouts

Gemäss einer Studie der Universität St. Gallen sind Mitarbeiter, die fünf Tage pro Woche ans Büro gebunden sind, doppelt so häufig abwesend wie Mitarbeiter an wechselnden Standorten. «Auch die Häufigkeit von Burnouts sinkt von 48 Prozent auf gerade mal 5 Prozent», schreibt Oliver Gassmann, Direktor des Instituts für Technologiemanagement der Uni St. Gallen zum Thema Home Office.

Bei so vielen Vorteilen ist es umso erstaunlicher, dass das Konzept erst in wenigen Schweizer Firmen zum Standard gehört. Darunter sind Microsoft, die Initiantin des Home-Office-Day, die SBB und die Swisscom. Bei den SBB sind 3000 Mitarbeitende für Home Office ausgerüstet, rund die Hälfte der 28 000 Mitarbeitenden hat einen mobilen Account. An immer mehr Standorten würden zudem die Büros flexibel genutzt. «Nicht einmal mehr der CEO hat ein eigenes Büro», sagt Nünlist.

«Nicht da, wo wir sein sollten»

«Viele unserer Bewerber erwarten, dass wir ihnen die Möglichkeit für Home Office anbieten», sagt auch Fabian Etter von der Swisscom. Bei Microsoft Schweiz sind die Auswirkungen des Home-Office-Modells bereits messbar: «Durch eine konsequente Umstellung auf flexible Arbeitsformen können wir mittelfristig 15 Prozent der Unterhaltskosten sparen», sagt Petra Jenner, Chefin von Microsoft Schweiz. Nur dank flexibler Raumnutzung sei ein weiterer Personalausbau möglich.

Mit Blick auf die Schweizer Wirtschaft stellt Jenner aber auch fest: «Wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten.» Es bestehe noch viel Skepsis, wenn Mitarbeitende nicht direkt vor Ort seien. «Wir haben momentan Manager in den Chefetagen, die mit Präsenzmodellen gross geworden sind», stellt Jenner fest. Statt Präsenz sollte jedoch vermehrt die Leistung zählen, statt Kontrolle sollte Vertrauen herrschen.

Verwaltung muss aufholen

Nicht zuletzt hat unser Land in den letzten Jahren den Anschluss an die Digitalisierung der Wirtschaft verpasst, wie das Ranking des renommierten Economist Intelligence Unit zeigt. Im Vergleich zu den führenden Nationen Dänemark, Schweden und USA hat sich unsere Positionierung im Bereich der Kommunikationstechnologien (ICT) seit 2006 verschlechtert. Es gelte, hier aufzuholen, fordert Kurt Lanz vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, und nimmt neben der Privatwirtschaft auch die öffentliche Hand in die Pflicht. «Würde die Verwaltung systematisch Home-Office-Tage einführen, könnte die Schweiz sich hier vorarbeiten», glaubt er.

Legen Sie gelegentlich einen Home-Office-Day ein? Falls ja: Was sind Ihre Erfahrungen? Oder haben Sie gar nicht die Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten? Nehmen Sie teil an der Umfrage!

Das Werbevideo zum Home Office Day: