Foxconn

28. September 2012 10:42; Akt: 28.09.2012 10:42 Print

Mieser Job, aber alle wollen ihn

Die Arbeitsbedingungen beim Apple-Zulieferer Foxconn sind derart mies, dass es zu Aufständen und Suiziden gekommen ist. Trotzdem stehen junge Chinesen Schlange, um in den Fabriken arbeiten zu dürfen.

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In einer Fabrik in China hat Foxconn die Anzahl der Mitarbeiter von 110'000 auf 50'000 reduziert. Grund dafür ist der Einsatz von Robotern. Der chinesische Zulieferer Foxconn ist berüchtigt für seine zweifelhaften Arbeitsbedingungen. So stand das Unternehmen im Verdacht, Studenten gezwungen zu haben, Playstation 4 zu fertigen statt ein studiumrelevantes Praktikum anzubieten. Ein Reporter der chinesischen Zeitung «Southern Weekend» ging den Arbeitsbedingungen und den Gründen für die Selbstmorde von elf Mitarbeitern auf die Spur. Er fand bald heraus, dass Foxconn den Selbstmord von 30 weiteren Mitarbeitern verhindert hatte - in einem Zeitraum von nur drei Wochen. Um bei Foxconn angestellt zu werden, muss der Kandidat als Erstes einen Arbeitsfähigkeitstest absolvieren. Dabei werden Mathematik und Englisch geprüft. Wer 20 von 100 Punkten erreicht, bekommt eine Stelle. Katastrophale Bedingungen fand Reporter Liu Zhiyi bei Foxconn nicht vor. Vielmehr stellte er fest, dass die Löhne äusserst niedrig sind ... ... und sich Arbeiter mit diesen Bezahlungen nie die hauseigenen Produkte wie ein iPad leisten können. Der Journalist stellte allerdings fest, dass keine Kollegialität oder Freundschaft unter den 400'000 Mitarbeitern besteht. Da die Arbeiter Tag ein, Tag aus mit monotoner Arbeit beschäftigt sind, ... ... nehmen die Angestellten ihre Kollegen nicht mehr als Individuen wahr. Es gibt einige Arbeiter, die nicht einmal den Namen ihrer nächsten Kollegen kennen, ... ... selbst wenn sie zusammen in den Foxconn-eigenen Appartements wohnen. Die Arbeiter dürfen einmal täglich eine 10-Minuten-Pause im gemeinsamen Schlafzimmer machen. Um den Zimmerschlüssel zu bekommen, müssen sie ihren Badge abgeben. Wer innerhalb der vereinbarten Zeit nicht zurück ist, wird bestraft. Foxconn versucht nun nach der Selbstmord-Serie die «Würde der Angestellten» mit einer saftigen Lohnerhöhung sicherzustellen. Das Unternehmen kündigte gleichzeitig an, keine Entschädigungen mehr an Hinterbliebene von Mitarbeitern zu zahlen, die Selbstmord begangen haben.

Foxconn-Fabrikarbeiter schuften 12 Stunden täglich - oft auch länger.

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Der Job als Fabrikarbeiter beim taiwanesischen Hardwarehersteller Foxconn ist wahrlich kein Zuckerschlecken: Täglich 12 Stunden lang bauen die chinesischen Männer und Frauen iPhones, iPads und Drucker zusammen – und das ist bloss die offizielle Darstellung. Die Arbeitnehmerorganisation Fair Labor Association berichtet, dass die Fabrikarbeiter oft mehr als 60 Stunden pro Woche ackern müssen – für gerade mal rund 480 Dollar pro Monat.

Auch die Freizeit sei alles andere als erholsam: Das Leben der jungen Arbeiter spiele sich fast ausschliesslich innerhalb der Werksmauern ab. Sie lebten zusammengepfercht in Wohnheimen, in Zimmern mit acht bis zwölf Betten. Hinzu komme die ständige und strenge Kontrolle: Allein im Ostchinesischen Werk Tayun sorgen 1500 Sicherheitsleute dafür, dass die fast 80 000 Arbeiter keine Faxen machen.

Arbeiter kommen trotzdem

Dennoch schrecken die miesen Arbeitsbedingungen nur wenige Chinesen ab: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass bereits gestern wieder Tausende von ungelernten Chinesen Schlange gestanden sind, um bei Foxconn arbeiten zu dürfen. Mit Bussen wurden sie vor die Werksgelände gefahren, wo sie sich wie im Militär einreihen mussten. Die meisten sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Die Wanderarbeiter haben in der Heimat kaum Perspektiven.

Die Bewerber sind gern gesehen. Denn der Bedarf von Foxconn ist nach wie vor riesig: Trotz seiner insgesamt 1,2 Millionen Angestellten in 25 Fabriken – Foxconn ist Chinas grösster Arbeitgeber – ist das Unternehmen bei der Produktion ins Hintertreffen gekommen. Und weil der Westen ungeduldig auf die vorbestellten iPhone 5 wartet, müssen frische Arbeitskräfte her – und zwar schnell.

Wut treibt Arbeiter auf die Strassen

Kritik hagelt es schon länger – besonders gross war der Aufschrei 2010, als mindestens 13 Angestellte Selbstmord begingen, weil sie die Verhältnisse nicht mehr aushielten. Und immer wieder kommt an die Öffentlichkeit, dass es zu Aufständen und Prügeleien in und ausserhalb der Fabrikanlagen kommt.

Am vergangenen Wochenende ist es in Tayun erneut zu Ausschreitungen gekommen: 2000 Fabrikarbeiter sollen an einer Massen-Ausschreitung teilgenommen haben, nachdem Sicherheitsleute einen ihrer Kollegen brutal verprügelt haben, berichten Blogger. 5000 Polizisten mussten einschreiten, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Autos brannten aus, Fenster wurden zerschmettert. «In einem Umfeld wie bei Foxconn, wo Arbeiter als Produktionseinheiten behandelt werden – wie Roboter, nicht Menschen – ist Gewalt manchmal der einzige Ausweg. Kleinere Streitigkeiten eskalieren», kommentierte Geoffrey Crothall, Sprecher der Arbeitsrechtsorganisation China Labour die Geschehnisse.

(ahi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Apple Verlasser am 27.09.2012 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerecht?

    Wegen sowas würde ich nichts mehr von dieser Firma kaufen, auch wenn es nur einzelne teile sind. Uns geht es gut, aber dafür müssen nicht andere arbeiten wie Sklaven. 17 franken pro Monat ist ein Witz, ein apple handy scheint teurer zu sein als der Arbeiter in der Firma.

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  • Peschä am 27.09.2012 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Fantasiepreise

    Die Preise der Geräte und die Löhne der Arbeiter stehen in keinem Verhältnis. Wenn man dann noch daran denkt, dass ein paar GB mehr Speicher oft ein paar hundert Franken Aufpreis kosten, dann versteht man die Welt erst recht nicht mehr.

  • Martin Wu am 27.09.2012 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schein kann trügen

    JJa das mit den 17 (oder 18) Franken im Monat ist schon ein Weilchen her. Heutzutage ist eher 300CHF im Monat. Jedes Jahr 10% - 20% mehr. Die Wanderarbeiter in China laufen den Betrieben davon wenn sie keine Überstunden machen können um zusätzlich zu verdienen. Nach ca. 3 Jahren harten chrampfens gehen diese Leute ins Hinterland zurück wo sie mit dem verdienten Geld ganze Familien unterhalten. Aber das ist halt keine gute Schlagzeile über arme Chinesen Ein Artikel darüber wann die Chinesen uns überholen werden im Wohlstand wäre mal interessant

Die neusten Leser-Kommentare

  • Luigi Delfini am 28.09.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Das und ...

    ... Call-Center sind die Sklaven der Neuzeit! Und alles nur, weil WIR es billiger haben wollen. Wir müssen uns da selber an die Nase greifen!!

  • Tobias Ostermünchner am 28.09.2012 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Foxconn ist nicht gleich Apple!!!!

    Warum bringt Ihr Foxconn nur immer in Verbindung mit Apple? Foxconn ist auch Zulieferer anderer Grossen IT-Unternehmen. Zudem ist kein Teil auf den oben aufgeführten Fotos von einem Apple Produkt.

  • Simon M. am 27.09.2012 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher

    die Arbeitsbedingungen sind schlecht. Aber Lohnerhöhungen würden genau gar nichts bringen. Da passt sich die Umgebung einfach an und erhöht die Preise. Zudem würde das Produkt teurer werden. Das iPhone ist jetzt schon lächerlich teuer für 2000.- würden das selbst Hardcorefans nicht mehr kaufen.

    • Dani D am 28.09.2012 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die zwischenhändler sind das problem

      Ja sicher, aber das Iphone kostet ca 700,- herstellkosten sind aber keine 70.-

    • Roger Marti am 01.10.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      Das glaube ich nicht

      Eines der Vorgängermodelle kostete unter 200 $ in der Herstellung (20 Min berichtete). Der Zusammenbau machte nicht viel aus. Nur 15 Fr. mehr könnten reichen für genügend hohe Löhne, schätze ich, weil die Zusammenbaukosten so niedrig waren.

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  • Martin Wu am 27.09.2012 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schein kann trügen

    JJa das mit den 17 (oder 18) Franken im Monat ist schon ein Weilchen her. Heutzutage ist eher 300CHF im Monat. Jedes Jahr 10% - 20% mehr. Die Wanderarbeiter in China laufen den Betrieben davon wenn sie keine Überstunden machen können um zusätzlich zu verdienen. Nach ca. 3 Jahren harten chrampfens gehen diese Leute ins Hinterland zurück wo sie mit dem verdienten Geld ganze Familien unterhalten. Aber das ist halt keine gute Schlagzeile über arme Chinesen Ein Artikel darüber wann die Chinesen uns überholen werden im Wohlstand wäre mal interessant

  • pascal ambass am 27.09.2012 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    übertrieben

    Ein selbstmord ist immer etwas tragisches. ich wage zu behaupten, dass wenn ma die selbstmordzahlen mit jenen der schweiz vergleicht, im verhältnis zur bevölkerung, ist die zahl bei uns wahrscheinlich höcher. ebenso das verhältnis einkommen und lebenshaltungskosten. obwohl ich mir das mit 17.50 nicht vorstellen kann. das geht auch in china nicht mehr. ohne etwas gelernt zu haben (lesen u schreiben eingeschlossen) hat man so wenigstens ein einkommen und dach über dem kopf. dann gibt es sicher noch firmen mit den gleichen oder schlechteren arbeitsbedingungen