Jugendverschuldung

30. Juli 2010 14:29; Akt: 30.07.2010 14:49 Print

iPhone & Co. treiben Teenager in SchuldenfalleiPhone & Co. treiben Teenager in Schuldenfalle

von Elisabeth Rizzi - Immer mehr Jugendliche haben Schulden. Der Trend zu mobilem Internet fördert das Leben auf Pump weiter. Experten warnen darum vor den tiefen Verzugszinsen in der Schweiz.

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Bald kommt die Handy-Rechnung. (Bild: Keystone)

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Diesen Monat schlug der Verband Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute (vsi) Alarm: Noch nie gab es in Der Schweiz mehr säumige Schuldner. Forderungen von 1,34 Milliarden Franken waren letztes Jahr ausstehend. Das sind 90 Prozent mehr als im Vorjahr. Jugendliche sind besonders gefährdet, in die Schuldenfalle zu geraten. Denn 80 Prozent der über 25-jährigen Schuldner haben ihre ersten Schulden schon im Teenager-Alter gemacht.

In der Deutschschweiz sind erschreckende 38 Prozent der 18- bis 24-Jährigen verschuldet. 8 Prozent von ihnen haben offene Rechnungen, die sie trotz Mahnungen nicht bezahlt haben. Am häufigsten sind laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)die Rechnungen von Telefongesellschaften betroffen. «Mit den teuren mobilen Internetkosten dürfte sich diese Problematik noch verschärfen», warnt Olivier Steiner vom FHNW-Institut für Kinder- und Jugendhilfe. Tatsächlich beobachtet, Kurt Odermatt von der Inkassoorganisation Zug: «Aus unserer Sicht nimmt die Verschuldung bei Jugendlichen deutlich zu.»

Verdeckte Verschuldung

Auch bei Leasing, Krediten oder Ratenzahlungen drohen den Jugendlichen Fallen. Bereits heute nutzen 11 Prozent der Jugendlichen solche Zahlungsvarianten. 55 Prozent stehen dabei mit 200 Franken und mehr in der Kreide. Bei Jugendlichen läuft die Verschuldung laut Odermatt aber oft viel verdeckter ab als bei Erwachsenen. Der Grund: Meist sind die Eltern involviert. Steiner beobachtet denn auch, dass in der heutigen Wohlstandsgesellschaft viele Familienhaushalte mit vollen Händen den Kindern Geld ausleihen.

«Problematisch wird es, wenn die Eltern selbst über wenig Geld verfügen und ihre Kinder in eine Schuldenspirale geraten. Dann können die Eltern ihren Kindern nicht mehr aus der Verschuldung heraushelfen.» Mit diesem Problem sind Kurt Odermatt und seine Inkasso-Konkurrenten immer wieder konfrontiert. «Wir binden zwar die Eltern wenn möglich in die Schuldenverantwortung mit ein. Nicht selten haben aber bereits die Eltern der betroffenen Jugendlichen Probleme im Umgang mit Geld», so der Schuldenexperte.

Unternehmen sind mitschuldig

Das Ihre tragen die Unternehmen zum Problem bei. Denn Jugendliche sind eine begehrte Klientel für die Firmen. „Es gibt einige Unternehmen, bei denen das Gewinndenken im Vordergrund steht. Man will mehr Kunden gewinnen und geht als Unternehmen das Risiko ein, dass der neue Kunde die Ware oder die Dienstleistung nicht bezahlen kann», sagt Thomas Hutter vom Inkassounternehmen Intrum Justitia.

Er zeigt sich deshalb beunruhigt: «In der heutigen Gesellschaft ist es quasi ein Muss, dass man sich Konsummittel leistet, damit man dazugehört. Und auch ein junger Mensch kriegt alles auf Kredit.» Für Hutter liegt das Problem vor allem in den tiefen Verzugszinsen. «Finnland hat die beste Zahlungsmoral in ganz Europa. Aber in ganz Skandinavien werden auch hohe Verzugszinsen belastet, wenn eine offene Rechnung nicht innert Zahlungsfrist beglichen wird. Dazu kommen hohe Schuldnerkosten», begründet er. Die Schweiz liege dagegen mit Verzugszinsen von üblicherweise 5 Prozent beim tiefsten Zinssatz. Für ihn ist zudem klar, dass nebst einer Erhöhung des Zinssatzes auch Schullektionen im Kindesalter eingeführt werden müssten und die Schuldnerkosten schon längst klar im Gesetz verankert sein sollten.

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