Iran-Sanktionen aufgehoben

18. Januar 2016 04:13; Akt: 18.01.2016 14:05 Print

Ölpreis fällt auf 13-Jahres-Tief

Erdöl der Sorte Brent kostete heute erstmals seit 2003 weniger als 28 US-Dollar. Die europäischen Börsen eröffneten dennoch positiv. Später begannen die Kurse zu bröckeln.

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Iran liefert Gesprächsstoff am Ölmarkt: Ein Arbeiter fährt auf einem Velo auf dem Gelände der Ölraffinerie von Teheran. (22. Dezember 2014)
(Bild: Keystone/AP/Vahid Salemi)

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Der Preis für Öl der führenden Nordseesorte Brent fiel in der Nacht auf Montag zeitweise mehr als vier Prozent und schloss schliesslich um 1,6 Prozent tiefer bei 28,47 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). US-Öl gab bis auf 28,36 Dollar pro Fass nach und stand heute am frühen Morgen bei 28,99 Dollar.

Im Vormittagshandel wurde zwar ein kleiner Teil der frühen Verluste wieder ausgleichen. Zuletzt kostete ein Fass Nordsee-Öl der Sorte Brent mit Lieferung im März aber nur 28,52 Dollar und damit 42 Cent weniger als am Freitag. Ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar verbilligte sich um 38 Cent auf 29,04 Dollar.

Börsen geben frühe Gewinne ab

Die Preise waren damit so tief wie seit 2003 nicht mehr. Da mit der Aufhebung der Sanktionen der Iran wieder mehr Öl am Weltmarkt verkaufen könne, erhöhe dies den Abwärtsdruck auf die Preise, sagten Analysten. Die Ölpreise sind seit Mitte 2014 um 75 Prozent eingebrochen, seit Anfang 2016 um über 25 Prozent. Grund sind ein Überangebot und eine zugleich sinkende Nachfrage wegen trüber Konjunkturaussichten.

Der Leitindex der Tokioter Börse, der Nikkei 225, schloss heute 1,12 Prozent tiefer als am Freitag, in China stiegen die Kurse hingegen leicht. Auch die europäischen Börsen eröffneten den Handel mit leichten Gewinnen. Der Schweizer SMI begann mit einem Plus von 0,4 Prozent und baute die Gewinne kurz darauf auf 1 Prozent aus. In ähnlichem Ausmass stieg der deutsche Dax. Kurz vor dem Mittag befanden sich die meisten Indizes aber wieder knapp im roten Bereich.

Markt erwartet mehr iranisches Öl

Zum Wochenauftakt kommt der entscheidende Impuls für den Handel am Ölmarkt durch das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Wegen der deutlichen Verringerung seines Atomprogramms hat das wichtige Mitgliedsland der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) den Weg für ein Ende der Wirtschaftssanktionen frei gemacht.

Mit der Aufhebung der Sanktionen darf das islamische Land wieder Öl und Gas in die EU exportieren. Für den Markt hat das Ende der Sanktionen gegen den Iran eine grosse Bedeutung, weil das ölreiche Land bereits angekündigt hat, seine Rohölausfuhren um etwa 500'000 Barrel pro Tag hochzufahren.

Überproduktion

Schon jetzt lastet ein zu hohes Angebot auf den Ölpreisen. Vor allem die Opec hat zur Talfahrt der Notierungen beigetragen. Saudiarabien verfolgt als führendes Mitglied des Kartells die Strategie, Marktanteile zu verteidigen und Konkurrenten in den USA und Russland durch immer niedrigere Ölpreise aus dem Markt zu drängen.

«Momentan fördert die Opec gut eine Million Barrel pro Tag mehr Rohöl als vom Markt benötigt wird», schätzte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der deutschen Commerzbank. Ausserdem verschärfen sowohl die Schieferölproduktion in den USA als auch eine Ausweitung der russischen Fördermengen auf das höchste Niveau seit dem Ende der Sowjetunion die Lage auf dem Ölmarkt.

China belastet Ölpreis

Zuletzt hatte auch die Furcht der Anleger vor einem Abflauen der Konjunktur in China die Ölpreise belastet. Nach einer Reihe von schwachen Wirtschaftsdaten und heftigen Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten habe sich die Sorge vor einer schwächeren Rohöl-Nachfrage in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt verstärkt, sagte Weinberg.

«China war in den vergangenen Jahren immerhin für etwa ein Drittel des Anstiegs der weltweiten Ölnachfrage verantwortlich», sagte der Commerzbank-Experte.

Der Preis für Opec-Rohöl fällt ebenfalls immer weiter. Am Montag teilte das Opec-Sekretariat mit, dass der Korbpreis am Freitag 24,74 US-Dollar pro Barrel betragen habe. Das waren 26 Cent weniger als am Vortag. Opec-Rohöl ist damit ebenfalls so günstig wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.

Öl wichtiges Thema am WEF

Der dramatische Rückgang der Ölpreise wird auch am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos zur Sprache kommen. Zwar wird Treibstoff dadurch für Verbraucher und Unternehmen billiger, doch gehen zugleich im Energiesektor Tausende Arbeitsplätze verloren.

In ölexportierenden Ländern wie Russland und Venezuela führt der Preisverfall zu finanzieller Instabilität und Armut. Und nach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Teheran wird der Iran Millionen Barrel Öl zusätzlich in den ohnehin von einem Überangebot geprägten Markt pumpen. Darüber hinaus ist der Iran nun auch wieder für Geschäftsabschlüsse interessant.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 18.01.2016 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soso

    Nun sind wir wohl langsam beim realen Preis angelangt. Der Rest ist Spekulation und verschwindet in den Taschen der Reichen. Genau diese machen sich nun am WEF Sorgen.

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  • tinu am 18.01.2016 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der Preis

    ...für das schwarze Gold fällt deshalb so tief, weil dieser vorher viel zu hoch hinausgeschossen ist. Dasselbe gilt für Aktien, Obligationen, Hauspreise, Währungen und dergleichen. Weshalb das so ist? Nun, der Mensch ist Meister im überbewerten von Dingen. Wie z.B. "er ist mein Traum Mann". Ein paar Jahre später kann sie ihn nicht mehr riechen. Oder, "dieses Auto ist sowas von super toll". 2 Jahr später ist's nicht mehr der Rede wert. Oder "das ist mein Traumjob". 1 Jahr später kündigt man und geht seines Weges. Ja, die meisten Dinge sind überbewertet und ja, wir sind selber daran Schuld.

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  • etap am 18.01.2016 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bereits in die Wege geleitet

    Keine Angst, sobald der Konflikt zwischen dem Iran und den Saudis eskaliert, wird der Ölpreis wieder in die höhe schnellen...und die Amis werden endlich ihr Fracking-Öl los...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Otto Bayer am 20.01.2016 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparsam

    Wie auch immer: Unser zehnjähriger HONDA Jazz konsumiert eh' nie mehr als 6 Liter Benzin auf 100km!

  • Adrian Büschi am 18.01.2016 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzoke

    Komisch, der Preis für 1 Liter Bleifrei 95 kostete 2003 ca 1.20 Fr. und der Ölpreis ist heute gleich wie damals! Wo fliesst das Geld hin? Wir werden wiedereinmal abgezokt! Das Benzin ist immer noch zu teuer....

    • Shell am 18.01.2016 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Adrian Büschi

      frag mal die Doris wie die Steuern permanent erhöht werden

    • Mr. Rich am 19.01.2016 07:14 Report Diesen Beitrag melden

      Informiert?

      Hier sieht man wieder wie viele Leute zu wirtschaftsbezogenen Dingen ihre Meinung kundtun obwohl sie keine Ahnung von den Strukturen dahinter hat. Leider ist die Preisentwicklung Benzin zu Öl nicht 1:1. Wären da bloss nicht die doofen Steuern welche den Grossteil der Kosten der Konsumenten ausmachen. Hauptsache mit dem Finger auf die gemeinen Geld verdienenden Leute richten.

    • Supermario am 19.01.2016 17:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Mr. Rich

      Kommt noch hinzu, dass sich die Relation vom USD zum CHF über die letzten 13 Jahre ebenfalls ein klein wenig geändert haben könnten!

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  • Cavi33 am 18.01.2016 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut und schlecht

    Es gehen Arbeitsplätze im Management verloren die es ohnehin nie gebraucht hat . Das einzig gute ist dass nun die Iraner auch noch am Tropf hängen und Öl verkaufen wollen.

  • Chupachups am 18.01.2016 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Iran

    Wartet nur bis Iran eine Million fass/d fördert. Ok, geht noch eine Weile, bis die Infrastruktur vorhanden ist.

    • Mr. RIch am 19.01.2016 07:12 Report Diesen Beitrag melden

      1+2=4?

      Iran fördert genau gesagt bereits 3 mn fass /t. Ziel ist auf 4 mn zu erhöhen. Agenturen schätzen das Potential auf zusätzliche 500 k fass/t für dieses Jahr.

    • Tom Roth am 19.01.2016 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chupachups

      Ja nur bis da werden die Steuern sicherlich wieder angehoben.

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  • Chnubali am 18.01.2016 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welches Land kommt als nächstes dran?

    Vielleicht überlegen Sie sich jetzt, welches Land könnte man noch destabilisieren um an noch mehr Oel zu gelangen. Nun spielt es ja keine Rolle mehr, einer mehr oder weniger... Hauptsache viel Oel. Die Westler sind eh Starr geworden..sie rebellieren ja nicht gegen Ungerechtigkeiten... also kann man weierfahren mit den Raubzügen.