Soziale Ungleichheit

11. Januar 2017 15:12; Akt: 11.01.2017 16:02 Print

Schweizer Superreiche denken auch an Arme

von Isabel Strassheim - Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich gefährde die Stabilität der Gesellschaft, sagt der Global Risk Report des WEF. Auch Schweizer Reiche sorgen sich.

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Mit Pelz und offensichtlich mit Geld: Zuschauerinnen am Pferderennen White Turf in St. Moritz. Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich wird laut WEF-Report das nächste Jahrzehnt bestimmen. Neben der sozialen Ungleichheit zählt der Global Risk Report des WEF auch den Klimawandel und die alternde Bevölkerung zu den Problemen. Die Superreichen in der Schweiz: von Chanel wohnt in Genf. Mit seinen 10 bis 11 Milliarden Franken liegt er auf Rang 10 der Liste mit den 300 Reichsten der Zeitschrift «Bilanz». Erstmals in den Top Ten geführt werden die figurieren sie neu auf Platz 9. Das Geschäft des Lift- und Rolltreppenherstellers Schindler läuft gut, die Aktien haben seit Mitte Januar ein Fünftel an Wert zugelegt. Im Bild: Alfred N. Schindler. Die Chefin von Heineken, ihr Eigen. Auf Platz 7: Investor Vermögen beläuft sich auf 13 bis 14 Milliarden Franken. Das reicht für Rang 6. Rechts im Bild: seine Frau Kirsty Bertarelli. Auf dem 5. Rang klassiert ist der Medizinaltechnik-Unternehmer An 4. Stelle der Reichen-Liste liegt die . Sie sind im Textilhandel (C&A) und mit Immobilien reich geworden. Ihr Vermögen beträgt 15 bis 16 Milliarden Franken. Im Bild: C&A-Schweiz-Chef Albert Brenninkmeijer mit Gattin Carolina bei ihrer Hochzeit im Jahr 2012. Die <b>Familien Hoffmann und Oeri </b>schaffen es auf den 3. Rang. Im letzten Jahr haben sie allerdings zwei Milliarden Franken verloren. Die Aktien von Roche schwächeln, was die Nachkommen der Gründerfamilie zu spüren bekamen. Ihr Vermögen beläuft sich aber immer noch auf <b>23 bis 24 Milliarden Franken</b>. Im Bild: Roche-Verwaltungsrat André Hoffmann (2. v. r.) an einem Anlass von Swisscleantech im August 2013. Auf Platz 2 ist unverändert der Bierbaron <b>Jorge Lemann</b> (im Bild mit seiner Frau Susanna). Zwar hat seine werthaltige Beteiligung am global führenden Bierkonzern AB InBev sein Vermögen um eine Milliarde gedrückt, doch bleiben dem schweizerisch-brasilianischen Investor immer noch geschätzte<b> 27 bis 28 Milliarden Franken. </b> Die . Firmengründer Ingvar Kamprad lebt zwar wieder in Schweden, doch seine drei Söhne Jonas, Mathias und Peter besitzen den Schweizer Pass. Sie leiten heute das Unternehmen. Musiker geschätzt. Auch Auch der F1-Star Das Sie verfügen über ein Vermögen von <b>400 bis 450 Millionen Franken</b>: <b>Roger und Mirka Federer.</b> Der in Genf wohnhafte Brasilianer <b>Paulo Coelho</b> ist eines der neueren Gesichter im «Bilanz»-Ranking. Er besitzt etwa <b>400 bis 450 Millionen Franken</b>. Die Bücher des Starautors sind weltweit Bestseller. Der spanische Stararchitekt <b>Santiago Calatrava</b> ist ebenfalls mit dabei auf der Liste. Er besitzt <b>100 bis 150 Millionen Franken.</b> Auch reich: <b>Daniel Vasella. </b>Das Vermögen des Ex-Novartis-Manns wird auf <b>350 bis 400 Millionen Franken geschätzt.</b> Neu im Ranking: <b>Marina Picasso</b>, Enkelin des Malers Pablo Picasso. Sie verfügt über ein Vermögen von <b>1,5 bis 2 Milliarden Franken.</b>

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Wirtschaftliche Ungleichheit und gesellschaftliche Polarisierung werden in den nächsten zehn Jahren die weltweite Entwicklung am stärksten beeinflussen, wie der Global Risks Report 2017 des Weltwirtschaftsforums (WEF) zeigt. Die Stabilität der Gesellschaften sei deswegen gefährdet. Zu den anderen weltweiten Risiken zählen demnach der Klimawandel und seine Auswirkungen, die Abhängigkeit vom Internet sowie die alternde Bevölkerung in vielen Staaten. Die Macher des Global Risk Report befragten rund 750 internationale Experten.

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Das Thema der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich treibt in der Schweiz nicht nur Experten, sondern auch die Superreichen um. «Die Sorge um die soziale Ungleichheit gibt es auch bei einzelnen Superreichen», sagt Ueli Mäder, emeritierter Soziologie-Professor der Universität Basel. Für seine Forschung habe er viele Interviews mit Reichen geführt und einige von ihnen würden sich zunehmend Gedanken über die Kluft zwischen ihnen und dem Rest der Gesellschaft machen.

Die Angst der Reichen

«Auch Reiche haben Angst vor der weiteren Entwicklung und wären für einen gewissen sozialen Ausgleich.» Als Beispiel nennt Maeder den Unternehmer und Multimillionär Guido Fluri. Er setzt sich mit seiner Stiftung unter anderem gegen Kindergewalt ein. Aber es wäre heikel, so Mäder, die Existenzsicherung für alle vom Goodwill der Reichen abhängig zu machen.

Bemerkenswert ist laut Mäder auch, dass etliche Schweizer Superreiche sich nicht ganz abschotten und eher offen sind, über das Thema zu reden. So hätten sie auch Soziologie-Studenten ihre Türen geöffnet und Interviews für Forschungszwecke gegeben. «Eine gewisse Gesprächsbereitschaft ist oft da», sagt Mäder.

Rekordverdächtige Millionärsdichte

Die Schweiz weist eine der weltweit höchsten Millionärsdichten auf. Allein das Vermögen der 300 Reichsten ist 2016 auf einen neuen Rekord gestiegen: Zusammengezählt kommen sie auf die kaum vorstellbare Summe von 613 Milliarden Franken; das sind 18,6 Milliarden mehr als im Vorjahr, wie die Zeitschrift «Bilanz» im Dezember errechnete. Würde ihr Vermögen auf die Bevölkerung der Schweiz aufgeteilt, erhielte jeder Einwohner 73'673 Franken bar auf die Hand.

Dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund zufolge hat sich die Ungleichheit verschärft: Die 2,1 Prozent der Reichsten besitzen in der Schweiz gleich viel wie die restlichen 97,9 Prozent, heisst es im Verteilungsbericht 2016 des Gewerkschaftsbundes.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gstar am 11.01.2017 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    kommt drauf an

    Meiner Meinung nach gibt es verschiedene Aspekte. Reich sein ist an und für sich nichts verwerfliches. Verwerflich ist nur der Graben zwischen reich und extrem reich und wie man reich wird. Es gibt extrem Reiche aus Firmen, die könnten ihren Mitarbeitern, die ja die Hauptarbeit machen, mehr zurückgeben. Da ist meiner Meinung nach das Problem. Und mit Mitarbeiter meine ich jeden, auch die Sekträterin. Klar vieles wurde gut investiert, was meistens ja der Mittelschicht vorbehalten bleibt, da Mindestvolumen und Beziehungen nötig sind. Und das ist ebenfalls unsauber.

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  • Nik am 11.01.2017 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Kommen sie so langsam dahinter. Ob es sie tangiert ist eine andere Frage..

  • Morechief am 11.01.2017 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist Tot

    Die schwerreichen bemerken uns ärmeren nicht mal! Was für eine Kluft wollen die schon sehen! Das ist keine Kluft das ist der Mariannengraben... Aber sollen sie doch noch mehr von den Milliarden auf der welt einkassieren und ein lebenlang einlagern... Die rechnung geht nicht auf sie haben immer mehr und wir haben imer das gleiche! Geld ist Tot

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sherpa67 am 11.01.2017 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Porsche und Prada

    Ich wünschte unsere ach so heimelige zentraleutopäische komfortzone würde mal von einer Megakatastrophe getroffen. Ein Beben oder ein Reaktorgau! Dann würden die ideologisch verseuchten Neokapitalisten vielleicht selber mal auf Solidarität und Barmherzigkeit verlassen müssen. Aber dieses humanistische Fegefeuer wird wohl nicht passieren. Die nächste Katastrophe wird wohl wieder die Treffen, die ohnehin nichts haben. Na ja, Hauptsache ich fahr Porsche oder trage Prada

  • Laura am 11.01.2017 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt genügend von allem

    Ob Wasser, Essen, Jobs, Geld... es gibt für alle weltweit genügend! Das Problem: Die Verteilung davon ist sehr ungerecht ;) 50% aller Menschen haben ein Vermögen von weniger als 3000.-. Ab ca. 80'000.- Vermögen (Geld, Auto, Hausrat etc) gehört man zu den Top 10% weltweit... jammern wir nicht alle auf einem surrealen Niveau? ;)

    • Donna M. am 11.01.2017 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      Nein, das hat nichts mit jammern zu tun. Es ist Fakt, dass die Reichen immer reicher werden. Und viele in diesem Land den "Fünfliber"zwei mal umdrehen müssen. 2/3 der Menschen Hungern. Warum wohl? Weil viele Superreiche ihre Schäfchen stets ins Trockene bringen. Dabei könnten diese mit einem Schlag, AHV/IV und Sozialämter sanieren. Handeln, anstatt nur an die Armen denken.. Nur darüber nachdenken bringt kein Essen auf den Tisch.

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  • Mister X am 11.01.2017 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Nehmt das Geld von den Reichen und verteilt es unter den Armen. Und übermorgen sind alle arm!

  • Winkelried74 am 11.01.2017 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelstand ?

    Lustig wenn ich höre das vom Mittelstand die rede ist ... Unwort des Jahrhunderts ... der Arbeiter ist immer und war schon immer der Ausbeutung ausgeliefert und das wird auch so bleiben ... zuviele denen es noch zu gut geht um was zu ändern .

  • Human am 11.01.2017 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nachdenklich

    Die Frage ist: Was braucht der Mensch wirklich? Umso mehr Konsum (Wirtschaftswachstum) im Vordergrund steht, umso mehr Geld wird für irgendwelche unnützen Dinge verschleudert, das Menschen ohne Geld ernähren könnte. Der Planet wird zugemüllt, wir schaden uns selber mit dieser Konsumsucht. Würde gerecht verteilt, wäre der Menschheit geholfen. Es ist doch irrsinnig zu glauben dass Menschen nach materiellem Besitz als angesehen oder minderwertig klassifiziert werden. Alle Menschen sind gleich viel Wert. Leben darf nicht vom Geld abhängig sein!!