Witwe klagt an

29. August 2013 09:44; Akt: 30.08.2013 10:12 Print

Trägt Ackermann am Tod Wauthiers Mitschuld?

von Lukas Hässig - Happige Vorwürfe an die Adresse von Josef Ackermann. Wauthiers Witwe beschuldigt den zurückgetretenen VR-Präsidenten, ihren Mann in die Enge getrieben zu haben.

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Der Grund für Ackermanns raschen und nicht erwarteten Rücktritt ist laut einer Quelle aus dem Umfeld von Ackermann die Witwe des verstorbenen Finanzchefs. (Bild: Keystone/Boris Roessler)

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Josef Ackermann gab am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt als Präsident des Versicherungskonzerns Zurich bekannt. Der Grund liegt im Freitod von Pierre Wauthier von Anfang Woche. Wauthier war Finanzchef der Zurich Versicherung und hatte mit Präsident Ackermann im Geschäftsalltag direkt zu tun.

Der Grund für Ackermanns raschen und nicht erwarteten Rücktritt ist laut einer Quelle aus dem Umfeld von Ackermann die Witwe des verstorbenen Finanzchefs. Diese sieht als Ursache für das Ableben ihres Mannes den harten Führungsstil von Ackermann. Dieser sei sehr fordernd gegenüber dem Top-Management gewesen und habe damit ihren Mann in die Enge getrieben.

Laut der Quelle hat Frau Wauthier diese Vorwürfe gegenüber dem operativen Chef der Zurich, CEO Martin Senn, sowie dem übrigen Management und dem Verwaltungsrat erhoben. Bisher sei die Kritik der Frau nur mündlich erfolgt, sagte die Quelle heute Morgen.

Der Gesprächspartner, der Joe Ackermann seit vielen Jahren kennt, weiss, dass Ackermann fordernd aufgetreten sei. «Ackermann ist bei der Zurich nicht Präsident geworden, um nichts zu verändern», sagt der Insider. Der Versicherungskonzern habe zwar in den USA eine führende Marktstellung, in vielen übrigen Ländern hinke das Unternehmen aber hinter der Konkurrenz her.

Nach Deutsche Bank erst kurz beim Versicherungskonzern

Ackermann, der erst vor einem Jahr von der Deutschen Bank an die Spitze der Zurich Insurance Group gestossen war, habe die Versicherung wachrütteln wollen, sagt die Quelle. «Das hat er im Gespräch mit dem Management klargemacht, da gab es auch Debatten mit dem verstorbenen Finanzchef.» Diese hätten sich aber im für solche Positionen üblichen Stil gehalten. «Es gab keinen Streit, keine Drohung», sagt der Ackermann-Vertraute. «Alles spielte sich im normalen Rahmen ab.»

Dies sehe auch Zurich-CEO Senn so. Laut Senn, so die Quelle, seien die Diskussionen um die Zukunft des Versicherungskonzerns zwischen Präsident Ackermann und dem obersten Management im üblichen Rahmen abgelaufen. Alles habe sich ums Geschäftliche gedreht, es sei nie um Persönliches gegangen.

Ackermann wollte laut der Quelle bereits vor zwei Tagen sein Amt niederlegen. Berater hätten ihn anfänglich davon abgehalten. Er soll «nicht gleich die Flinte ins Korn werfen», hätten ihm diese gesagt, wie die Quelle ausführt.

Ackermann hatte Rolle bei Zurich noch nicht gefunden

Ackermann habe dann aber gestern entschieden, per sofort zurückzutreten. Ackermann teilte heute früh mit, dass in der Familie des Verstorbenen der Eindruck entstanden sei, dass er ein Grund für den Suizid gewesen sei. Es gehe darum, Schaden vom Unternehmen fernzuhalten.

Der Ackermann-Vertraute meint, Ackermann habe im engsten Umfeld gesagt, er habe keine Lust, sich mit den Vorwürfen der Familie auseinanderzusetzen. «Das habe ich nicht nötig», habe Ackermann sein Umfeld wissen lassen, sagt die Quelle.

Ackermann war bei der Zurich Insurance Group noch nicht derart etabliert, wie sich das der erfolgsverwöhnte und selbstsichere Spitzenmanager möglicherweise erhofft hatte. Ackermann gilt als absoluter Machtmensch. Bei der Zurich gibt aber traditionell der CEO den Ton an, während der Präsident im Hintergrund wirkt. Möglicherweise war diese Rolle Ackermann nicht auf den Leib geschnitten.¨

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hallo am 29.08.2013 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja. Auf jeden Fall gibt's daraus eine Schlammsch

    Eher der CEO ist Schuld. VR Präsident hat ja nicht so viel zu sagen wie der CEO steht im Bericht

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  • tobytailor am 29.08.2013 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt für Ackermann

    Der Schmerz von Frau Wauthier ist verständlich und es ist nachvollziehbar, dass sie nach einem Schuldigen für den Suizid ihres Mannes sucht. Doch schlussendlich war es die alleinige Entscheidung von Pierre Wauthier, aus dem Leben zu scheiden statt Hilfe zu holen oder das Unternehmen zu verlassen. Auf oberster Führungsebene von global tätigen Unternehmen ist die Luft dünn, dass weiss jeder. Die Millionensaläre sind deshalb auch eine Art Schmerzensgeld.

  • daniel hofer am 29.08.2013 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau

    Immerhin hat er sehr im Gegensatz zu anderen Präsidenten (Rega etc.etc.) sofort die Konsequenzen gezogen. Das finde ich vorbildlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tobytailor am 29.08.2013 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt für Ackermann

    Der Schmerz von Frau Wauthier ist verständlich und es ist nachvollziehbar, dass sie nach einem Schuldigen für den Suizid ihres Mannes sucht. Doch schlussendlich war es die alleinige Entscheidung von Pierre Wauthier, aus dem Leben zu scheiden statt Hilfe zu holen oder das Unternehmen zu verlassen. Auf oberster Führungsebene von global tätigen Unternehmen ist die Luft dünn, dass weiss jeder. Die Millionensaläre sind deshalb auch eine Art Schmerzensgeld.

  • PsyKP am 29.08.2013 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Verantwortung

    Liegt letztlich nur bei der person, die sich etwas antut, bei niemand anderem. Alles andere mögen beeinflussende faktoren sein, aber verantwortung muss jeder einzelne selber tragen.

  • Jürg Greiff am 29.08.2013 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ursache

    Wer kennt denn schon die wahren Hintergründe dieses Ereignisses. Auch wenn es für die Angehörigen schwer zu verstehen ist, die ganze Wahrheit wird auch in diesem Fall wohl kaum je geklärt werden können.

  • Thomas Bosshard am 29.08.2013 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Loosli soll zurücktreten

    Nun sollte auch der VR-Präsident der Swisscom, Hansueli Loosli, die Konsequenzen ziehen und möglichst rasch abtreten.

  • daniel hofer am 29.08.2013 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau

    Immerhin hat er sehr im Gegensatz zu anderen Präsidenten (Rega etc.etc.) sofort die Konsequenzen gezogen. Das finde ich vorbildlich.

    • Normalo M. am 29.08.2013 10:32 Report Diesen Beitrag melden

      Unpassend

      Auf diesem Level muss man mit Druck, Macht und Härte umgehen können. Nicht umsonst verdienen Top Manager so viel Geld....

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