Tourismus

27. November 2017 22:35; Akt: 27.11.2017 22:35 Print

5 Mythen über die Hochpreis-Insel Schweiz

von V. Blank - Die Schweiz gilt als eines der teuersten Länder der Welt. Unter diesem Image leidet der Tourismus. Welche Fakten sind wirklich wahr, was sind Vorurteile?

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Die Schweizer Tourismusbranche hat schwierige Jahre hinter sich. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 hat die Preise für ausländische Gäste auf einen Schlag massiv teurer gemacht – und das wiederum hat das Image der Schweiz als Hochpreisinsel einmal mehr zementiert.

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Die Preise im hiesigen Tourismus beschäftigten denn auch die Branchenvertreter an der diesjährigen Igeho, der Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie. 20 Minuten hat Andreas Züllig, Präsident des Verbands Hotelleriesuisse und selber Chef eines Hotels, mit fünf Punkten konfrontiert, die der Branche häufig vorgeworfen werden – und ihn gefragt: wahr oder falsch?

• Der Schweizer Tourismus ist selber schuld an den hohen Preisen
Falsch, sagt der Hotelleriesuisse-Präsident. «Wir zahlen viel höhere Löhne in der Schweiz – da kann man nicht erwarten, dass wir dieselben Preise haben wie etwa die Österreicher.» Die Personal- und Materialkosten seien in der Schweiz massiv höher als im nahen Ausland – «das schlägt sich logischerweise in den Preisen nieder», so Züllig. So müssten Schweizer Hoteliers etwa für Fleisch oder Küchengeräte deutlich mehr bezahlen als die Kollegen aus der EU.

Wegen der hohen Preise will sowieso niemand in der Schweiz Ferien machen
Fakt ist: Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank ist die Zahl der europäischen Gäste eingebrochen. Allein im Jahr 2015 sank die Zahl der Hotel-Logiernächte in diesem Segment um 1,2 Millionen oder 9,3 Prozent. «Doch jetzt ist es zur Trendwende gekommen – darum ist diese Aussage aus heutiger Sicht falsch», so Hotelier Züllig. Er verweist auf die Zahlen des Bundesamts für Statistik: Von Januar bis September 2017 haben 4,5 mehr Gäste in Schweizer Hotels übernachtet als in der Vorjahresperiode. Sogar Deutschland, der wichtigste ausländische Herkunftsmarkt für den Schweizer Tourismus, zeigt erstmals wieder ein positives Gesamtergebnis (+0,4 Prozent).

Die Verpflegung kostet so viel mehr als im nahen Ausland
Diese Einschätzung ist wahr, sagt der Hotelleriesuisse-Präsident: «In der Gastronomie können wir preismässig nicht mit der ausländischen Konkurrenz mithalten.» Das liege unter anderem an der abgeschotteten Schweizer Landwirtschaft. «Fleisch beispielsweise kostet uns Hoteliers doppelt so viel wie unsere ausländischen Mitbewerber.»

Schweizer Hotels sind immer teurer als deutsche oder österreichische
Es hält sich hartnäckig in den Köpfen der ausländischen Gäste: Für den Hotelaufenthalt in der Schweiz zahlt man deutlich mehr als in anderen Alpenländern. «Doch das stimmt nicht mehr», sagt Züllig. Der Hauptgrund: Der Franken hat sich gegenüber dem Euro in den letzten Monaten abgeschwächt. Kostete ein Euro im frühen Sommer noch unter 1.10 Franken, sind es derzeit rund 1.16 Franken. «Die Preise in der Schweizer Hotellerie sind um rund 6 Prozent gesunken und bewegen sich jetzt wieder auf dem Stand von Anfang 2015», so Züllig. Ein 4-Stern-Hotel in der Schweiz sei heute nicht mehr teurer als etwa im Südtirol.

Skifahren in der Schweiz kann man sich nicht leisten
Winterferien in den Schweizer Bergen sind ein Luxus, der für Ausländer fast nicht mehr bezahlbar ist – so denken viele Touristen aus dem Ausland. «Falsch», entgegnet Züllig, «es gibt mittlerweile sehr viele Schweizer Skigebiete, bei denen die Tageskarte günstiger ist als etwa in Österreich.» Viele Schweizer Destinationen haben in den letzten Jahren Skipass-Aktionen gestartet oder eine flexible Preisgestaltung eingeführt. Das hat die Preise massiv gedrückt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simone am 27.11.2017 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein

    Ja Herr Züllig. Und darum kostet 1 Liter Mineralwasser 12.-! Oder ein geschmackloses Töpfchen Suppe 10.-! Hört doch mal auf, das immer mit den höheren Kosten zu rechtfertigen.

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  • Pragmatiker am 27.11.2017 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und die Freundlichkeit?

    Warum ist die in der Schweiz so lausig? Bitte Herr Oberhottelier...

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  • Expat am 28.11.2017 04:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freundlichkeit kostet nichts

    Ich komme als Auslandschweizer regelmässig in den Urlaub in die Schweiz. Der Urlaub ist unglaublich teuer, Hotels, Essen und Transport sind mindestens doppelt so teuer wie im Europäischen Durchschnitt. Da ich ein gutes Budget aufstelle kann ich das auch belegen, es ist kein Bauchgefühl. Aber ich nehme das in Kauf für die schöne Schweiz. Was mich aber gewaltig nervt ist die Unfreundlichkeit des meist ausländischen Gastropersonals. Nicht mal mehr Mundart verstehen die Leute. Ich komme auch in die Schweiz um wieder mal meine Sprache zu sprechen und zu hören.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Dehl am 28.11.2017 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    40% Lohnverzicht

    Komische Posts hier. Geht morgen alle zu euren Chefs und lasst sie wissen, dass Ihr auf 40% eures Lohnes verzichten wollt. So gehen die Preise dann in der Schweiz auch runter und niemand hier muss mehr jammern.

  • Spiritualist am 28.11.2017 22:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Insel?

    Also der grösste Mythos, ist ja der, dass wir 'Eidgenossen' eine 'was auch für immer-Insel' sind. Ohne Einflüsse von Aussen, die zum Teil einseitig verteilt und wahrgenommen werden, geht auch bei uns nix mehr...und 'Schwiizer Fleisch ich weiss warum...etc. ha ha ha...ja mit Soja, Kraftfutter und Futtermitteln, die so schweizerisch sind wie 'der Urwald in Brasilien'...und keine einzige Beiz ab einer gewissen Grösse, existiert ohne 'Tellerwäscher aus 'irgrndwo' zum Hungerlohntarif!

    • Rütlischwörer am 28.11.2017 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      Ohne Insel keine Schweiz

      Ohne die "Insel" ist es in 100 Jahren vorbei mit der Willensnation "Schweizerische Eidgenossenschaft". Denn wenn die wirtschaftlichen Vorteile des Alleingangs entfallen und ein wirklich freier Personen- und Güteraustausch stattfinden kann, sind den Westschweizern die Franzosen auf einmal näher und den Tessinern die Italiener. Nur die Deutschschweizer würden tapfer weiter Schwyzerdütsch reden und sich mit dem Fürstentum Liechtenstein zusammen tun, niemals aber mit den Deutschen und Österreichern, denn die sind und bleiben die Erzkonkurrenz im harten Tourismusgeschäft rund um den Wintersport....

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  • huschmie am 28.11.2017 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wintersport bei uns nur für Gutverdiener

    Die Schweiz ist keine Land für Massentourismus. Wer es sich leisten kann und will, soll die hohen Preise zahlen und auch damit prahlen, dass er in St. Moritz oder Zermatt Ferien gemacht hat. Für weniger gut Verdienende ist aber Wintersport bei uns eindeutig zu teuer. Also Angebot der Nachfrage anpassen und nicht immer noch mehr bauen.

  • Roman Kuster am 28.11.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir alle sind schuld

    sind wird doch mal ehrlich..... ich bin Elektriker....wenn ich einen Schalter in einem Restaurant auswechseln muss berechnet mein Chef dem Restaurant einen Stundensatz von 118 Schweizer Franken.....mein deutscher Kollege nimmt für die selbe Arbeit aber nur 32 Euro die Stunde...ergo sind dann halt auch die Preise im Restaurant höher....also ich kann es schon verstehen...

  • Ehici am 28.11.2017 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkanstoss!

    Was meint ihr wird passieren, wenn das liebe sprich das Üble Geld an Wert verlieren wird und die Zinsen nach oben Gehen? Realisiert Ihr eigentlich, wie alle wie verrückt investieren wollen und machen die Milch Bruchrechnung mit der aktuellen Kaufkraft und der Stärke der Währung geltend. Das Geld war noch nie so billig wie heute aber wehe denen die jetzt auf Basis dessen investieren und Rendite versprechen werden in Zukunft sobald sich diese zwei Faktoren ändern die grossen Verlierer sein. Ich finde es fatal, weil sich die Geschichte wie immer wiederholen wird!

    • Peter am 28.11.2017 17:49 Report Diesen Beitrag melden

      Denk zurück

      Ihre Rechnung stimmt so nicht, würde man nur ein bisschen an der Zinsschraube drehen würde der ganze Weltwirtschaftsmotor ins stottern kommen. Deshalb getraut sich keine einzige Nation oder Nationalbank die Zinsen anzuheben, es geht nicht mehr ohne einen Crash zu riskieren. Verfehlte Geldpolitik, ja, aber man hat kein Gegenmittel (mehr).

    • Ehici am 28.11.2017 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter, das sehe ich auch so!

      Könnte es eventuell sein das der BITCOIN in diesem Spiel den Schwarzen Peter spielen wird.

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