Jeden Dezember

30. Dezember 2015 08:50; Akt: 30.12.2015 11:05 Print

Heben Steuertrickser Ende Jahr 1000er-Noten ab?

von F. Lindegger - Die Zahl von 1000er-Noten, die im Umlauf sind, nimmt laufend zu – insbesondere im Dezember. Eine mögliche Erklärung: Steuern sparen.

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Das Phänomen lässt sich jedes Jahr beobachten: Der Umlauf von Tausendernoten schnellt im Dezember in die Höhe, um anschliessend im Januar wieder deutlich zurückzugehen. Im Dezember 2014 etwa waren laut Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 40'536'114 Tausendernoten im Umlauf – rund zwei Millionen mehr als noch im November. Im Januar 2015 wiederum zirkulierten noch 40'361'522 Tausendernoten. Doch was sind die Gründe dafür, dass sich Tausendernoten jeden Dezember solch grosser Beliebtheit erfreuen?

Eine mögliche Erklärung für das Phänomen hat Mathias Binswanger, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Privatdozent an der Universität St. Gallen. «In erster Linie haben die Bargeldbewegungen im Dezember wohl mit den Steuern zu tun», sagt Binswanger. Per Ende Jahr erhalten Kunden normalerweise den Kontoabschluss von ihrer Bank. Dieser wiederum wird unter anderem für die Berechnung der Steuerhöhe verwendet. Wird im Dezember Bargeld bezogen und gehalten, um dieses im Januar wieder einzuzahlen, kann der Betrag, der im Kontoabschluss ausgewiesen wird, nach unten korrigiert werden. Damit liesse sich theoretisch etwa bei der Vermögenssteuer sparen. Allerdings ist das Sparpotenzial bei Vermögenssteuern in den meisten Kantonen sehr beschränkt.

Mit dem Bezug von Tausendernoten lassen sich aber auch gewisse Auffälligkeiten vermeiden. «Durch das Auszahlen von Bargeld Ende Jahr kann verhindert werden, dass auf einem Kontoabschluss im Vergleich zum Vorjahr plötzlich viel mehr Geld ausgewiesen wird», so Binswanger. Wäre dies der Fall, dürften Steuerverwaltungen misstrauisch werden, falls der plötzliche Vermögenszuwachs kaum mit dem ausgewiesenen Einkommen erzielt werden kann. Binswanger sagt aber auch: «Es gibt keine gesicherten Informationen, weshalb im Dezember jeweils mehr Tausendernoten im Umlauf sind.»

Geld für Weihnachtsgeschenke oder Boni?

«Über die Gründe kann man nur spekulieren», sagt auch SNB-Sprecher Walter Meier zu 20 Minuten. «Es ist möglich, dass dies auf das Weihnachtsgeschäft zurückzuführen ist und grössere Geschenke auch mal mit einer Tausendernote bezahlt werden.» Vielleicht werden die grossen Banknoten auch für die Auszahlungen von Boni oder Weihnachtsgeld in KMUs verwendet. Diese Vermutung äussert Marc Parmentier, Banken-Experte beim Vergleichsdienst Comparis.

Abgesehen von den regelmässigen Anstiegen im Dezember hat die Zahl der zirkulierenden Tausendernoten in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Im Oktober 2015 wurde mit 42'845'407 Tausendendernoten im Umlauf ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. «Einer der Gründe dafür ist wohl, dass die Zinsen für das Geld auf dem Bankkonto zurzeit sehr tief sind», sagt SNB-Sprecher Walter Meier. Tausendernoten dienten deshalb als Wertaufbewahrungsmittel.

Beliebt in unsicheren Zeiten

Dass mehr Tausendernoten in Umlauf kommen, kann auch mit fehlendem Vertrauen in das Bankensystem zusammenhängen. «Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Herbst 2008 nahm der Bargeldumlauf um rund fünf Milliarden Franken zu», erklärt Meier. Bei der Zahl der sich im Umlauf befindenden Tausendernoten ist die Zunahme im Herbst 2008 ebenfalls deutlich sichtbar. Und auch mit Beginn der Eurokrise 2010 erfreuten sich Tausendernoten einer grösseren Beliebtheit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jakob am 30.12.2015 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern sparen

    Ich arbeite auf der Bank und ich finde es immer wieder witzig wie viele Personen Ende Jahr paar Tausend abheben kommen und im Januar wieder einzahlen, um Steuern zu sparen. Jedoch, liebe Leute, Sparen Sie damit ein paar Franken, denn die Vermögenssteuer ist klein. Besser wäre es bei der Einkommenssteuer zu sparen.

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  • Markus D. am 30.12.2015 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenslücke

    Im Jahr 2013 haben insgesamt 660'965 Steuerpflichtige (Alleinstehende und Ehepaare) im Kanton Bern steuern bezahlt. Davon 448'709 Personen auch Vermögenssteuern. Klingt nach vielen Personen: wenn man die Statistik vom Kanton Bern jedoch etwas genauer anschaut, dann fällt auf, dass sage und schreiben 513'212 Steuerpflichtige weniger als CHF 300.- Vermögenssteuern bezahlen. Bis zu einem steuerbaren Vermögen von fast CHF 200'000.- bezahlt man somit weniger als CHF 300.- Steuern! Wenn da nun TCHF 10 weniger auf dem Konto ist spart man also irgend wie CHF 20.-. Gratulation für diesen Steuertrick!

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  • Arbeiter am 30.12.2015 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Probleme habe ich nicht

    Denn ich kann nicht mit 1000er Noten um mich schmeissen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • steuerverflüchtigter am 30.12.2015 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Geldprobleme?

    weise Worten eines Bekannten: Steuern?Banken? Gottseidank habe ich keine Geldprobleme, denn Geldprobleme nur was für Leute mit Geld :-) Guten Rutsch nach 2016

    • stefan schmid am 31.12.2015 03:08 Report Diesen Beitrag melden

      steuern

      ja unsere 7 köpfe in bern verdienen ca. 40tausend im MONAT, für die ist es kein problem, die müssen vielleicht nicht mal steuern zahlen.

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  • Hugo am 30.12.2015 22:37 Report Diesen Beitrag melden

    Lustige Kommentare hier

    vorallem diejenigen welche das abheben am Jahresende und wiedereinzahlen am Jahresanfang zu rechtfertigen versuchen weil ja der Staat angeblich so ein Abzocker ist. Da kann ich nur Lachen, denndie werden wohl kaum Mitleid oder Verständnis von jemandem bekommen der die 1000er Note nur vom Zeitungsbild her kennt und jeden Monat den Franken 2 mal Umdrehen muss damit er seine Familie über die Runden bringt. Also ihr Reichen Schnösel.. immer schön den Ball flach halten ... und seid froh das ihr das Privileg zum Steuerhinterzug habt.

  • Hess am 30.12.2015 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Besserwisser

    Wenn wir die direkten Steuern abschaffen, werdet ihr ausnahmslos darum bitten sie wiedereinzuführen oder die Umsatzsteuer zu erhöhen. Euch fehlt das Wissen und die Vorstellungskraft um die Konsequenzen nur zu erahnen. Leute die keine Ahnung haben dürfen ihre Meinung auch kundtun und genau das ist es, was so viele hier machen.

    • FASANO am 31.12.2015 04:52 Report Diesen Beitrag melden

      Hohn gegenüber harter Arbeit.

      Ich verachte den Staat dafür, dass er mein mit harter Arbeit erwirtschaftetes Steuergeld so leichtfüssig für Wirtschaftsflüchtlinge und die EU aus dem Fenster wirft.

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  • Währungsspezialist am 30.12.2015 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Faktor ist die Geldentwertung.

    Ganz ausser Acht gelassen, wird die Geldentwertung. Da muss man dann halt zu Tausendern greifen, wo vor einem Jahr noch Hunderter genügten.

    • Trex am 30.12.2015 21:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Währungsspezialist

      Jawohl, vorallem bei einer negativen Teuerung, wie wir sie dieses Jahr hatten...

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  • Wüsten-Rennmäusli am 30.12.2015 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Staat bestiehlt seine Einwohner

    Ja liebe Leute, wäre die Schweiz nicht so ein Abzockerland, .... Vermögenssteuern sind nur Diebstahl. Das ist Geld für das man schon gearbeitet und Steuern bezahlt hat. Jedes Jahr wird man vom Staat bestohlen, indem man für sein bereits versteuertes Vermögen wieder zahlen soll.

    • Geldspezialist am 30.12.2015 18:37 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, das ist so...

      Durch die Vermögenssteuern wird das Vermögen von Jahr zu Jahr weniger, bis es verschwunden ist. Den Sozialisten (SP) haben wir das zu verdanken.

    • Baslerbebbi am 31.12.2015 06:56 Report Diesen Beitrag melden

      In Gold

      @W.-Rennmäusli + Geldspezialist: Das gab es schon früher, das ist nicht neu. Ich kannte Leute, die jeden Monat 1 bis 2 Goldvreneli kauften und diese in den Sparstrumpf steckten. Zum Teil hat man diese ausgelacht, aber im Grunde hatten sie Recht. Nur Bares ist wahres - und Gold erst recht.

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