Schönheits-OP

21. September 2015 11:32; Akt: 24.09.2015 13:49 Print

Krankenkassen zahlen Brustvergrösserung

von Claudia Landolt - Sanitas bietet eine Zusatzversicherung an, die Schönheitsoperationen teilweise übernimmt. Konsumentenschützer sind empört.

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Brustoperationen wie hier in der Klinik Pyramide am See in Zürich gehören zu den beliebtesten und häufigsten ästhetischen Eingriffen. Brustvergrösserungen, Fettabsaugungen sowie Bauchstraffungen und ab einem gewissen Alter Gesichtseingriffe sind die beliebtesten OPs. Diese Eingriffen werden in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen. Die Krankenkasse Sanitas bietet aber jungen Leuten eine Zusatzversicherung an, die einen Teil der Kosten einer Schönheitsoperation übernimmt. Sanitas betont, dass aber ein ärztliche Verordnung vorliegen muss. Weil Sanitas festgestellt hat, dass viele Kundinnen und Kunden Fragen und Informationsbedürfnisse im Bereich der ästhetischer Medizin haben, die über Versicherungsfragen hinausgehen, hat Sanitas im Frühling 2015 die neutrale Informationsplattform Sanitas-aesthetica lanciert. Darauf sind 3-D-Simulationen möglich. (Bild: Screenshot) Sara Stalder, SKS-Geschäftsleiterin (links, neben Prisca Birrer-Heimo, SKS-Präsidentin) findet dieses Vorgehen einer seriösen Krankenkasse nicht würdig und taxiert es als verantwortungslos, weil es «den Wunsch wecke, mit operativen Eingriffen kostengünstig zu einem Traumkörper zu kommen», wie sie 20 Minuten sagt. Im Jahr 2014 gab es in der Schweiz pro hunderttausend Einwohner rund 644 Schönheitsoperationen. Damit ist die Schweiz nach Brasilien das operationsfreudigste Land der Welt. Regelmässig schwappen die neusten Trends aus dem Ausland auch zu uns. Neuster OP-Trend: die Vaginalstraffung. Sie soll zu einem erfüllteren Sexualleben bei Paaren führen. Aus England kommt ein neuer Hype auch in die Schweiz: «Tittooing». Dabei werden die Brustwarzen der Frauen farblich und in der Grösse korrigiert. Wenn es um Schönheit geht, wird offenbar kein Körperteil verschont, wie diese Bildergalerie zeigt. Schönheitsoperationen liegen weltweit stark im Trend. Auch bei Minderjährigen. 2011 wurden in den USA 230'617 Eingriffe an Teenagern vorgenommen, u. a. Nasenkorrekturen (33'892), Brustreduktionen bei Jungs (14'371), Botox-Injektionen (16'160) und Brustvergrösserungen (8892). Er hat das Soft-Lifting erfunden: Dr. Michel Pfulg ist ein renommierter ästhetischer und plastischer Chirurg sowie Gründer der Laclinic in Montreux. Helena Rubinstein hat zusammen mit dem Experten die neue Anti-Aging-Linie Re-Plasty entwickelt, die auf Behandlungen der ästhetischen Medizin basiert. Helena Rubinstein (1870-1965), die Gründerin des gleichnamigen Labels, begann mit 18 Jahren ein Medizinstudium in Krakau und danach in Zürich. Sie brach es ab, wanderte nach Australien aus und eröffnete 1902 ihren ersten Schönheitssalon. Sie eröffnete zwei weitere Schönheitssalons - und zwar in London (1908) und Paris (1912). 1914 wanderte Rubinstein in die USA aus und baute sich ein Kosmetikimperium auf. Bis zu ihrem Tod umfasste ihr Unternehmen 100 Niederlassungen in 14 Ländern und rund 30'000 Beschäftigte. Das Label gehört auch heute noch zu den führenden Marken im Luxus-Beauty-Segment. In Hollywood gibt es wohl kaum einen Star, der sich nicht durch ästhetische und plastische Chirurgie hat verschönern lassen. Megan Fox (26) hat sich mehrmals unters Messer gelegt - und zwar für eine Augenlid- und Nasen-Korrektur. Zudem hat sie sich Lippen und Wangen aufspritzen lassen. Scarlett Johansson (27) hat sich die Nase verkleinern und die Lippen aufspritzen lassen. Schauspielerin Cameron Diaz (39) hat sich 2011 die Brust vergrössern lassen. Gemäss Aussage mehrerer plastischer Chirurgen hat sich Miley Cyrus (19) die Brüste vergrössern lassen. Hollywood-Beau George Clooney (51) legte sich vor einigen Jahren zwecks einer Augenlid-Korrektur unters Messer. Dies hat er auch öffentlich zugegeben. Sandra Bullock lässt sich durch Hyaluronsäure- und Botox-Injektionen verjüngen. Michelle Pfeiffer (54) hat einen guten Beauty-Doc gewählt. Sie hat sich mehrmals unters Messer gelegt (u. a. für eine Nasen-OP) und sich auch Lippen und Wangen aufspritzen lassen. In «Dark Shadows», dem neuen Film von Tim Burton, sieht sie auch in Nahaufnahmen fantastisch aus. Bevor sie als Rachel Green in «Friends» internationalen Ruhm erlangte, liess sich Jennifer Aniston (43) ihre Nase operieren. Jennifer Garner (40), die Ehefrau von Ben Affleck, liess sich Lippen und Falten aufspritzen und den Busen vergrössern. Für die Schönheit legte sich auch Filmstar Ryan Gosling (31) unters Messer. Seine grosse Hakennase störte ihn. In der Schweiz wird jede fünfte Schönheits-OP an einem Mann durchgeführt. Erfolgreiche Männer wie Sylvester Stallone (65) und Arnold Schwarzenegger (64) zeigen sich in der Öffentlichkeit weiterhin sehr gepflegt und immer stylish angezogen. Gemäss Dr. Richard Ellenbogen aus Beverly Hills hat sich Schwarzenegger einiges machen lassen: Facelifting, Halsstraffung, Kinnkorrektur und Faltenaufspritzung. Auch Schauspielerin Blake Lively (24) hat sich einer Nasen-OP unterzogen. Hier der Vergleich: Die Hakennase (links) ist einer perfekten Nase gewichen. Dita Von Teese (40) hat sich den Busen vergrössern lassen. Ihr Markenzeichen ist ihre makellose Porzellanhaut. Da sie die Sonne immer gemieden hat, hat sie fast keine Falten. Die Australierin Nicole Kidman lässt sich seit Jahren Botox spritzen. Schauspieler Matt Dillon (48) hat sich einer Nasen-OP unterzogen. Seine Nase war früher breiter. Auch Oscar-Preisträgerin Halle Berry hat sich die Nase verkleinern lassen.

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Wer sich aus rein ästhetischen Gründen unters Messer legt, bezahlt das im Normalfall aus der eigenen Tasche. Auch bei den Zusatzversicherungen ist dies meist so. Es sei denn, es liegt eine ärztliche Verordnung vor.

Die Krankenkasse Sanitas bietet unter dem Namen «Jump» explizit für 19- bis 25-Jährige eine Zusatzversicherung an, die nebst alternativmedizinischen Therapien und Sehhilfen auch kosmetische Eingriffe deckt. Die Prämie für diese Zusatzversicherung kostet je nach Region und Alter zwischen 10 und 15 Franken. Laut dem Sanitas-Flyer werden unter bestimmten Bedingungen «maximal 80 Prozent bei Brustoperationen, Narbenkorrekturen und Korrekturen von abstehenden Ohren» bezahlt. «Jump ist eine Versicherungslösung in einer Reihe von ambulanten Zusatzversicherungen für verschiedene Zielgruppen», erklärt Sanitas-Sprecherin Dr. Isabelle Vautravers. In der gleichen Linie gäbe es auch die Versicherungen Classic und Family, die sich je an unterschiedliche Kundensegmente richten und ein unterschiedlich grosses Paket an Versicherungsleistungen umfassen.

80 Prozent Rückerstattung

Vautravers bestätigt, dass bei Jump 80 Prozent der Kosten von kosmetischen Eingriffen rückerstattet werden. Dazu gehören Brustoperationen, Narbenkorrekturen und Korrektureingriffe von abstehenden Ohren. Leistungsansprüche bei kosmetischen Eingriffen – egal ob Jump, Classic oder Family – bestünden laut Vautravers nicht generell und müssten streng geprüft werden. Eine ärztliche Verordnung sei eine Grundvoraussetzung. «Eingriffe zur Behebung oder Verbesserung physischer Mängel und Verunstaltungen, soweit sie nicht durch ein versichertes Ereignis notwendig geworden sind, oder Behandlungen zum Zweck der Selbsterfahrung, Selbstentwicklung oder Persönlichkeitsreifung» sind laut Vautravers Ausschlussgründe.

Wie viele der 835'000-Sanitas Kunden sich für eine kosmetische Behandlung im Rahmen einer Zusatzversicherung interessieren, ist unklar. Bei Sanitas stellt man jedoch fest, dass viele Kunden Fragen zu ästhetischer Medizin haben, die über Versicherungsfragen hinausgehen. Um diesem Informationsbedürfnis entgegenzukommen, hat Sanitas im Frühling 2015 die neutrale Informationsplattform Sanitas-aestetica.ch lanciert. Auf der Seite werden auch Testmöglichkeiten in 3-D angeboten.

«Moralisch verwerflich»

Diese Zusatzversicherung findet Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), moralisch verwerflich. «Das ist ein unseriöses und ethisch fragwürdiges Geschäftsmodell», sagt sie zu 20 Minuten. Es gebe bestimmt Fälle, bei denen eine Nasen-, Ohren- oder Brustkorrektur angebracht seien. «Sanitas weckt den Wunsch, mit operativen Eingriffen kostengünstig zu einem Traumkörper zu kommen», sagt Sara Stalder. «Das ist einer seriösen Krankenkasse nicht würdig.» Die SKS taxiert deshalb dieses Vorgehen als «verantwortungslos».

Beim Branchenverband Santésuisse gibt man sich gelassen.
Mediensprecher Christophe Kaempf teilt auf Anfrage mit:
«Für Zusatzversicherungen ist die Santésuisse nicht zuständig. Es liegt in der wirtschaftlichen Freiheit der Versicherer, ein solches Angebot ihren Kunden zu offerieren.» Es sei die Aufgabe des Arztes, genau abzuklären, ob eine Operation zwingend notwendig ist.

Recherchen von 20 Minuten zufolge werden auch bei anderen Versicherern kosmetische Eingriffe unter bestimmten Bedingungen bezuschusst.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beo Bachter am 21.09.2015 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super, weiter so!

    Da sinken die Prämien bestimmt auf ein neues Allzeittief.

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  • Gregi am 21.09.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sanitas

    Zahlt die Sanitas auch für Männer, welche in eine Depression fallen, weil ihre Freundin nur Doppel-D hat?

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  • L.S. am 21.09.2015 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    Und schlussendlich finden das die Männer gar nicht sexy....aber die Frauen tun es ja auch nur um anderen Frauen zeigenvzu können, dass Sie die grösseren Möpse haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eric am 22.09.2015 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 Klassenmedizin

    Und das in Zeiten von 2 Klassenmedizin... Die Krankenkasse zahlt nicht die nötigen Medis für eine lebenswichtige Behandlung, dafür aber kosmetische Eingriffe. Schöner Moment !

  • tim b am 22.09.2015 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seine eigene stimme

    Naja mein problem ist es nicht kann ja jeder selber entscheiden

  • florian am 22.09.2015 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganz klar

    Vielleicht mal zum Psychologen gehen wenn man am Körper alles anders haben möchte ohne wirklichen Nutzen daraus hat, ausser besser auszusehen... aus individueller Sicht.

  • Trudi Gerster am 22.09.2015 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zusatzversicherung

    Hallo! Lesen! Eine ZUSATZVERSICHERUNG zahlt, nicht die Grundversicherung. Wieder einmal viel Lärm um nichts.

  • Isa am 22.09.2015 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akne

    Ich würde es gut finden, wenn sie mir das Weglasern meiner Aknenarben zahlen würden.

    • florian am 22.09.2015 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Isa

      Akne ist eine Krankheit. Da wird man sicherlich etwas machen können.

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