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Analyse zur UBS
31. Juli 2012 09:32; Akt: 31.07.2012 09:52 Print
Eine glatte Enttäuschung
von Lukas Hässig - Der Gewinn bricht ein, die Investmentbank fällt ins Minus. CEO Ermotti spricht von Kostendisziplin, doch die Aufwände steigen. Was ist los mit der Nummer 1 von Swiss Banking?

Neue Strategie gesucht: UBS-Chef Sergio Ermotti. (Bild: Keystone)
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Die Stimmung war rosig. Die UBS
würde wohl mindestens eine Milliarde Quartalsgewinn schreiben, schätzten die Analysten. Vielleicht sogar mehr.
Mit ihren Quartalszahlen hat die UBS die Erwartungen der Branchenanalysten enttäuscht. Der Aktienkurs der Grossbank ist daher am Dienstag bei Handelsbeginn auf Talfahrt geschickt worden. Kurz vor 9.30 Uhr notierten die UBS-Aktien rund 5,5 Prozent unter dem Kurs vom Vorabend. Der Leitindex SMI lag leicht im Minus. (sda)
Am Dienstagmorgen kam die kalte Dusche: Der Reingewinn der Grossbank liegt knapp über 400 Millionen, viel weniger als die stark gescholtene Erzrivalin Credit Suisse
im ersten Quartal erzielt hatte.
Magerkost
Das Bild ist durchs Band negativ. In der Vermögensverwaltung herrscht Flaute. Im Heimmarkt Schweiz schiessen die Kosten durchs Dach. In der Investmentbank schreibt die UBS nach einem Sonderverlust beim Facebook-Börsengang über 100 Millionen Verluste. Wären die eigenen Kredite nicht zugunsten der Bank bewertet, dann wäre der Taucher noch grösser.
CEO Sergio Ermotti äussert Durchhalteparolen. Die Bank stehe bei Kunden hoch im Kurs. Ermotti verweist auf die 13 Milliarden Franken Neugelder, die ihr in der Vermögensverwaltung zugeflossen sind.
Nur: Wenn der Süden Europas brennt und die Vermögenden aus fast dem ganzen «Club Med» ihre Gelder auf ein Schweizer Bankkonto in Sicherheit bringen wollen, ist das noch keine besondere Leistung.
Strategisch und operativ versagt
Wichtiger wäre der Tatbeweis, dass die UBS für ihre Kunden – und damit für sich selbst – gute Ergebnisse erzielt, gute Performances in stürmischen Zeiten auf die Reihe kriegt.
Davon ist nichts in Sicht. Flaute im Geschäft, gepaart mit teilweise explodierenden Kosten, werfen die Gretchenfrage auf: Was läuft schief mit der UBS?
Die Antwort ist teils strategisch, teils operativ: Strategisch hat die UBS unter ihrem hochgejubelten CEO Ermotti keine harten Entscheide gefällt. «More of the same», lautet das Fazit. Einfach etwas weniger riskantes Investmentbanking, etwas mehr Kapital, etwas weniger Risiken. Das ist alter Wein in neuen Schläuchen. Die UBS will vor allem eines bleiben: Gross.
Die Welt ist anders, die UBS bleibt gleich
Dabei haben sich die Märkte und damit das Verhalten der Investoren fundamental verändert. Der Glaube an ein Buy-and-Hold, an ein Aussitzen der Krise, ist verflogen.
Es geht um die Suche nach Opportunitäten. Diese bedingt eine Fokussierung auf die eigenen Stärken sowie einen Schnitt mit der Vergangenheit.
Beispielsweise durch einen Verzicht auf eine grosse Investmentbank. Davon ist die UBS unter Ermotti mindestens so weit entfernt, wie sie es unter Haudegen und Ermotti-Vorgänger Oswald Grübel war.
Zukunft bleibt düster
Das zweite Problem ist fast gravierender. Es ist operativ und meint, dass die UBS ihr Geschäft nicht im Griff hat: Praktisch überall sind die Kosten gestiegen, zum Teil sind sie explodiert, so wie im Schweizer Geschäft. Dort nahmen die Aufwände um fast 50 Prozent zu, und das in einer Zeit, in der sich das Banking nach der Decke strecken sollte.
Hinzu kommen Rechtsfälle ohne Ende. Im Libor-Betrug könnte die UBS zum zentralen Ziel der Behörden werden. Weitere offene Rechnungen aus der Vergangenheit belasten die Zukunft.
UBS-Chef Ermotti bleibt denn auch düster, was die nächsten Quartale angeht. Falls die Lage an den Weltmärkten schwierig bleiben und die Politik keine Lösungen präsentieren würden, dann seien «weitere Ergebnisverbesserungen (...) unwahrscheinlich», meinte er heute.
Die neue Finanzwelt ist schwierig, ganz klar. Umso mehr bräuchten Ermotti und seine hochbezahlten UBS-Spitzenleute einen neuen Plan, eine neue Strategie. Denn: Wenn die Märkte und die Investoren nicht mehr mitspielen, dann muss die UBS-Spitze halt selbst reagieren.
Ein Befreiungsschlag tut not. Doch der ist nirgends in Sicht.
Ich finde es nur gut, dass die UBS (und hoffentlich auch die anderen Grossbanken) etwas auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Über Jahrzehnte hinweg hat man sich daran gewöhnt, dass die Banken automatisch jedes Quartal Milliardengewinne einfahren - und wie wir heute wissen, oft genug auf der Basis von zweifelhaften Geschäften (unkalkulierbare Risiken im Investment, unversteuerte Vermögen, Libor-Beschiss, etc.). Der Normalfall sieht eben anders aus, es kann nicht nur immer nach oben gehen. – Reto Gubser
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Alle 91 Kommentare

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Facebook, im Nachhinein gescheiter
ist man immer. Allerdings, wer den Eiertanz und die Medien-Hysterie der Amis vor grossen IPOs, z.B. über CNBC, verfolgt und schon etwas Erfahrung hat, hätte besser seinen Kunden den Rat gegeben, wartet mal den IPO ab und bleibt schön cool. Immerhin hat die UBS noch einen ansehnlichen Quartalsgewinn gemacht. Vielleicht würde man vor Ankündigungen besser einigen Analysten weniger Gehör schenken. Aber eben auch das gehört zum Wallstreet indizierten globalen Finanzmarktzirkus, zuerst übersteigerten Erwartungen Vorschub leisten und dann abstrafen. Da fallen viele immer wieder rein.
Investment Bank versagt
Wieder einmal versagt die Investment Bank von UBS. Wie viele Milliarden haben sie nun in der Zwischenzeit in den Sand gesetzt? Bestimmt mehr als sie je eingenommen hat. Jede andere Branche hätte ein solcher Teil der Firma schon geschlossen. In der UBS Spitze sind immer noch zu viele IB Leute vertreten aber was solls bald gibts eh wieder einen neuen CEO es soll ja jeder einmal etwas verdienen können :-) Das Resultat bleibt aber immer das selbe somit komme ich zum Schluss "spielt keine Rolle wer oben steht, denn zaubern können sie eh nicht"
postfinance
bitte beachten liebe leser. 1. die postfinance hat nur eine garantie bis zu einem gewissen level an kontoguthaben welches sie durchs wachstum bereits überstiegen hat. 2. credit exposure von postfinance gegenüber UBS dürfte locker min. 300 - 500 mio betragen und da sind die tagestransaktionen noch gar nicht gerechnet. wiso ist das? schon mal was von treasury gehört? wenn nicht mal schlau machen