Achtung Spekulation

05. Mai 2012 11:02; Akt: 05.05.2012 11:02 Print

In diesen Ländern droht eine Immo-Blase

Häuser sind nicht nur zum Wohnen da. Sie sind auch beliebte Objekte für Spekulanten. 20 Minuten zeigt, wie es um die Preise auf den wichtigsten Immo-Märkten steht.

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In letzter Zeit äussern immer mehr Experten die Befürchtung, die Schweiz steuere auf eine Immobilien-Blase zu. Die UBS berichtet, in den letzten vier Jahren seien die Eigenheime im mittleren Preissegment real um über 21 Prozent teurer geworden. Das sei 1984 bis 1988 vor der letzten Immobilienblase ähnlich gewesen. Die Finanzmarktaufsicht warnte kürzlich, sei mache sich grosse Sorgen wegen den steigenden Preisen. Die Banken würden sich bei der Vergabe von Hypotheken nicht an ihre eigenen Regeln halten. Soll heissen: Banken vergeben Kredite an Leute, die die Kosten womöglich nicht mehr tragen können, sollten die Zinsen wieder anziehen. Während andernorts die Baubranche brummte, lag der deutsche Immobilien-Markt über Jahre im Dornröschenschlaf. Seit Mitte 2010 ist wieder Schwung im Immo-Geschäft: Nach Angaben der Deutschen Bundesbank sind die Preise für Wohnhäuser in 125 Städten im Jahr 2011 im Schnitt um 5,5 Prozent gestiegen. Besonders stark legten die Preise in exklusiven Lagen in Hamburg oder München zu. Von einer Blasenbildung spricht aber noch kaum einer. Angesichts der Gehaltskürzungen beim griechischen Staat sind die Mieten für Wohnungen und Häuser in Athen seit Anfang 2011 um 20 Prozent gesunken. 200 000 Wohnungen stehen in der Hauptstadt leer und Käufer sucht man derzeit meist vergebens. Hält die Rezession in Griechenland an, werden auch die Preise weiter sinken. Zwischen 1996 und 2007 haben sich die Preise für Wohnhäuser in Irland im Schnitt mehr als vervierfacht. Investoren pflasterten das Land mit hunderttausenden von Neubauten zu. Dann platzte die Blase, was zuerst die Banken und dann das ganze Land an den Rand der Pleite brachte. Mittlerweile sind die Häuser und Wohnungen nur noch halb so viel wert wie 2007. Ein Ende des Niedergangs ist nicht in Sicht. Der irische Vermögensverwalter Davy geht davon aus, dass erst drei Viertel der Preiskorrektur durchgestanden sind. Auf Frankreichs Immobilien-Markt herrscht Goldgräberstimmung: In Paris sind die Preise alleine von Mitte 2010 bis Mitte 2011 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Etliche Experten warnen nun, es habe sich eine gefährlich grosse Blase gebildet, die bald platzen könnte. Wie in der Schweiz werden die Banken wegen der lockeren Vergabepraxis bei Hypotheken kritisiert. Vier Jahre ist es her, seit die Immobilienblase in Spanien geplatzt ist. Ein Ende des Preiszerfalls ist dennoch nicht in Sicht. Seit 2008 sind die Preise für Häuser und Wohnungen im Schnitt um 22 Prozent gefallen. Geisterstädte zeugen davon, dass derzeit rund 1,5 Millionen Immobilien leer stehen. Analysten spanischer Banken befürchten, dass der Niedergang noch bis 2015 weitergehen dürfte. Der US-Häusermarkt war Ausgangspunkt der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008. Seit den Spitzenwerten im Sommer 2006 haben die Häuser- und Wohnungspreise in den USA um 35 Prozent nachgegeben. Mittlerweile scheint der Talboden erreicht. Der Immobilienmaklerverband geht für das laufende Jahr von einer Preissteigerung um immerhin 1 Prozent aus. Laut manchen Ökonomen stellt der chinesische Immobilienmarkt neben der Schuldenkrise im Euro-Raum derzeit eine der grössten Gefahren für die Weltwirtschaft dar. Immer öfter tauchen in den Medien Bilder von gigantischen, leer stehenden Geisterstädten auf. Das deutet auf die auf massive Fehlentwicklungen hin. Anlass zur Sorge bereitet vor allem, dass die Immobilien-Preise in den vergangenen sechs Jahren um 50 Prozent gestiegen sind. In Japan bildete sich vor gut 20 Jahren eine Immobilien-Blase. Damals war alleine die Umgebung des Kaiserpalasts in Tokio auf dem Papier mehr wert als der gesamte US-Bundesstaat Kalifornien. Anfang der Neunzigerjahre platzte die Blase. Die Preise fielen auf gerade auf ein Viertel des ursprünglichen Werts. Die japanische Baubranche vermeldet, die seit damals anhaltende Flaute sei überwunden.

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In den USA ist die Immobilien-Blase geplatzt. In Irland und Spanien ebenfalls. Die Folgen sind verheerend: Das amerikanische Debakel hat die Weltwirtschaft in die Knie gezwungen. Irland schrammte nur dank Hilfsgeldern an der Pleite vorbei, und in Spanien ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie noch nie seit der ersten Messung vor 18 Jahren: Jeder Vierte steht heute ohne Job da.

Auch in der Schweiz häufen sich angesichts der rekordtiefen Zinsen die Warnungen vor einer Überhitzung des Wohnungs- und Häusermarkts. 20 Minuten beleuchtet in der Bildstrecke die wichtigsten Immobilien-Märkte der Welt und zeigt, wo die Blasenbildung am stärksten im Gang ist – und wo die «Bubble» bereits geplatzt ist.

(ahi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S. Oesch am 05.05.2012 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Germany

    Wem's zu teuer wird, würde ich einen Umzug nach Deutschland empfehlen. Dort ist es günstiger!

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  • Der Volkswirtschafter am 06.05.2012 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Marktversagen in der Schweiz

    Auf dem Immobilienmarkt herrscht keine freie Marktwirtschaft und somit keine Konkurrenz zwischen den Gebäudeeigentümern. Sie können dafür immer höhere Preise verlangen und die Mieter und Käufer abzocken! Unser Staat ist somit mit den Heimatschutzgesetze, Stockwerkhöhebegrenzungen und Bodenbegrenzungen der verlängerte Arm dieser Gebäudeeingentümmer. Es müssten vom Staat Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Organsationen mit der "Aldi-Mentalität" Discount-Häuser/Wohnungen auf dem Markt angeboten werden können.

  • Heisse Luft am 05.05.2012 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Abstimmung zur Initiative

    gegen Abzocker wird vermutlich erst realisiert, wenn die Immobilienblase geplatzt ist und die Protagonisten ihre Boni in Sicherheit gebracht haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M. Meier am 06.05.2012 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Panik

    Als in den USA die Blase platze, stellte man fest, dass die Banken an Leute Häuser verkauft haben, die gerade mal 1% Eigenmittel brachten. Sehe keine ähnliche Entwicklung in CH. Und die Immobilien werden noch mehr steigen, davon bin ich überzeugt. So lange man Kreti und Pleti ins Land lässt, wird es immer mehr Immobilien brauchen. D.h. Preise hoch weil die Nachfrage viel grösser ist als das Angebot.

    • seki am 07.05.2012 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Typisch

      Heute ist der Zinssatz für eine Hypothek um etwa 1%, jedoch sollte man mit einem Langjährigen Zinssatz von ca. 5% rechnen um so möglichen Schwankungen vor zubäugen. Ich denke nicht das jeder der eine Hypothek aufgenommen hat so viele Mittel hat.

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  • T Huber am 06.05.2012 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    8 Millionen

    Was heißt da Blase ? Bei uns gibt es ja nicht mehr vill tolles Land zum verbauen und wir sind ja bald bei 8 Millonen Menschen

    • jan w am 07.05.2012 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      hypothek

      das problem ist das der hypothekarzins so tief ist das sich viele jetzt ein haus kaufen können steigt der zins an passiert das was in den USA geschehen ist

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  • Vinicius am 06.05.2012 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    so oder so

    man sollte in der Immoblase nicht eingreifen sonst platzt sie früher

  • R. Willa am 06.05.2012 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Kaufen wesentlich billiger als mieten

    Warum mieten statt kaufen? bei 1,5% auf 5 Jahre Festhypothek ist selber schuld wer mietet.

    • s.m. am 06.05.2012 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      wie doof ist das denn?!

      nicht alle haben die möglichkeit zu kaufen, weil das eigenkapital fehlt. nicht gerade gut überlegt und fair zu sagen, selberschuld wer mietet! etwas mehr weitblick bitte!

    • Bankler am 06.05.2012 22:13 Report Diesen Beitrag melden

      Zinsen

      Weil Zinsen auf 9% steige können, und dann ist es eben sehr schwierig zu verkaufen...

    • Reto am 06.05.2012 23:17 Report Diesen Beitrag melden

      günstige Mietwohnung viel besser

      Wenn das so wäre, dann gäbe es keine Mieter mehr. Und: die intelligenten Leute sehen die Folgekosten! Abgesehen davon gibt es unzählige weitere Nachteile.

    • Daniel Naepflin am 07.05.2012 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      selber schuld?

      vielleicht hat auch nicht jeder das nötige kleingeld, um zu kaufen. zudem schnellen auch die kaufpreise in die höhe, genau wie die mieten!

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  • Der Volkswirtschafter am 06.05.2012 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Marktversagen in der Schweiz

    Auf dem Immobilienmarkt herrscht keine freie Marktwirtschaft und somit keine Konkurrenz zwischen den Gebäudeeigentümern. Sie können dafür immer höhere Preise verlangen und die Mieter und Käufer abzocken! Unser Staat ist somit mit den Heimatschutzgesetze, Stockwerkhöhebegrenzungen und Bodenbegrenzungen der verlängerte Arm dieser Gebäudeeingentümmer. Es müssten vom Staat Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Organsationen mit der "Aldi-Mentalität" Discount-Häuser/Wohnungen auf dem Markt angeboten werden können.