Leise Lieferung

20. August 2014 15:22; Akt: 20.08.2014 16:49 Print

Detailhändler setzen auf Elektro-Lastwagen

von Sandro Spaeth - Strom statt Diesel: Nach Coop setzt nun auch Lidl auf E-Laster. Ob sich die Fahrzeuge betriebswirtschaftlich rechnen, ist ungewiss. Eine wichtige Komponente ist das Image.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Motorengeräusch ist kein Brummen mehr, es ist ein Rauschen. Und das bei einem 18-Tonnen-Lastwagen, der mitten in der Nacht die Filialen von Detailhändlern beliefert. Nachdem Coop vor gut einem Jahr den beschafften Schweizer Elektro-Lastwagen E-Force präsentierte, zieht Konkurrent Lidl Schweiz nach. Der Harddiscounter wird seine zwei mit Strom betriebenen Laster am kommenden Sonntag bei der Feier zum fünften Jubiläum erstmals präsentieren.

Umfrage
Die Detailhändler setzen auf Elektromobilität. Könnten auch Sie sich vorstellen, ein Elektrofahrzeug zu kaufen?
13 %
26 %
41 %
20 %
Insgesamt 2250 Teilnehmer

Zum Einsatz kommen die Fahrzeuge zwischen dem Lidl-Verteilzentrum in Weinfelden und Zürich. Während der Nacht transportieren sie Frischwaren, darunter Gemüse, Fleisch und Obst. Ziel ist die CO2-neutrale und lärmfreie Versorgung aller städtischen Filialen in der Region Zürich.

Die auf einem Iveco-Chassis basierenden Transporter kosten pro Stück 360'000 Franken, wie Lidl zu 20 Minuten sagt. Die Totalinvestition betragen aber knapp eine Million Franken, weil Lidl die Abladerampen bei den Filialen mit Strom-Tankstellen ausrüstet. Während der rund 45-minütigen Entladezeit soll der Akku des Lasters bereits wieder zu 10 bis 20 Prozent aufgeladen werden.

Einsatz in weiteren Städten denkbar

Bereits seit Januar im Einsatz steht ein E-Force-Laster bei Coop. Die Erfahrungen seien positiv, heisst es auf Anfrage. «Dass die Konkurrenz nun nachzieht ist ein Beweis, dass Coop die Praxistauglichkeit des Elektro-Lastwagen frühzeitig erkannt hat», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander. Das Fahrzeug sei einem vergleichbaren Diesel-Laster betreffend Emissionen überlegen und bei der Wirtschaftlichkeit ebenbürtig. Noch befindet sich das Projekt bei Coop in der Pilotphase. Verläuft sie gut, will man das Konzept auf andere Regionen ausdehnen.

Ähnlich will auch Lidl verfahren. «Es ist denkbar, dass wir das System in anderen Städten multiplizieren», sagt Lidl-Infrastrukturchef und Geschäftsleitungsmitglied Marco Landolt im Gespräch mit 20 Minuten. Zuerst müsse man aber Erfahrungen sammeln. Geeignet für die Belieferung mit E-Lastwagen sind in erster Line die Regionen Lausanne und Genf, wo Lidl wie in Zürich innerstädtische Filialen hat.

Laster muss keine Ersparnis bringen

Hat Lidl bei Konkurrent Coop abgeschaut? «Wir haben analysiert, wie andere Unternehmen die E-Laster einsetzen», sagt Landolt. Man habe den Laster aber für die eigenen Zwecke weiterentwickelt. So hat der Lidl-Laster beispielsweise leichtere Räder und verzichtet auf die Hebebühne, womit die Nutzlast grösser wird. Wegen der schweren Batterie hat ein 18-Tonnen-Elektro-Laster rund zwei Tonnen weniger Nutzlast als ein Diesel-Modell.

Im Vergleich mit dem Diesellaster ist die Elektrovariante in der Anschaffung rund doppelt so teurer. Die Betriebskosten veranschlagt der Hersteller E-Force aber lediglich auf 10 Franken pro 100 Kilometer, bei einem Diesellaster sind des 50 Franken. Die Wirtschaftlichkeit hängt darum stark von der Kilometerleistung ab. «Unser E-Lastwagen ist kein Image-Produkt. Er muss betriebswirtschaftlich aber auch keine Einsparung bringen», sagt Landolt. Viel wichtiger seien die ökologischen Vorteile.

Einen grossen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeitsrechnung der Elektro-Brummis hat die Schwerverkehrsabgabe (LSVA), wovon diese befreit sind. Sie schlägt pro Tonne und Kilometer mit rund 2,28 Rappen zu Buche. «Die Abgabenbefreiung sorgt dafür, dass die Kosten des E-Lasters nicht höher sind als bei der bisherigen Lösung», so Landolt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernereidgenosse am 20.08.2014 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Elektro LKWs ohne Fahrbeschränkung

    Dann kommt doch den Unternehmer entgegen! Alle Elektro LKW's können ohne Einschränkung fahren in der Schweiz. Nicht immmer nur verbieten, sondern auch mal was bieten!

    einklappen einklappen
  • Halter Biotreibstoffe am 20.08.2014 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Art der Elektrizität ist relevant

    Finde ich eine gute Sache, wenn im Nahverkehr auch bei der Logistik auf resourcenschonenden Transport gesetzt wird. Es darf aber nicht vergessen werden mit was für Elektrizität, Atom-, Gas-, Kohle oder Wasserstrom, die Akkus aufgeladen werden. es wäre wünschenswert, wenn die Art des Stroms auch bekannt wäre.

    einklappen einklappen
  • Bani am 20.08.2014 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Planzer e-Laster

    Auch die Firma Planzer Transport AG hat in Bern bereits einen E-Laster im Einsatz!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • d.m. am 21.08.2014 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt

    Und jetzt noch auf jeder Filiale ein3e Photovoltaikanlage instalieren und Ihr könnt nachher den ganzen Strom selber produzieren.

  • Pa c am 21.08.2014 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Finde ich im Grunde eine gute Sache aber der Strom muss ja auch noch irgendwo produziert werden.

  • Z.McKracken am 21.08.2014 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Böse, böse LKW's

    Da frage ich mich doch gerade zwei Dinge... 1. Was passiert wenn irgendwann ein Grossteil der Fahrzeuge auf Elektromotoren umgerüstet werden? Rechnet sich das dann für Grossunternehmen noch, wenn der Strom plötzlich teurer wird oder ist dann ein mit tschechischen Kennzeichen eingelöster Diesel-LKW, wie sie in der Schweiz von ziemlich vielen Grossunternehmen betrieben werden, wieder günstiger? 2. Haben die Herren "CO2-Neutral" schon einmal die Funktion eines Katalysators angeschaut? Zum Lärm ist mir gerade noch in den Sinn gekommen, dass ein hoher Ton als weitaus störender, bzw. lauter vom menschlichen Gehör wahrgenommen wird, als ein tiefer. Was ist dann das nächste? Motorräder und Motorroller mit Nachtfahrverbot(was LKW's in der Schweiz übrigens schon auferlegt bekommen haben)? Freundliche Grüsse von jemandem, dessen Buslinie nur von sieben bis sieben (also in den für Arbeit und Ausgang unbrauchbaren Zeiten) verkehrt, weil die Nachbarn das Motorengeräusch zu laut fanden(ein mit maximal 30 km/h fahrender Bus macht ja auch sehr viel Lärm) und sich erfolgreich bei der Busgesellschaft beschwert haben.

  • Urs L. am 21.08.2014 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Lüge

    Macht nur Sinn wenn der Strom aus Solarzellen kommt. Die Energie welche für Produktion und Entsorgung der Batterie aufgewendet wird ist auch enorm. Von der Umweltbelastung durch Schadstoffe reden wir hier noch nicht, findet ja eh in China statt. Sicher ist es richtih das hier geforscht wird, aber die Verteufelung der Verbrennermotoren und die Lobhodelei auf die E Fahrzeuge ist zur Zeit eine grosse Lüge.

  • Peter am 21.08.2014 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    zur Kohle

    In der Schweiz gibt es keine Kohlekraftwerke!