SNB-Chef Jordan

28. November 2012 18:30; Akt: 29.11.2012 07:05 Print

«Erhebliche Risiken lasten auf unserer Bilanz»

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan hat sich angesichts massiv gestiegener Devisenanlagen wegen des Euro-Mindestkurses für den Aufbau von Eigenkapital ausgesprochen.

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(Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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«Gute Zwischen- oder auch Jahresergebnisse dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass erhebliche Risiken auf unserer Bilanz lasten», sagte Jordan am Mittwoch laut Redetext vor der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern. Für die ersten neun Monate 2012 hatte die SNB 16,9 Mrd. Fr. Gewinn ausgewiesen und Begehrlichkeiten für die Ausschüttung an Bund und Kantone geweckt.

Wegen des präzedenzlosen Wachstums der Notenbankbilanz auf 509 Mrd. Fr. bei Devisenanlagen von 430 Mrd. Fr. müsse man davon ausgehen, dass «Wertschwankungen künftig ein Vielfaches dessen ausmachen können, was wir uns aus der Vergangenheit gewöhnt sind». Um diese Wertschwankungen aufzufangen, benötige die SNB ausreichend Eigenkapital.

Die SNB könne zwar dank ihres Notenmonopols nie illiquid werden. Selbst wenn im Extremfall hohe Verluste vorübergehend zu negativem Eigenkapital führen würden, bleibe sie voll geschäfts- und handlungsfähig.

Wenn Verluste das Eigenkapital aber zu sehr schmälern oder gar zu negativem Eigenkapital führten, müsse dem Wiederaufbau des Kapitals unbedingt Priorität vor den Ausschüttungen eingeräumt werden, sagte Jordan.

Kein Ende absehbar

Die am 6. September 2011 beschlossene «Extremmassnahme» eines Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken sei nach wie vor richtig: Der Franken sei weiterhin hoch bewertet, bekräftigte Jordan seine bisherige Einschätzung.

Die jüngsten Meldungen zeigten, dass nicht nur die Margen der Unternehmen litten, sondern zunehmend auch der Arbeitsmarkt. «Würde sich der Franken in dieser fragilen Lage erneut aufwerten, träfe dies die Schweizer Wirtschaft im Mark», sagte der SNB-Präsident. «Die Preisstabilität wäre in Gefahr und die konjunkturelle Entwicklung litte schwer darunter.»

Wie lange der Ausnahmezustand anhalte, wisse er leider auch nicht. Die Währungsreserven dürften aber auf absehbare Zeit grösser sein als in der Vergangenheit.

Gegen Staatsfonds

Mit den Devisenanlagen einen Staatsfonds zu speisen, wäre kein Königsweg, sagte der SNB-Präsident. Denn strategische Beteiligungen an ausländischen Unternehmen seien problematisch: «Die Gefahr einer Verpolitisierung der Geldpolitik wäre spätestens dann sehr real, wenn die Gesellschaft in Konkurrenz zu Schweizer Unternehmen stünde oder Entlassungen in der Schweiz oder ihrem Heimatland vornähme.»

Zudem werde der Anlagebedarf der SNB von der Geldpolitik vorgegeben und damit durch Geldschöpfung und nicht wie in anderen Ländern aus Rohstoffexporten gespeist. Wenn es die Geldpolitik verlange, müsse sich die SNB jederzeit von Aktiven trennen können. Auch mit einem Staatsfonds lasse sich das Wechselkursrisiko nicht wegzaubern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Meyer Marc Dr. am 29.11.2012 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    SNB kann illiquid werden

    Jordan interpretiert Banknoten als Vermögen der SNB anstatt als Schulden. Schulden können aber nur mit Vermögen, nicht mit zusätzlichen Schulden verringert werden. Wenn ich einem Kollegen 120 CHF schulde und nur noch 100 habe, kann ich ihm auch nicht sagen, er solle mir nochmals 20 CHF leihen und dann sei die Schuld beglichen. Die SNB hat ihre Euros mit der Emission von Geld finanziert. Fällt der Euro, kann die SNB nicht noch mehr Geld emittieren, bzw. Schulden machen, um ihre Schulden zu zahlen. Die SNB ist dan illiquid.

  • spotlite zh am 29.11.2012 01:48 Report Diesen Beitrag melden

    Die Dummen sind immer die Steuerzahler..

    Dass ein SNB Präsident findet, der Schrotteuro sei Fr. 1.20 Wert erstaunt mich doch sehr. Ich würde mit diesen Euros nicht mal mehr mein Klo tapezieren. Dass bei der jetzigen Entwicklung der EU der Euro noch weiter bachabgeht, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Das kommt mir so vor, wie wenn die SNB gleich funktioniert wie die EU als sich Griechenland mit völlig erfundenen Zahlen in den Euro hineinbetrog. Und solange Merkel das sagen hat, würde ich nicht mal 50 Rappen für einen Euro bezahlen. Wertemässig bedeutet das, das wir für ein Glace mit 60 Rappen Wert einen Franken bezahlen...

  • Ueli am 29.11.2012 01:41 Report Diesen Beitrag melden

    SNB...

    Wir werden noch einen hohen Preis zahlen, genau das lese ich hier raus...

  • Dr. Zahn am 28.11.2012 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Punkt

    Den ganzen Schotter in Infrastruktur, Windräder u. erneuerbare Energie, Autobahnausbau, Eisenbahn.... stecken und danach den Markt wieder frei walten lassen. Fertig

  • tinu am 28.11.2012 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    andere auch

    Wären doch die anderen Notenbanker auch so vernünftig wie Herr Jordan. Die SNB schaut zu unseren Vermögen so gut es geht. Andere Notenbanken pfeiffen auf die Entwicklung der Privatvermögen und schicken die eigene Währung auf Tauchgang.