Engpässe bis 2018

18. Juni 2017 20:30; Akt: 20.06.2017 09:33 Print

Der Schweiz gehen die Impfstoffe aus

von Isabel Strassheim - Aktuell sind 13 Impfstoffe nicht in der Schweiz verfügbar. Weil es oft nur Kombipräparate gibt, führt dies zu Überimpfungen.

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Im Pharmaland Schweiz gehen die Impfstoffe aus. Betroffen sind alle – Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Erwachsene, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Tatsächlich führt das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung auf einer Liste aktuell 13 Impfseren auf, die für die Schweiz nicht verfügbar sind. Von der Tollwut- bis zur Kinderlähmungsimpfung werden Engpässe bis diesen Herbst oder gar bis nächstes Jahr erwartet. Die Diphterie-, Tetanus- und Keuchhustenimpfung für Kinder dürfte erst im Oktober wieder verfügbar sein.

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Kurzfristig weichen Ärzte auf Mehrfach-Impfungen aus, erklärt Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit 20 Minuten. Das heisst: Wer eigentlich nur gegen drei Krankheiten immunisiert werden will, wird gegen fünf oder sechs geimpft. Weil nur diese Kombinationsimpfungen verfügbar sind. Bei Kleinkindern wird unter Umständen die Hepatitis-B-Impfung vorgezogen, weil es derzeit nur Impfseren gibt, bei denen diese gleich dazugemischt wurde.

Mangel gibt es weltweit

«Uns beunruhigen die Engpässe und wir beschäftigen uns mit dem Problem schon länger», sagt Koch. Die Lieferschwierigkeiten gibt es seit einigen Jahren immer wieder. «Das ist kein Problem nur in der Schweiz, sondern weltweit», so Koch.

Die Gründe: Auf der ganzen Welt steigt die Nachfrage. Aber nur noch wenige Pharmafirmen stellen überhaupt Impfstoffe her, es gibt Mono- oder Oligopole. Novartis hat seine Impfsparte 2015 verkauft, weil der Konzern sie für zu klein und wenig lukrativ befand. Die Herstellung von Impfstoffen ist aufwändig und dauert zwei Jahre lang. Fällt eine Produktion aus, hat das enorme Auswirkungen.

Kombi-Impfung als Problem

«Für die Grundimmunisierung sind zunehmend nur noch Kombinationsimpfstoffe mit mehreren Komponenten zu- gelassen, auf die Zulassung von Impfstoffen mit wenigen Komponenten wurde verzichtet», schreibt das Bundesamt für Gesundheit in seiner Nationalen Impfstrategie. Fällt ein Impfstoff aus, ist so das ganze Präparat nicht verfügbar.

In der Schweiz werden die Impfstoffe zudem anders als in vielen Staaten nicht zentral beschafft. «Wir werden sicher prüfen, ob das tatsächlich vorteilhaft ist», sagt Koch. Ausserdem sind nicht so viele Präparate auf dem Markt, in der Europäischen Union gibt es deutlich mehr. «Das ist nicht primär ein Zulassungsproblem», sagt Swissmedic-Sprecher Lukas Jaggi. Denn Firmen stellen nicht unbedingt für den kleinen Schweizer Markt einen Zulassungsantrag.

Der jüngste Beschluss des Bundes ist wenig hilfreich: Er verfügte den Aufbau von Impfstoff-Pflichttlagern. Die können aber wegen des Engpasses momentan gar nicht aufgebaut werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trudelia am 18.06.2017 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Impfung

    Wiso gibt es einen Engpass? Angeblich lassen doch so viele Eltern ihre Kinder nicht mehr impfen. Da sollte es doch für den Rest reichen?

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  • rtulke am 18.06.2017 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einzel Impfungen

    Ja Einzel Impfungen wären ja schon mal ein Anfang nicht jeder braucht eine 6fach oder mehrfach Impfung

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  • Thomas Sutter am 18.06.2017 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grundloses

    Grundloses Impfen ist das schlechteste was man tun kann damit die Pharmariesen schön abkassieren. Nein, merci.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 19.06.2017 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Grippe Impfung, sonst alles OK?

    Impfungen das war früher! Persönlich habe ich nur eine Impfung erhalten, gegen Polio. Meine Eltern waren kategorisch dagegen, mit Recht!!

  • sina am 19.06.2017 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    hinterfragen ist besser als einfach alles zu glaub

    ich denke die impfgegner sind impfgegner, weil sie auch mal hinterfragen, forschen und auf der suche nach der wahrheit sind. die impfbefürworter plappern zuviel nach was in den medien steht. für mich sind die kritischen kommentare aussagekräftiger als die zum teil sehr agressiven unsachlichen impfbefürwortenden kommentare.

  • Schmüli am 19.06.2017 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Engpass??

    Wieso einen Engpass? Laut den letzten Berichten geht doch keiner mehr impfen weil es so gefährlich ist....

  • Im Pfung am 19.06.2017 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich ...

    Einzelsubstanzen werden von Krankenkassen meist nicht finanziert. Alles klar wos lang geht? Kauft mit den Impfungen auch gleich Pharmaktien, dann habt ihr wenigstens einen kleinen Gewinn!

  • Markus im AG am 19.06.2017 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei der letzten grösseren

    Impfdebatte hies es doch aus Bundesbern, kein Problem im Notfall stellt die CH- Armee Impfstoffe selber her, Labor und Wissen ist in Spietz genug vorhanden.