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20. November 2012 16:53; Akt: 21.11.2012 10:48 Print
Adobolis Schuld ist kein Freispruch für die UBS
von Lukas Hässig - Die Verurteilung von Crash-Trader Kweku Adoboli ist das beste Resultat, das sich dessen Ex-Arbeitgeberin UBS wünschen konnte. Wer meint, die Schweizer seien damit aus dem Schneider, dürfte sich täuschen.

UBS-Chef Sergio Ermotti, Crashtrader Kweku Adoboli.
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Die UBS atmet tief durch. Kweku Adoboli, 32 Jahre jung und bereits Milliarden-Verlust-Trader, ist schuldig. Die Geschworenen eines Londoner Gerichts bezichtigten Adoboli des Betrugs. Adoboli muss 7 Jahre hinter Gitter.
Bildstrecken Die grössten Betrüger aller ZeitenEnde gut, alles gut für den Schweizer Finanzmulti? Mitnichten. Aus zwei Gründen. Erstens hat die UBS die Aufarbeitung des historischen Verlusts nicht wirklich vollbracht. So sind zentrale Verantwortliche, die bei der Kontrolle die Oberaufsicht hatten, weiterhin in Amt und Würden. Zudem stehen als Nächstes die Untersuchungsergebnisse der englischen und der Schweizer Finanzaufsichts-Behörden an. Diese könnten ein derart negatives Bild der UBS-Risikokontrolle zeichnen, dass der Eindruck entstehen könnte, der angekündigte Rückzug aus dem grossen Investmentbanking sei nicht aus freien Stücken erfolgt, sondern als letzte mögliche Option.
Schönredner Ermotti
CEO Sergio Ermotti sieht das selbstredend anders. Ermotti betont bei jeder Gelegenheit, dass die UBS die personellen Konsequenzen aus dem Adoboli-Fall gezogen und ihre internen Kontrollen verschärft habe. Zudem gelte heute im UBS-Riskmanagement eine „Zero Tolerance“-Politik.
Damit lehnt sich Ermotti weit aus dem Fenster. Was unter seiner Ägide passiert ist, ist noch nicht jenes Aufräumen, das nach einem solch schwerwiegenden Kontrollversagen angezeigt wäre. Wenn der 8 Wochen dauernde Prozess in London etwas gezeigt hat, dann das, dass mehrere Kollegen und Vorgesetzte von Adobolis Versteckspiel gewusst oder beide Augen davor verschlossen hatten.
Die Zeche für das kollektive Versagen, das letztendlich eine risikofreudige Kultur des Finanzmultis zutage gefördert hat, bezahlten ein paar Chefs im Investmentbanking, die rasch abgesetzt wurden. Zudem nutzte der einstige CEO und Ermotti-Vorgänger Oswald Grübel den Jahrhundert-Fall zur Inszenierung eines uneigennützigen Abgangs, und die oberste Risikochefin, die noch nicht einmal ein ganzes Jahr im Amt war, musste Ende 2011 ihre Koffer packen und in die USA heimkehren.
Hausaufgaben gemacht, jetzt blicken wir nach vorn, lautet Ermottis Botschaft hinter diesen personellen Massnahmen. Dafür wäre es zu früh. In den medial wenig beachteten Zonen des Risk-Managements und der Stabsbereiche der Grossbank konnten sich bisher langjährige und hochrangige UBS-Verantwortliche halten, die einen wichtigen Anteil an der Misere haben.
Wohin schauten die obersten Risikochefs?
Der heutige oberste Risikochef Philip Lofts war einen Grossteil jener Zeit am Ruder, als Adoboli seine Betrügereien mit dem Aufbau von Milliardenpositionen begonnen hatte. In jene Zeit fallen auch erste interne Ermahnungen an Adoboli, die im Rückblick viel zu harmlos ausgefallen sind.
Lofts, ein Engländer mit Elite-Uni-Abschluss, profitierte von der Gnade der frühen Absetzung. Unter Grübel wurde er per Anfang 2011 auf den Frühstücksdirektoren-Job eines Präsidenten für den US-Markt abgeschoben. Als im September 2011 in London die Adoboli-Bombe hochging, war Lofts weit weg. Kaum war Grübel ausser Haus, wurde Lofts von seinen Freunden an der Spitze der Bank erneut auf den Stuhl des Chef-Risikoüberwachers gesetzt.
Ein zweiter hoher Risikomanager der Bank, der lange an exponierter Stelle Position war, ist Richard Metcalf. Ebenfalls Brite, konnte sich Metcalf intern halten, indem er nach den Subprime-Verlusten ins zweite Glied ging. Weil Metcalf aber fast 10 Jahre lang für die Risiken in der Investmentbank zuständig war, zählt der Angelsachse für UBS-Insider zu den einflussreichen Risikomanagern, die mit einem geeigneten Kontrollsystem Crashes wie jenen durch Adoboli hätten verhindern sollen.
Der unverwüstliche Walter Stürzinger
Last but not least gehört der Schweizer Walter Stürzinger zu den absoluten Risiko-Cracks der UBS. Stürzinger ist einer der letzten Überlebenden der alten Garde um Ex-Präsident Marcel Ospel. Von 2001 bis 2007 war Stürzinger oberster Risikochef der Bank und sass in dieser Funktion lange in der Konzernleitung des Finanzmultis.
Stürzinger hatte bereits ein Derivatedebakel in den 1990er-Jahren in wichtiger Funktion erlebt. Damals war er interner Chefinspektor der Bank und hätte allenfalls beim Aufbau der Risiken, die an jene im Fall von Adoboli 15 Jahre später erinnern, intervenieren können. Als Chief Risk Officer hätte der «Überlebenskünstler» auch die Steuerrisiken mit US-Offshore-Kunden begrenzen können.
Ins Kontrollversagen rund um Adoboli ist Stürzinger nicht direkt involviert. Interessant ist aber, dass ausgerechnet jener Manager, der in vielen anderen Highrisk-Geschäften die letzte Kontrollverantwortung hatte, jetzt die oberste interne Adoboli-Untersuchung orchestriert. Allein das wirft die Frage auf, ob Konzernchef Sergio Ermotti genug über die jüngere Vergangenheit weiss.
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Alle 26 Kommentare

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free adoboli
da haben die geldgierigen manager wohl wieder mal einen sündenbock gefunden...klar ist adoboli sicher kein engel, aber alleine ist er sicher nicht dafür verantwortlich, er war halt einfach derjenige der pech hatte.. als ex-ubs angestellter kann ich sagen es hat sich und wird sich nie etwas ändern in diesem laden, da immernoch alle an kurzfristigen gewinnen interessiert sind...
Gewinne und Risiken
Der Handel ist nun mal risikobehaftet. Hätte Adoboli den gleichen Betrag "erwirtschaftet", dann wäre er mit Sicherheit befördert worden und würde fortan als Vorbild gelten und dem Nachwuchs erzählen, dass es sich lohnt Risiken einzugehen. Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Macht's die UBS nicht, dann gibt es dutzende andere Banken, die in diesem Segment tätig sein wollen! Man kann sich eben nicht waschen, ohne nass zu werden, obwohl das Ermotti und co. uns das dauernd verkaufen wollen.
Verospelt
Nicht das ich mit den Machenschaften der Bankerkaste uneingeschränkt einverstanden bin, aber mir scheint das hier ein Bauernopfer gemacht wird. Beinahe Peanuts verglichen mit dem was der liebe Herr Ospel versenkt hat ...........