«Barometer Gute Arbeit»

21. November 2016 10:09; Akt: 21.11.2016 13:28 Print

Was den Angestellten Sorgen bereitet

Fühlen Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz gestresst? Wenn ja, geht es Ihnen gleich wie dem Grossteil der Schweizer.

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Viele verzichten auf Pausen: Eine kaufmännische Angestellte bei der Arbeit. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

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Arbeitnehmende in der Schweiz erleben ihre Arbeit mehrheitlich als sinnstiftend und nützlich. Nur eine kleine Minderheit macht sich unmittelbar Sorge um den Arbeitsplatz. Für die meisten sind aber immer mehr Stress und und emotionale Erschöpfung Realität.

Verbesserungspotenzial gibt es zudem bei Weiterbildungsmassnahmen und Löhnen. Das sind einige der Ergebnisse des «Barometers Gute Arbeit», das vom Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse und der Berner Fachhochschule erarbeitet wurde. 1400 Arbeitnehmende wurden dazu im Mai in der Schweiz befragt.

«Der Schweizer Arbeitsmarkt ist ein Wachstumsmarkt mit inzwischen über 5 Millionen Erwerbstätigen. Wir messen mit dem Barometer seinen Luftdruck um Wettervorhersagen zur aktuellen Situation zu machen», erklärte Travail.Suisse-Präsident Adrian Wüthrich am Montag vor den Medien in Bern.

Ängste im Tessin und der Genferseeregion

Die Luft weg bleibt gemäss der Studie dabei vor allem Beschäftigten im Tessin und in der Genferseeregion. Während im Schweizer Durchschnitt gut 13 Prozent der Befragten sich in hohem oder sehr hohen Mass um ihren Arbeitsplatz sorgen, sind es im Tessin rund ein Fünftel und in der Genferseeregion gar über ein Viertel.

Auch die Chancen werden in der lateinischen Schweiz schlechter eingeschätzt. Während in der übrigen Schweiz fast die Hälfte der Beschäftigten befürchtet, bei einem Stellenverlust nicht oder kaum wieder eine vergleichbare Stelle zu finden, sind es im Tessin über 70 Prozent.

Diese Ängste dürften sich auch in der psychischen Belastung niederschlagen. In der Deutschschweiz gibt rund ein Drittel der Arbeitnehmenden an, sich am Ende des Arbeitstages oft oder sehr häufig emotional erschöpft zu fühlen, sind es in der Genferseeregion knapp 40 Prozent und im Tessin fast die Hälfte.

Dafür verantwortlich ist laut Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travail.Suisse, der exponierte Arbeitsmarkt in den beiden Regionen mit sehr vielen Grenzgängern.

Wunsch nach Weiterbildung

Als generelle Defizite des «liberalen» Schweizer Arbeitsmarktes ortet Travail.Suisse aufgrund der Umfrage, dass fast die Hälfte der Arbeitnehmenden beklagt, dass Weiterbildung gar nicht oder zu wenig gefördert wird. Der in vielen Branchen beklagte Fachkräftemangel stehe im Widerspruch zu der von den Arbeitgebern geförderten beruflichen Weiterbildung.

Bei mehr als der Hälfte der Befragten wurde ausserdem entweder gar kein jährliches Mitarbeitergespräch (17 Prozent) geführt oder dieses als nicht konstruktiv wahrgenommen (fast 40 Prozent). Diese Mitarbeitergespräche wären aber genau der Ort, um Weiterbildungswünsche zu platzieren.

Fortschritte erhofft sich der Gewerkschaftsdachverband vom eidgenössischen Weiterbildungsgesetz, das am 1. Januar 2017 in Kraft treten wird. Darin wird verlangt, dass Unternehmen die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden «begünstigen». Unter anderem sollen Mitarbeitende zwischen 40 und 45 Jahren von den Arbeitgebern die Möglichkeit erhalten, eine Standortbestimmung vorzunehmen.

Der Bundesrat prüft ausserdem aktuell auf Anregung von Travail.Suisse einen Sonderkredit für Weiterbildung. Bis Mai 2017 sollte diese Prüfung laut Wüthrich abgeschlossen sein.

Steigende Unzufriedenheit mit dem Lohn

Ein brennendes Thema für Gewerkschaften und Beschäftigte bleiben die Löhne. Die Lohnzufriedenheit hat sich im Vergleich zur Umfrage vor einem Jahr klar verschlechtert. Der Anteil der Befragten, die ihr Einkommen mit Blick auf ihre Arbeitsleistung als nicht oder nur in geringem Mass ausreichend einschätzen, ist deutlich auf 44 Prozent gestiegen. Abgenommen hat auch die Zahl derjenigen, die ihr Einkommen in hohem oder sehr hohem Mass als angemessen betrachten.

Tatsächlich war die Reallohnentwicklung in den letzten Jahren unterdurchschnittlich. Travail.Suisse kritisiert, dass auf der anderen Seite die Gewinne der Unternehmen mit der Unternehmenssteuerreform III immer tiefer besteuert würden.

Kritisch sieht Travail.Suisse auch dass bei einem Drittel der Arbeitnehmenden keine Arbeitszeiterfassung durch den Arbeitgeber erfolgt. Dies, obwohl bisher von Gesetzeswegen eine Pflicht mit wenigen Ausnahmen bestehe. Die fehlende Arbeitszeiterfassung öffne der Mehrarbeit Tür und Tor und Gratisarbeit wäre die Folge.

(woz/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jac56 am 21.11.2016 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute arbeit!

    ja klar! nur noch stress und alle sind zufrieden? guter witz!

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  • Realist am 21.11.2016 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Wir machen uns alle zusammen den Stress selber. Wir beklagen uns zwar über den Stress auf der Arbeit. Aber sind wir ehrlich. Wenn wir auf der anderen Seite stehen, wollen wir auch alle sofort und jetzt haben und das zum möglichst billigsten Preis. Denkt mal drüber nach.

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  • Anerom am 21.11.2016 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfach

    Wir leben in einer sehr stressigen Welt. Alles um uns herum ist schnelllebig, alles muss sofort und am liebsten gestern erledigt sein. Doch es wird leider immer wieder vergessen, dass wir alle Menschen sind und keine Maschinen. Deshalb finde ich es sehr wichtig, dass es ein Geben und Nehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist. Dann kann man mit dem Stress anders umgehen. Das ist zumindest meine Erfahrung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 22.11.2016 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Haha wer in ner Bude ohne Zeitsystem anfängt hat sich echt selbst ins Bein geschossen. Hab auch schon Jobs abgelehnt als der Chef mir sagte: Wir haben hier kein Zeit oder Stempel System. Nach dem Satz hab ich schon abgeschaltet.

    • Paul am 22.11.2016 07:51 Report Diesen Beitrag melden

      Zeitsystem

      Ich bin selber Chef eines Unternehmens, dass kein Stempelsystem kennt. Die Mitarbeiter schreiben die Zeit selber auf. Ich übernehme diese Angaben ohne zu Zweifeln. Ich habe Vertrauen in unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sie haben wohl nur noch Misstrauen.....

    • .Nicolas. am 22.11.2016 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paul

      ich hatte auch mal ein netter chef. der hat meine Stunden von 94 auf 30 runter gekürzt. mit der Begründung "Er könne nicht verstehen was ich die ganze Zeit gemacht habe". man war das ein ar.... aber grosskotzig das blaue vom Himmel versprechen.

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  • Dario am 22.11.2016 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Stress

    Wer sich diesem Druck und Stress nicht mehr aussetzen will, muss sich für sich selbst eine Alternative suchen. Die Anforderungen wachsen mit den Restrukturierungen. Und die, die im Unternehmen nach einer Reorg verbleiben dürfen sind nicht immer die Gewinner. Ein Ausgemustert werden kann auch eine Chance sein. Ich ziehe die Bereitschaft zukünftig zu verzichten vor, damit ich endlich endschleunigen kann und wieder an Lebensqualität gewinne. Geld verdienen geht immer, Zeit ist unwiederruflich weg.

  • Paadi am 22.11.2016 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stress im Büro= Internet. FB usw.

    Die gestressten KV- Leute möchte ich ja mal sehen. ..lach.. Im Handwerk da gehts ab. zzz verweichlicht.

    • Paadi am 22.11.2016 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paadi

      kein wunder die Negativen Bewertungen, warscheindlich alles von KV s , haben ja Zeit...

    • Roger am 22.11.2016 10:11 Report Diesen Beitrag melden

      Lieferwagen, Stau und alles bezahlt

      Ach Paddi, Du bist bestimmt irgendeiner mit einem Lieferwagen der lieben stundenlang im Stau steht und die Zeit teuer verrechnet. 40zig Std. Woche am Fr. gegen 15:00 Schluss und der Arbeitsweg wird auch noch bezahlt. Voon Dir gibt es genug, fass Du keinen Stress kennst glaub ich Dir sofort.

    • Paadi am 22.11.2016 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roger

      ach Schatz, leider nein. persöndlich zu urteilen ist dir leider nicht erlaubt aber egal. ich war Schreiner habe eine weiterbildung gemacht und jetzt Techniker. So wie ich Sie beurteile darf sind Sie auch ein Bürohocker, noch nie Körpetlich gearbeitet odet sonst was... aber egal. an Ihrer Antwort ist schon alles klar.... chch

    • McKannsnicht am 22.11.2016 19:12 Report Diesen Beitrag melden

      Erfahrener

      @Paadi, wohl etwas einseitige Meinung. Oder sitzen die Teams der McKinsey auch mit den Stoppuhren (kein Witz!!) bei den Mitarbeitenden und messen akribisch auf die Sekunde genau die einzelnen Arbeitsgänge?

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  • Ein Leser am 21.11.2016 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Mitarbeiter

    Mich bereiten die Mitarbeiter sorgen. Einige arbeiten und die anderen tun nichts.

  • Röufu am 21.11.2016 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    zwei Seiten

    mit meinen mindestens 50 Std. pro Woche bin ich grundsätzlich auch im Stressbereich, denn selbst diese Stunden reichen nicht für alles was angeblich (sofort) sein muss. Aber das Schöne an der ganzen Misere ist, ich hab wenigstens Spass bei der Arbeit. Ganz was anderes - warum ist dieser Stress? Wir müssen alles haben, wir möchten ale dicke Gehälter und auf der Gegenseite für nix einen gerechtfertigten Preis bezahlen.

    • Heinz Maier am 21.11.2016 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Röufu

      Nicht zu vergessen: stress macht man sich selbst. Wer zb im projektmanagement arbeitet sollte 80/20 kennen - die realität sieht leider anders aus

    • Hp Kamelli am 22.11.2016 07:37 Report Diesen Beitrag melden

      Gute PL?

      @Heinz: Hätten sie wirklich Ahnung von PM wüssten sie das dies immer Situativ ist.. falls das Projekt ein Sicherheitssystem einer Bank ist, wäre die 80/20 Regel definitiv falsch^^

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